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Die Wahrheit des Wortes

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Der Papst und die Kunst

25. November 2009

Da mussten wir hier doch immer wieder auf einen sehr zurückhaltenden Papst Benedikt den XVI. hinweisen, der sich gerade auch in Zeiten der Krise nicht gerade mit nachhaltigen und bewegenden Statements einen Namen machte, da bewegte er sich dann doch. Allerdings ging es nicht um das Thema Wirtschaft, sondern um Kunst und Kultur und so lud der Vatikan über 250 Kulturschaffende in die Sixtinische Kapelle ein um in den Dialog zu treten. In Zeiten in denen gerade auch in Deutschland die Kultur mehr und mehr zu Tode gespart wird und man den Menschen damit auch ein wenig ihre Identität raubt, ein grundsätzlich wichtiger und richtiger Schritt. Ein solches Künstlertreffen mit dem Heiligen Vater ist nun kein wirkliches Novum und es bleibt abzuwarten, was der Papst mit dieser Aktion tatsächlich bewirken will, bis dies geklärt ist muss man aber festhalten, dass es erst einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist.

Terence Hill beim Papst
Wie bei jeder großen Veranstaltung kann man natürlich auch bei diesem päpstlichen Event über die Gästeliste philosophieren bzw. streiten und die Frage was Kunst ist und damit auch wer ein Künstler ist, wird sich am Ende des Tages wohl so oder so nie klären lassen. So sollte man es einfach nur zur Kenntnis nehmen, dass auch Menschen, wie zum Beispiel Terence Hill unter den 260 geladenen Gästen waren, wie gesagt, ob man nun diese Form der leichten Unterhaltung als großartige Kunst beurteilen mag, gilt es hier nicht zu beantworten. Viel wichtiger ist die Feststellung, dass Papst Benedikt XVI. darauf hinwies, dass der Glaube nichts vom Genius der Kunst wegnimmt. Als sehr schmeichelnd dürfte man es wohl bewerten, dass der Papst, Künstler als `Hüter der Schönheit` bzw. `Botschafter der Hoffnung für die Menschheit` bezeichnete. Wobei sich spontan bei der letzteren Aussage die Frage stellt, ob diese nicht eigentlich Aufgabe der Kirche sein sollte. Offensichtlich wurde aber die Kirche bzw. gerade auch der Glauben und hier im speziellen das Christentum zurückgenommen. Denn es waren sowohl Vertreter anderer Konfessionen, wie aber auch Vertreter nichtchristlicher Religionen, Agnostiker und Atheisten geladen.

Erzbischof Gianfranco Ravasi, Präsident des päpstlichen Kulturrates, der dieses Treffen organisiert hatte, betonte ausdrücklich, dass es bei der Einladung um wesentlich wichtigere Gründe als den Taufschein gegangen sei. Da man wohl voraussetzen mag, dass im Vatikan nichts durch Zufall passiert, bleiben aber trotzdem einige Fragen offen. So bleibt zum Beispiel im Verborgenen, warum sich Papst Benedikt VXI. so aktiv und in einer großen Öffentlichkeit für die Kultur einsetzt, während die Menschen in ganz Europa im Moment in der Hauptsache Probleme im Kontext mit dem Lauf der Wirtschaft haben. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, auch hier hätte man sich nachhaltige und große Auftritte des Papstes erhofft und nun die Kunst, ein klares Signal für die Kultur. Wie mag dies begründet sein? Man erklärte von Seiten des Vatikans ausdrücklich, dass eine Rückkehr zur sakralen Kunst hier nicht im Vordergrund stand, dass sollte man erst einmal so hinnehmen und muss dann natürlich andere Gründe suchen. In jedem Fall hat der Papst, hat der Vatikan damit ein gesellschaftliches Zeichen gesetzt und vielleicht geht es genau darum. Es ist vielleicht der Versuch, so ein kleines Stück aus der Misere zu kommen.

Kirche, Staat und Wirtschaft
Wie bereits angesprochen, ist dieses Treffen kein Novum schon 1964 versuchte Papst Paul VI. den `verlorenen Faden` im Gespräch zwischen der Kirche und der zeitgenössischen Kunst wieder aufzunehmen. Dies geschah damals allerdings auch im Kontext einer Messe in der Sixtinischen Kapelle und es waren nur italienische Künstler geladen. Als noch wesentlich religiöser einzustufen, war da die Initiative des polnischen Papstes Johannes Paul II., dieser verfasste vor zehn Jahren, als 35 Jahre nachdem angesprochenen Treffen, einen Brief an Künstler in dem er ein `fruchtbares Bündnis zwischen Evangelium und Kunst` forderte. Wobei man hier sieht, dass der Bezug zur Kirche ein vielfaches größer war, als aktuell bei seinem Nachfolger und dies ist schon erstaunlich, da dieser nicht nur bei manchem Künstler als Fundamentalist gilt. Vielleicht passt aber diese Kategorisierung und sein Handeln besser zusammen, als man auf Anhieb meinen mag. Denn, wie gesagt, in Zeiten wo sich die Wirtschaft aber vor allem auch der Staat mehr und mehr aus der Kultur hinaus bewegen und dies immer gerne mit dem Hinweis auf mangelndes Kapital in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, was natürlich bei den Milliarden die teilweise selbst in offensichtlich bodenlose Fässer der Wirtschaft fließen, sehr merkwürdig wirkt, versucht die Kirche offensichtlich die so entstandene Lücke zu schließen.

An dieser Stelle kommt man wahrscheinlich bei der Suche nach dem Grund der Antwort am nächsten. Die Kirche verliert in der Gesellschaft immer mehr an Rückhalt und hat mit einem massiven Mitgliederschwund zu kämpfen, wenn man sich nun gesellschaftlich, kulturell stark engagiert zeigt, was man natürlich durch ein solch internationales Treffen tut, könnte sich dies positiv auf die Einstellung der Menschen gegenüber der Kirche auswirken und damit sprechen wir wieder einmal von der Kunst bzw. der Kultur als Mittel einer Promotionaktion. Dieser Umgang mit Kunst und Kultur ist nichts Neues, schließlich ist oder war es zum Teil sowohl in der Politik, wie auch in der Wirtschaft an der Tagesordnung Künstler und ihr Schaffen so einzusetzen. In diesen beiden Bereichen beweisen die Protagonisten gerade in Zeiten der Krise sehr schön, wie wahrhaftig ihr Interesse wirklich ist und man fährt in diesen Tagen einen radikalen Sparplan auf dieser Ebene. Genau dieses Verhalten ist es, warum sich viele Künstler, viele Kulturschaffende doch auch immer wieder als Prostituierte ansehen und genau an dieser Stelle liegt das große Risiko für die Kirche, den Vatikan und letztendlich natürlich auch für den deutschen Papst Benedikt XVI., denn sollte sich herausstellen, dass auch die katholische Kirche die Kunst und Kultur nur prostituieren will, könnte dieser Plan ganz schnell und sehr massiv nach hinten losgehen. Sollte es der Papst es allerdings tatsächlich ehrlich meinen, bleibt wohl nur die Frage, warum er sich nicht schon eher in genau dieser Form für diesen Bereich eingesetzt hat. Hier würde dann aber wohl gelten: Besser spät, als nie.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

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