fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Der Selbstmord der großen Kirchen in Deutschland

25. Februar 2010

Kindesmissbrauch, Alkoholfahrten mit dem Dienstwagen und Parteiensponsoring, so sieht die Lage bei den Kirchen und in der Politik in Deutschland im Moment aus. Als wäre dieser völlige moralische Verfall nicht schon genug, ist es aber auch unfassbar, wie mit all diesen Skandalen umgegangen wird. Nach wirklicher Verantwortung sucht man in vielen Fällen vergebens. Egal, ob man die Kirchen nimmt oder aber den so genannten Arbeiterführer aus Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU), scheinen sich viele nicht im klaren zu sein, dass sie auch eine Vorbildfunktion haben und ihr Verhalten allein in diesem Kontext schon schädlich für die Gesellschaft sein kann. Es zeigt sich scheinbar eine gewisse Systematik, ein neues Denken, welches sich in vielen Lebensbereichen scheinbar ausbreitet. Unternimmt man auch weiterhin nichts gegen diesen neuen Weg, sondern bagatellisiert auch weiterhin vieles, könnte sich dies irgendwann rächen, dies sollten alle Beteiligten bei ihrem Handeln immer berücksichtigen.

Rent a Rüttgers
Völlig unabhängig davon, ob der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU), von dem Vorfall wusste oder nicht, bleibt es ein Skandal und nicht gerade ein kleiner. Es geht darum, dass Angebote an Unternehmen verschickt wurden, in denen der Landesvater quasi für 6.000 Euro zur Miete angeboten wurde. Rüttgers (CDU) behauptet zwar von all dem nichts gewusst zu haben und das obwohl es solche Angebote auch schon im letzten Jahrzehnt gegeben haben soll aber auch dies macht den Sachverhalt nicht wirklich besser. Wenn es so war, muss man sich natürlich die Frage stellen, ob er seinen Laden im Griff hat oder ob man hier von einer schlechten Personalpolitik reden muss. In diesem ganzen Wirrwarr darum wer, wann, was gewusst hat, kommt auch ganz nebenbei ans Tageslicht, dass eine gewisse Art des Parteiensponsorings in Deutschland durchaus üblich zu sein scheint und dies gilt nicht nur für die CDU. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, feierte seinen Geburtstag mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt, ein großer Hotelier spendet riesige Summen vor der Steuersenkung für diese Branche und jetzt auch noch der Fall Rüttgers (CDU). Das dies beim Wahlvolk Unglaubwürdigkeit in die Politik hervorruft, dürfte jedem klar sein.

Unabhängig davon, dass große Spenden in diesem Land genauso legitim sind, wie Parteiensponsoring, zeigt es wieder mit wie viel Moral im Bereich der Politik  gearbeitet wird, es scheint schon so als ginge der moralische Verfall in diesem Land munter weiter. Natürlich spielt gerade im Fall Rüttgers (CDU) auch der Wahlkampf eine sehr große Rolle, schließlich will er seinen Posten am 9. Mai bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen behalten und dies ist auch bundespolitisch sehr relevant. Auch wenn die Fakten dadurch natürlich gerade auch in den Medien noch einmal etwas intensiver beobachtet werden, als sonst, bleibt es inhaltlich alles sehr fragwürdig und man darf sich bei einem solchen Verhalten nicht über sinkende Wahlbeteiligung wundern. Denn diese Basta-Politik, die hier gefahren wird und den Fall mit der Auswechslung des Generalssekretärs der CDU in Düsseldorf beenden soll, wirkt doch eher befremdlich. Befremdlich ist allerdings auch die ganze Aufregung auf Seiten der SPD, denn auch hier ist eine Nähe von Politik und Wirtschaft nicht von der Hand zu weisen und schließlich nannte man ihren letzten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auch nicht umsonst Genosse der Bosse. Diese Nähe, um die es in letzter Zeit so oft geht, ist allein schon aus moralischen Gründen, wie aber eben auch aus Fragen der Glaubwürdigkeit, so nicht länger tragbar.

Rote Ampeln, Alkohol und Kindesmissbrauch
Bei dem, was sich in diesen Tagen bei den beiden großen Kirchen in Deutschland abspielt, muss man scheinbar von so etwas wie einem Selbstmord der Kirchen in Deutschland reden. Als ob der Kirche nicht so schon Mitglieder in Scharen davon laufen , leistet man sich nun auch noch Skandale im Akkord. Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Margot Käßmann wurde letztes Wochenende, nachdem sie mit ihrem Dienstwagen über eine rote Ampel in der Innenstadt von Hannover fuhr, mit 1,54 Promille aus dem Verkehr gezogen. Die Entrüstung hielt sich aber zum Teil doch im Rahmen. Man redet von menschlichen Fehlern und sah den Fall doch auch oftmals eher etwas schmunzelnd, was natürlich schon erstaunlich im Kontext eines unter starkem Alkoholeinfluss fahrenden, deutschen Kirchenoberhaupts ist. Im normalen Leben haben nur die wenigsten Menschen Verständnis für ein solches Verhalten, mit dem man letztendlich auch immer das Leben anderer gefährdet. Ein solch verantwortungsloses Verhalten ist einfach nicht zu akzeptieren und schon einmal gar nicht bei der Kirche, die für sich doch immer gerne einen besonderen Status reklamiert. Auch hier stellt sich natürlich die Frage nach der Vorbildfunktion und natürlich auch nach dem moralischen Versagen in unserer Gesellschaft. Somit war ihr gestriger Rücktritt eigentlich die einzige Option.

Der gerade geschilderte große Skandal der evangelischen Kirche, scheint im Vergleich zu den Problemen der katholischen Kirche aber dann doch schon fast wieder banal. Laut Medienberichten haben sich bislang schon Hunderte von Missbrauchsopfern gemeldet und treten somit den Beweis an, dass man hier mit Sicherheit bei der katholischen Kirche nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann, sondern sogar ein hohes Maß an Systematik voraussetzen muss. In diesem Ganzen dann noch das Wort Moral unterzubringen, scheint einfach nur unmöglich zu sein und entzieht so natürlich der Kirche das Fundament. Die Krönung des gesamten Sachverhalts scheint dann aber die Aussage des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch zu sein. Dieser Geistliche setzte am Rand der DBK-Tagung in Freiburg die Opferzahlen bei der katholischen Kirche, ins Verhältnis zu den bundesweiten Zahlen in diesem Verbrechensbereich und wollte so scheinbar die eigenen Zahlen schönreden. Ein solches Verhalten dürfte seine Entschuldigung bei vielen der Opfer wieder nichtig gemacht haben und zeigt auch hier wieder, wie es bei den Predigern der Moral, wirklich um diese bestellt ist. Scheinbar zeigen all diese Fälle bei den Kirchen, dass man am Ende des Tages auch nicht besser ist, als die vermeintlichen Eliten aus der Politik und Wirtschaft. Ein Armutszeugnis für die Kirchen, welches man sich hier selber ausgestellt hat.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu