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Die Wahrheit des Wortes

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Der Papst kommt

16. September 2011

Es dauert nicht mehr lange, dann beginnt der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. und man darf gespannt sein, wie er in seiner alten Heimat aufgenommen wird. Man muss einräumen, dass der Papst und der Vatikan wirklich alles versucht haben, um die Stimmung gut werden zu lassen. Man hat für ein absolutes künstlerisches Highlight in Dresden gesorgt und auch sonst fleißig die PR-Trommel gerührt, schließlich musste man gerade erst beim Weltjugendtag in der spanischen Hauptstadt Madrid erleben, dass es mittlerweile auch in Europa, einem der Kerngebiete, wenn es um diese Glaubensrichtung geht, einen massiven Block gegen sich hat. Die grenzenlose Freude über Papstbesuche scheint Geschichte zu sein und dies passierte natürlich auch nicht ganz überraschend, hat man doch neben massiven hausgemachten Problemen offensichtlich die Zeichen der heutigen Zeit nicht erkannt bzw. hat nicht auf diese reagiert. Der globalisierte Raubtierkapitalismus hat sich auch in Europa immer weiter ausgebreitet und für immer mehr Armut gesorgt. Nun ist dies ein Szenario von dem man eigentlich meinen mag, dass die Kirche davon profitiert, genau dies ist allerdings nicht so, denn die Leute suchen Unterstützung damit ein Systemwandel hin zu einem menschlicheren Miteinander stattfindet, genau hier hält die Kirche sich allerdings massiv zurück, zu mindestens bis Madrid.

Nicht mehr als ein Strohfeuer?
In Madrid hatte man erstmalig das Gefühl, dass sich der Chef im Vatikan, der Oberhirte Papst Benedikt XVI. aktiv in die Diskussion im Kontext des Wirtschaftssystems der westlichen Welt eingemischt hat. Nur zu dumm, dass sich auch hier gleich wieder ein fader Beigeschmack bildete, geschah dies doch in einem Land, welches sehr stark von den Negativseiten dieses Systems betroffen ist und hier auch gleich eine massive Front, auch im Kontext der wirtschaftlichen Probleme, deutlich machte, dass er dort nicht willkommen sei. Man wurde das Gefühl nicht los, dass es eine Art Antwort auf die Proteste, die es gegen ihn gab, war und dies wäre dann natürlich nicht im Ansatz angemessen und wenn überhaupt nur als Strohfeuer zu deklarieren. Falls es nicht so war, darf man mit Spannung auf den anstehenden Deutschlandbesuch warten und schauen, wie er dann seine Kritik fortführt und gerade auch in Deutschland gibt es auf dieser Ebene einiges zu kritisieren. Angefangen bei einem Aufschwung, der von der Politik immer wieder gefeiert wird, von dem man allerdings sagen muss, dass er entweder gar nicht vorhanden ist oder denen, die das Meiste dafür tun, nichts bringt, da die Armut auch weiterhin ansteigt. Ein weiterer Punkt wäre natürlich die Vernichtung jeglicher ethischer und moralischer Prinzipien in diesem Land, welche gerade auch von Seiten der Wirtschaft und der Politik so stark vorangetrieben wird. Egal, ob man nun das Thema steigende Armut und die damit verbundene Spaltung der Gesellschaft nimmt oder eben die gerade angesprochenen Probleme im Kontext von Ethik und Moral, sind es Themen, die dem Papst gut tun würden, wenn er sie kritisch auf der Agenda hätte. Wobei auch hier natürlich Probleme entstehen dürften.

Eines dieser Probleme ist natürlich die große Frage, warum der Papst erst jetzt mit der Kritik beginnt, wo man festhalten muss, dass es schon fast zu spät sein könnte. Es verhält sich hier ähnlich, wie mit den Gewerkschaften, die auch viel zu wenig im Bereich des wirtschaftlichen Wandels in den letzten Jahren und Jahrzehnten getan haben und dafür natürlich auch genauso von ihren Mitgliedern abgestraft werden, wie die Kirchen auch, denn auch auf Gewerkschaftsseite hat man mit Austrittswellen zu tun. Es scheint einfach nur zu zeigen, wie verwoben dieses System auch mit den Kirchen und den Gewerkschaften ist und erst jetzt, wo es anfängt richtig weh zu tun, reagiert man plötzlich. Das an einer solchen Stelle großes Skepsis überwiegt, ist dann auch keine wirkliche Überraschung, auch wenn man bei den Betroffenen schon einmal gerne so tut. Nun wird man sehen, wie gerade auch der Vatikan meint mit dieser Problematik umzugehen und in Deutschland wird man weitere Fakten geliefert bekommen, so oder so. Wie gesagt, vielleicht war es in Spanien auch wirklich nur ein situationsbedingtes Strohfeuer und es geht auf dem bisherigen Weg ins Abseits weiter, überraschend wäre auch dieses Szenario nicht. Auf der anderen Seite, sollte es mehr als ein Strohfeuer gewesen sein, besteht akuter Nachholbedarf, denn in den letzten Jahren ist doch vieles auf der Strecke geblieben. Es wäre für viele Menschen schon interessant zu sehen, wie sich der Papst den zukünftigen Weg vorstellt, wie er sich und seine Schäflein positionieren möchte. Die Zeit des Systemwandels bzw. Systemwechsels ist gekommen, die Kirchen können sich nun noch überlegen, ob sie diese Prozesse unterstützen oder ob sie sich auch weiterhin immer mehr abdrängen lassen wollen.

