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Die Wahrheit des Wortes

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Der Papst und die Krise

23. März 2009

Papst Benedikt der XVI. beendete soeben seine Afrikareise und man kann wohl aus seiner Sicht und damit natürlich auch aus Sicht der Kirche, von einem vollen Erfolg sprechen. Nun gut, im Gerangel wurden Menschen zu Tode getrampelt aber auch auf so etwas hat Gott und die Kirche offensichtlich eine Antwort. Außerdem freut man sich viel mehr darüber, dass der Schwarze Kontinent, der Kontinent mit den größten Zuwachszahlen für das Christentum ist. Man könnte nun natürlich die Überlegung anstellen, dass da wo das Leid und die Armut am größten ist, die Vermarktung Gottes auch am besten funktioniert und wie gesagt, wenn wir von der Kirche sprechen, wenn wir vom Vatikan sprechen, sprechen wir auch immer von Wirtschaft, Macht und Einfluss, womit der Begriff Vermarktung es schon am besten trifft. Wer leidet glaubt ganz offensichtlich auch mehr, als die Menschen die im Wohlstand leben und denen es gut geht. Dies könnte auch den eher zurückhaltenden Ton von Papst Benedikt dem XVI. zur Weltwirtschaftskrise erklären.

Der Papst und die Kondome

Mir persönlich ist die Sache mit Gott noch nie so klar gewesen, unabhängig davon, ob es mir gut oder schlecht ging. Ich komme mit dieser, in meinen Augen, maßlosen Heuchelei nicht klar mit der mir vom Guten, von der Liebe und vom Licht erzählt wird, um mir gleichermaßen die abartigsten Auswüchse der Gesellschaft, wie zum Beispiel den Amoklauf des Tim K. von Winnenden, oder auch die Taten eines Josef Fritzl aus Amstetten, zu erklären. Selbiges gilt natürlich auch für Faktoren, wie Krieg oder eben auch Aids. Womit wir gerade auch beim Thema Aids und Afrika ein interessantes Themengebiet im Kontext zur Kirche angeschnitten haben. Natürlich äußerte sich auch Papst Benedikt der XVI. zu diesem Thema und wie viele seiner Äußerungen, war auch diese nicht unumstritten. Als ausgewiesene Gegner von Kondomen hat natürlich auch die Kirche eine Antwort darauf, wie man die Aidsproblematik, gerade auch auf dem Schwarzen Kontinent, in den Griff bekommen kann. Die Stichwort heißen, Enthaltsamkeit und Treue. Dies sind für mich persönlich wieder Punkte die zeigen, dass der Zusammenhang von Kirche und Realismus nicht der aller größte ist, was sich auch an vielen anderen Punkten zeigt.

Zum Thema Enthaltsamkeit, sollte man gerade bei der Kirche vielleicht etwas zurückhaltender sein, denn wir kennen alle die Geschichten um die Missbräuche durch Geistliche, die man trotz einer beachtlichen Häufigkeit natürlich immer gerne als Einzelfall darstellen möchte. Außerdem ist es fraglich, ob die Kirche überhaupt das Recht haben sollte, mir als freiem Individuum vorzuschreiben, wie ich mit meinem Sexualleben umzugehen habe. Zum Thema Treue habe ich ein ganz klares Bild vor Augen. Was bringt es einem aidskranken Menschen treu zu sein, wenn er seinen Partner trotzdem ansteckt bzw. die Krankheit vererbt, da er sie von Geburt an hat. Man muss es wohl so verstehen, dass die Kirche Millionen Menschen den Sex verbieten möchte, ohne diesen im eigenen Hause im Griff zu haben. Hier finde ich es auch durchaus angemessen von Heuchelei zu sprechen. Natürlich fördert man durch das Verbot von Verhütungsmitteln auch die Überbevölkerung auf diesem Planeten, was letztendlich zu einer massiven Verknappung aller wichtigen Ressourcen führt aber bei genauerer Betrachtung bringt auch dies die Kirche nach vorne. Noch mehr `Schäfchen` und noch mehr Armut und Leid.

Der Papst und die Wirtschaft

Wir leben in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, eine Krise dessen Ausmaße es in dieser Form in der modernen Gesellschaft noch nie gab. Für das Ausmaß dieser Krise, sind die Statements der Kirche dazu verhältnismäßig gering. Auch hier bekommt man leicht das Gefühl, dass man von Seiten der Kirche gar nicht gewillt ist zu versuchen, positiv gegen die Krise zu arbeiten oder gar den Menschen gar ihre Ängste zu nehmen. Dies lässt natürlich den Schluss zu, dass Glaube, Religion und letzt endlich natürlichen auch die Kirche, immer auch ein Geschäft mit der Angst betreiben. Vielleicht sollten die Menschen einfach auch wieder lernen mehr an sich selbst zu glauben, was natürlich nicht nur im Bereich der Kirche, sondern ebenso auch in Breichen, wie zum Beispiel Wirtschaft und Politik gilt. Gerade wir hier in der modernen, westlichen, oftmals christlichen Welt, machen uns oft genug über andere Glaubensformen lustig, diese Arroganz finde ich auch immer wieder sehr erstaunlich, denn es gibt genügend Hinweise, die durchaus auch den Gedanken Zuspruch geben, dass die Bibel auch nur ein gut gemachtes Märchenbuch ist. Man darf diese Zeilen nicht falsch verstehen, es geht nicht darum zu sagen, dass der Glaube etwas schlechtes sei, es geht nur darum, detailliert zu prüfen an was man glaubt.

Ob Winnenden, oder auch Amstetten, immer wieder kommt die Frage auf, wo warst Du Gott? Dies zeigt natürlich auch, dass ich mit meinen Gedanken in diesem Kontext nicht allzu alleine bin. Natürlich gibt es auch eine riesige Personenzahl, die genauso denkt, die dies aber niemals in der Öffentlichkeit so sagen würden, denn der Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft ist natürlich noch immer ein ganz großer. Da ist es umso schöner, dass sich auch Menschen von großem Format, wie zum Beispiel Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), mit dieser Frage im Detail auseinandersetzen und zum Beispiel die Frage stellen, warum hat Gott Auschwitz zu gelassen? Fragen wie diese findet man, wenn man genauer sucht, doch sehr viele. Eine weitere spannende Frage ist es auch für mich, wieso zum Beispiel die Pflegezustände und Lebensbedingungen in Altersheimen und zwar auch in denen mit einer kirchlichen Trägerschaft dahinter, scheinbar zum Teil unmenschlich sind? Versteht man dies etwa unter Nächstenliebe? Ganz offensichtlich überwiegt hier dann doch wieder ein gewisser kaufmännischer bzw. kommerzieller Aspekt. Auch solche Fakten dürfte man wohl eher im Bereich der Heuchelei verbuchen. So bleibt am Ende die Feststellung, dass Afrika für den Papst und die Kirche ein Erfolg war, ob aber der Papst und die Kirche ein Erfolg für die Menschen sind, muss sich jeder selber fragen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Geris // 23. Mrz 2009 at 14:30

    Meine ganze und aufrichtige Zustimmung. Du hast mir in diesem Punkt aus dem Herzen gesprochen.

  • 2 Juergen // 25. Mrz 2009 at 22:50

    Sehr interessante Darstellung die – wie ich glaube – vielen Menschen aus dem Herzen spricht wie auch Geris und mir ;-)

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