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Die Wahrheit des Wortes

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Der Supergau kommt – “Es wird Blut fließen, viel Blut!”

15. Juni 2009

Es gibt eine intellektuelle Dürre in Europa, eine geistige Verarmung, da jegliches Handeln gegen die Krise ausschließlich wirtschaftliche Argumente zutage fördert. Man muss die Banken stabilisieren, man muss für Arbeit sorgen, man muss die Kredite wieder zum Laufen bringen, man muss die Bilanzzahlen stabilisieren, man muss den Konsum ankurbeln, man muss, man muss, man muss. Keiner traut sich die Sinnfrage zu stellen. Ist doch klar, weil man die Geisteswissenschaften, die sich solchen Fragen widmen, in den vergangenen fünfzehn Jahren systematisch ausgehungert hat. Eine bereitwillig dumme Masse läuft nun dem sterbenden Kapitalismus hinterher, und bemerkt dabei nicht, dass die Crux im System liegt. Und Vordenker gibt es heute keine, die jene intellektuellen Sinnfragen stellen können.

Zensur ist reinkarniert. Geisteswissenschaft, ach die brauchen wir doch nicht. Die EU benötigt Ingenieure, Techniker, Wirtschafter. Und so flossen die Forschungsgelder schön brav in diese Ressorts. Einen Historiker kann man doch nicht verkaufen! Einen Philosophen sich zu leisten, ist doch Luxus und hat wenig wirtschaftlichen Wert! Alles wird in Zahlen gemessen, und so versucht man auch die Konjunkturmaßnahmen in Zahlen zu fassen. Ob diese Sinn machen, welche Auswirkungen damit verursacht werden, fragt niemand. In Österreich wurde vor zwei Tagen das Budget für das WIFO (Wirtschaftsforschungsinstitut) drastisch gekürzt. Die Industriellenvereinigung drehte an diesem Hebel, weil das WIFO angeblich Daten veröffentlicht, die zu weit links, zu weit an sozialistischen Parteien orientiert sind. Das ist Zensur – der Ständestaat ist auferstanden. Und nun dürfen wir abwarten, wann die erste Verbrennung von Büchern, die dem herrschenden Kapitalismus und seinen Jüngern nicht in den Kram passen, erfolgt!

Krise bis 2011. Ganz so nebenbei veröffentlicht am Sonntag IHS-Chef Andreas Felderer vom Institut für Höhere Studien die neuen Prognosen. Nämlich die Krise wird noch weit ins Jahr 2010 hineinreichen, wenn nicht sogar bis 2011 wirken. Und Felderer gibt zu, dass man Prognosen erstellen muss, weil es das Finanzministerium so will, auch wenn diese Prognosen völlig irrelevant und aussagelos sind! Man tut eben, weil es gefordert ist. Diese Prognosen werden dann den Medien zum Verbreiten zur Verfügung gestellt, so denken wir in der Redaktion hier weiter und hinterfragen deren Sinnhaftigkeit aufs Schärfste. Doch zu welchem Zweck? Ist der Masse schon so das Verhalten von Lemmingen andressiert worden, dass hier niemand mehr bemerkt, was hinter den Kulissen gespielt wird?

Mit null Hirn in den Big Clash. Wohl darf Gunther Dueck Recht haben. Lean Brain Management erscheint als neues Demokratieverständnis. Alle werden auf Konsum eingeschworen, alle werden mit Zahlen gefüttert, die keinerlei Aussage haben, alle werden auf Ingenieure und Techniker getrimmt, damit niemand auf dumme Ideen kommt. Damit niemand Fragen nach dem Sinn stellt, nach dem Wesen unserer Gesellschaft und der Systeme, in denen sich diese bewegt. Ach ja, weil wir auf Zahlen getrimmt werden, kümmert es auch wenig, wenn Nordkorea seit Sonntag mit einem Atomangriff droht. Ziel? USA wäre schön, denn die seien ja Schuld an dem Schlamassel. Oder weniger krass formuliert: Nordkorea baut fleißig an Atomwaffen und kümmert sich einen feuchten…. um die internationale Kontrolle und den Aufruf zur Besinnung.

Blut wird fließen. Da kommt ein Artikel im Stern gerade Recht, dessen Titel wir uns erlaubt haben, für diesen Kommentar zu übernehmen. “Es wird Blut fließen, viel Blut”. Ein Geisteswissenschaftler kommt zu Wort, ein Historiker, der zu viele Parallelen zu den Dreißiger Jahren erkennt. Der meint, die Welt würde auf einen Abgrund zusteuern, wenn man sich nicht endlich dazu bekennt, dass im System etwas nicht stimmt. Im Wirtschafts- und Finanzsystem nämlich, dort liegt der Hund begraben! Und der Historiker meint, wir müssten gesellschaftlich völlig umdenken. Er ist Sozialhistoriker und Philosoph, er heißt  Eric Hobsbawm - für die Macher dieser Welt und Finanzjongleure völliger beruflicher Luxus und wirtschaftlich uninteressant, dieser Mann! – mahnt zur Vorsicht. Der Kapitalismus rettet sich in eine völlige Katastrophe, die Krise sei heute schlimmer als vor 80 Jahren, so Hobsbawm. Und wenn den Menschen mit Arbeitslosigkeit, Deflation – Inflation und sozialen Krisen die Hoffnung genommen wird, dann endet das in einem Supergau. Denn Protektionismus macht sich jetzt schon breit. Zensur macht sich jetzt schon breit. Sozialismus macht sich jetzt schon breit. Hinter Ersterem stehen nationale Interessen, hinter Zweitem der Wunsch die Menschen zu steuern und hinter Drittem der Aufruf nach einer Gerechtigkeit, wie auch immer die aussehen mag. Es sei daran erinnert, dass die nationalen Interessen vor 80 Jahren auch beliebt waren, ebenso wie das Soziale und die Zensur. Wer diese heute in Österreich betreibt, kommt aus dem konservativen Eck der Schwarzen (ÖVP) - es ist die Industriellenvereinigung. Ach ja, fast hätte man jetzt vergessen zu erwähnen, dass aus dieser Ecke vor 80 Jahren der Boden für den Anschluss an Großdeutschland ebenfalls bereitet wurde.

National, Sozial, Zensur – das passt. Vielleicht nennt oder nannte sich diese Tendenz “National-Sozialismus”. So gesehen ist es eine Pflicht heute zum denkenden Menschen zu werden, denn der Cocktail aus Protektionismus und Sozialismus kann sich auch in Richtung sozialistischer Planwirtschaft entwickeln. Ob links oder rechts, beide schlagen die Schädel der Andersdenkenden ein. Beide benötigen die ungebildeten Massen von Null-Hirn-Gesellschaften, die brav den Lemmingen gleich marschieren – an die Front, gegen Andersdenkende, in die Fabriken. Ach ja, Arbeit macht doch frei, oder? Schade um Hobsbawm, denn das Denken ist ja nicht modern im 21. Jahrhundert, und ein 92-jähriger alternder Philosoph, der irgendwo in London sitzt, ist für die Entscheidungsträger dieser Tage nur von geringer Bedeutung.

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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