Himmlischer Glanz
Man sieht die Probleme des Vatikans und vor allem die von Papst Benedikt XVI. sind vielschichtig, da scheint es nur logisch, dass man alles daran setzt in der Öffentlichkeit irgendwie gut dazustehen. Auf dieser Ebene hat man in letzter Zeit wirklich so gut wie nichts ausgelassen. Man unterstützte ganz offiziell die Beicht-App mit der man nun auch von seinem Smartphone aus beichten kann. Es ging sogar soweit, dass der Heilige Vater zu Papst Benedikt 16.0 mutiert und das Zwitschern begann. Soviel Modernes, obwohl man sich an so vielen anderen Stellen mit dem Wandel der Zeit so schwer tut, mutet natürlich schon merkwürdig an. Aber es geht auch anders, ganz klassisch. Die katholische Kirche verfügt über unvorstellbare Reichtümer, die sich zu einem großen Teil auch durch wahnsinnige Kunstschätze ergeben, da man natürlich schon immer auf die eine oder andere Art und Weise mit der Kunst zu tun hatte und auch aktuell noch zu tun hat. So gibt es auch Künstlertreffen unter der Obhut von Papst Benedikt XVI., auch wenn hier natürlich gemunkelt wird, dass diese auch mehr dem Charakter einer PR-Veranstaltung für die katholische Kirche haben. Einer der vielen Vorgänger des aktuellen Papstes, Papst Julius II., der nicht nur die Schweizer Garden ins Leben rief und in dessen Amtszeit der Grundstein für den Petersdom gelegt wurde, gab damals den Auftrag für die `Sixtinische Madonna`. Dieser Auftrag wurde vor gut 500 Jahren von dem Malerfürsten der Renaissance, Raffael, ausgeführt und dies alles soll nun ein halbes Jahrtausend später von großer Bedeutung für den heutigen Papst und seinen Besuch in Deutschland werden.

Seit Monatsbeginn stellt dieses Werk und ein etwa zur gleichen Zeit entstandenes, weiteres Bild der Madonna, den Mittelpunkt der Ausstellung `Himmlischer Glanz` in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden (SKD) dar. Diese Ausstellung gehört zum offiziellen Begleitprogramm des Papstbesuches und stellt deshalb ein so wichtiges Kunsthighlight dar, da diese beiden Bilder wahrscheinlich zuletzt zusammen im Atelier von Raffael standen und nun nach knapp 500 Jahren zum ersten Mal wieder zusammen zu sehen sind. Ein Highlight, welches kaum zu toppen sein sollte, vor allem nicht, wenn es um grandiose PR geht, die natürlich auch von so vielen negativen Dingen ablenken soll. Denn natürlich steht so etwas erst einmal mehr im Mittelpunkt, als die Fragen danach, wie der Papst nun eigentlich zu den unvorstellbar grausamen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche steht oder warum man Millionen Euros für Besuche in Spanien und Deutschland ausgibt, während die Hungersnot in Ostafrika immer schrecklichere Züge annimmt. All dies scheint man mit dem himmlischen Glanz einer solch großartigen Kunstausstellung überblenden zu wollen. Es ist also wichtig, ohne die Bedeutung dieser Ausstellung auch nur im Ansatz in Zweifel zu stellen, dass man sich von so etwas einfach nicht allzu sehr ablenken lassen sollte und trotzdem, den wirklich wichtigen Fragen nachgeht. Man muss es trennen. Man muss diese Ausstellung eben, als eine Art sehr gelungenes Rahmenunterhaltungsprogramm ansehen und sich dann aber auch gleich wieder auf das inhaltlich wirklich relevante besinnen, was so ein Papstbesuch mit sich bringt. In einigen Tagen wird die Menschheit schlauer sein und wissen, ob Papst Benedikt XVI. wirklich für Aufsehen in Deutschland sorgte und dann hoffentlich im positiven Sinne oder ob man sich später nur noch an Dinge, wie eine für die Kunstwelt so wichtige Ausstellung erinnern wird.


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Technik · Wirtschaft

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