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Die Wahrheit des Wortes

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Der Papst und das Schweigen

5. Juli 2010

Es ist sehr ruhig um die katholische Kirche geworden und das ist natürlich gerade in Zeiten der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika nicht wirklich verwunderlich, verdrängt dieses sportliche Großevent doch vieles in die zweite Reihe. Nur weil ein wenig Ruhe an diesem Teil der Nachrichtenfront eingekehrt ist, bedeutet dies allerdings nicht, dass sich hier nichts mehr tun würde. Der Skandal bei der katholischen Kirche setzt sich auch in diesen Tagen genauso fort, wie zum Beispiel die Ölkatastrophe die BP im Golf von Mexiko verursacht hat, man muss halt nur ein wenig genauer hinschauen. Dieser etwas genauere Blick, dem man natürlich auch hier folgt, bringt dann auch in diesen Tagen wieder Spannendes an die Oberfläche, so auch im Skandalfall um den ehemaligen Bischof Walter Mixa. Hier gilt es natürlich auch genau zu schauen, wie sich der Vatikan und der Heilige Vater verhält.

Privataudienz beim Papst
Sah es am Anfang noch so aus, dass Walter Mixa nachdem Rücktritt dafür kämpfte wieder in Amt und Würden zurückzukehren, dies sogar im Notfall kirchenrechtlich durchsetzen wollte, hat sich die Lage nun etwas geändert. Während man bei der WM 2010 in Südafrika fleißig kickte, gab es für Mixa eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. Ein Ergebnis dieser Audienz der ganz besonderen Art war, dass Walter Mixa nun erst einmal eine Zeit des Schweigens in Anspruch nimmt. Ein Schelm, wer meint hier könnte irgendwie der deutsche Papst Einfluss drauf genommen haben. Schweigen kennt man von der Kirche doch sehr gut, man meint erkennen zu können, dass es sogar eine Art Maxime darstellt und die gilt im besonderen natürlich auch für die katholische Kirche, was man auch im Kontext der aktuellen Missbrauchsvorwürfen sieht. Nur am Rande sei erwähnt, dass auch dies ein Punkt ist, warum die Schäfchen in den Kirchen immer mehr die Flucht ergreifen.

Schweigen mag in einer gewissen Form Probleme lösen aber dies natürlich nur an der Oberfläche. Jahrzehnte lang wurde das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche verschwiegen, was auch bis vor einigen Wochen noch problemlos klappte. Man wird auch das Gefühl nicht los, dass hier eine gewisse Systematik zu Grunde liegt, denn die meisten Fälle, die in den letzten und Wochen ans Tageslicht traten, waren längst verjährt und bereiten der Kirche zu mindestens aus juristischer Sicht keine Probleme mehr. Ethisch, wie auch moralisch, sieht es hier natürlich ganz anders aus. Diesen Fakt darf man auch nicht vergessen, denn was bedeutet bitte verjähren wenn Mixa und Kollegen prügeln, unterschlagen und missbrauchen. Gerade in der heutigen Zeit sind viele Menschen auf der Suche nach moralischen und ethischen Werten, wenn sie dann so etwas mitbekommen, disqualifiziert dies die Kirchen natürlich sehr stark und da hilft auch schweigen nicht. Die katholische Kirche wäre viel mehr gut damit beraten, wesentlich offener, ehrlicher und offensiver mit ihren Problemen umzugehen.

Unterscheidung von der Politik
Wenn Menschen belogen und betrogen werden wollen, brauchen sie sich einfach nur an die Politik und die Wirtschaft zu halten, denn hier gehört der völlige Werteverfall mittlerweile scheinbar einfach zur Tagesordnung und steht bei vielen auf der Agenda ganz weit oben. Es ist richtig, dass sich Gesellschaft eigentlich in einem ständige Prozess des Wandels befindet, allerdings verläuft die Kurve hier zu nicht linear. Es gibt immer wieder Zeiten, wo große Ausreißer diese Kurve prägen, wo sich große Umbrüche zeigen und in genau dieser Phase befindet man sich im Moment. Solche Phasen bieten aber natürlich auch immer wieder große Chancen, dumm wer diese nicht nutzt. Wenn die katholische Kirche in diesen Tagen meint, sich genau dem Kurs der Politik und der Wirtschaft anzupassen, darf man nicht überrascht sein, wenn man mit der gleichen Skepsis und Ablehnung überschüttet wird, wie die anderen Bereiche auch. Der Vatikan, Papst Benedikt XVI. hatte immer wieder die Chance zu beweisen, dass man bei der katholischen Kirche einen anderen, einen besseren Weg geht, man hat diese aber bis in die Gegenwart nicht genutzt.

Raubtierkapitalismus ist eines dieser Wörter, welches mittlerweile schon seit einigen Jahren die Runde macht und dies natürlich mit vollster Berechtigung, denn Menschen haben außer als Konsument und Produzent mittlerweile fast keine Bedeutung mehr für dieses System, von Themen wie Würde einmal ganz zu schweigen. Die totale Gewinnmaximierung ist das große Ziel und wenn die Bedingungen zum erreichen dieses Ziels auch noch so menschenunwürdig sein mögen, interessiert dies bei den vermeintlichen Eliten und Experten auch niemanden mehr. Hier zeigt sich wieder sehr schön, wie groß das Feld ist, welches man auch von Seiten der katholischen Kirche gut bespielen könnte aber scheinbar besteht hier auch nicht im Ansatz ein tieferes Interesse daran. Der Wandel in der Gesellschaft ist unaufhaltsam, wo am Ende die katholische Kirche, der Glaube, die Religion im allgemeinen stehen wird, ist noch nicht gänzlich abzusehen, nur für die katholische Kirche wird es richtig schlecht aussehen, wenn sie diesem Kurs auch in Zukunft weiter folgen will und natürlich liegt der größte Teil dieser Verantwortung direkt bei Papst Benedikt XVI. selbst.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Alexander Berger // 5. Jul 2010 at 07:36

    Ich verstehe die Kirche noch immer nicht. Bemerkt sie wirklich nicht, wie sehr ihr Ansehen sinkt? Schon alleine aus egoistischen Gründen wäre sie gut beraten, endlich Taten folgen zu lassen und auch klare Worte, dass es ihr leid tut. Als moralische Institution ist sie dazu verpflichtet.

  • 2 Martina Jäger // 5. Jul 2010 at 09:11

    gedanken zum schweigen

    das hat man von den blöden spruch
    “reden ist silber, schweigen ist gold”
    dann ist ” schreiben” platin :-)
    aber edelmetalle dienen auch nur der spekulation machthabender und unersättlicher.

    “schweigen ist gold” -
    keine nahrung fürs hirn,
    da ist dann auch kein geistiger wachstum zu erkennen.
    gold wird gehortet und benutzt für die macht.

    also ist das kirchliche schweigen scheinheiliges echtgold

Schreib was dazu