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Die Wahrheit des Wortes

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Der mysteriöse Fall des Alois Mannichl

14. Januar 2009

Es gibt immer wieder Kriminalfälle an denen kann man fühlen, dass etwas nicht stimmt. Manchmal klärt sich auf, dass es anders war, als man auf Anhieb meinte, manchmal bleiben solche Fälle auch mit einem Grauschleier behaftet. Im Fall des 52 Jahre alten Polizeipräsidenten Alois Mannichl von Passau, wird es sich noch zeigen. Es ist gerade ein Mal fast ein Jahr her, als Deutschland unter einem rechten Schock stand. In Ludwigshafen hatten Rechtsradikale, wie es schien, ein Haus mit Migranten angezündet und neun Menschen starben in den Flammen. Als sich die Hysterie gegen die Rechte langsam legte und man sich wieder richtig auf die Arbeit konzentrieren konnte, stellte sich heraus, dass es ein bedauerlicher Unfall war und die Tat keinen politischen, keinen extremistischen Hintergrund hatte. Gelernt hat man aus diesem Fall ganz offensichtlich nichts, denn auch im Fall Mannichl ist die Entwicklung eine ähnliche.

Viele Fragen und noch mehr Spekulationen

Am 13.12.2008 wurde der Passauer Polizeipräsident Alois Mannichl vor seinem Haus in einer beschaulichen Wohnsiedlung in Fürstenzell in Bayern niedergestochen. Laut seinen Aussagen fielen Begriffe, wie `nationaler Widerstand`, womit schnell feststand, dass es sich bei den Tätern um Rechtsradikale handeln müsste, was auch durch seine Täterbeschreibung unterstrichen wurde. Da Mannichl immer wieder gegen die rechte Szene vorging, war auch schnell ein klares Motiv gefunden. Über all diese vermeintlich klaren Fakten, die auch sehr schnell zu vier Verhaftungen in der rechten Szene führten, wurden nur in der medialen Aufarbeitung erst ein Mal andere Indizien nicht berücksichtigt. So blieb zum Beispiel die Frage unbehandelt, warum ein Attentäter für ein geplantes Attentat, offensichtlich keine Waffe mitbringt, sondern sich eines, vor dem Haus liegenden, Lebkuchenmessers bedient. Oder der Fakt, dass der Begriff `nationaler Widerstand` keine klare politische Zuordnung zulässt, wie der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm in der Welt erklärte.

Die im Fall Mannichl verhafteten Personen befinden sich mittlerweile alle wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungsarbeiten stehen wieder ganz am Anfang, nur die Spekulationen sind nun auf einer anderen Ebene. Nun werden die Stimmen immer lauter, die behaupten es sei keine rechtsradikale Tat gewesen. Auch hierbei handelt es sich allerdings nur um Spekulationen. Das Problem, welches hier natürlich wieder ganz offensichtlich wird ist, dass man bei Verdächtigungen in eine gewisse politische Richtung in Deutschland, ganz offensichtlich sehr schnell die Grundlagen der Demokratie vergisst und genau hier liegt die Gefahr. Bei der angesprochenen Brandkatastrophe von Ludwigshafen wurde völlig unnötig ein Keil in die Gesellschaft getrieben, weil eine Hetzjagd gegen die Rechte und letztendlich gegen Deutschland begann. Im aktuellen Fall des Polizeipräsidenten von Passau, begann diese Hetzjagd erneut und schnell wurden auch die Rufe nach einem NPD-Verbot wieder laut. Das Problem an diesen Tatsachen ist, dass am Ende des Tages, die Rechte in Deutschland durch solche Vorgänge gestärkt wird.

NPD-Verbot in weiter Ferne

Sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem mutmaßlichen Attentat gegen Alois Mannichl tatsächlich um eine Beziehungstat gehandelt hat, wie es zum Teil der Zeit in den Medien kommuniziert wird, würde dieser Fakt zu einer Stärkung der Rechten führen. Außerdem würde es ein außerordentlich negatives Bild auf die Polizei werfen, da die Frage aufkäme, wie politisch unabhängig hier gearbeitet wurde. Es ist auch nicht von Vorteil, dass zu Beginn der Ermittlungen, als man noch der festen Überzeugung war, dass es sich um eine rechtsradikale Straftat handelte, soviel nach Außen kommuniziert wurde und man nun, wo es um eine scheinbar faktischere und emotionslosere Aufklärungsarbeit geht, die Öffentlichkeit plötzlich kaum noch mit einbezogen wird. Dieses vorschnelle und oftmals von Vorurteilen behaftete Vorgehen ist es, was ein NPD-Verbot so schwer macht. Ohne auch nur den Ansatz einer konkreten Spur zu haben, baute man auf Basis dieses mutmaßlichen rechtsradikalen Attentats eine erneute Diskussion über ein NPD-Verbots auf. Laut heutigem Stand ist diese Basis nun erst ein Mal mehr verschwunden.

So lange es in Deutschland nicht zu einem klaren Umdenken kommt, bleibt ein NPD-Verbot in weiter Ferne. Bei einem solch sensiblen Thema, wie Rechtsradikalismus, sollte man ein besonderes Maß an Besonnenheit walten lassen, denn alles andere spielt denen in die Hände, die man eigentlich bekämpfen will. Es fehlt in solchen Fällen oftmals, die in einer Demokratie gebotene Unabhängigkeit und es tut einer Demokratie, wie Deutschland, nicht gut, wenn man die Grundlagen eines demokratischen Staates verlässt, denn dann gerät man schnell unter den Verdacht, selber im höchsten Maße undemokratisch zu sein. Auch die Medien sollten sich überlegen, ob sie der Demokratie mit Berichten, wie es sie zum Teil zur Brandkatastrophe von Ludwigshafen, aber natürlich auch im Fall Mannichl gab, nicht schaden. Eine freie Presse ist ein hohes Gut in einer Demokratie und muss geschützt werden und darf nicht für Hetzjagden missbraucht werden, auch nicht gegen Rechts. Man darf gespannt sein, wie sich dieser mysteriöse Kriminalfall noch entwickelt, denn im Moment ist alles noch offen und damit auch noch alles möglich.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 5 Kommentare ↓

  • 1 Thomas // 16. Jan 2009 at 15:38

    “Es gibt immer wieder Kriminalfälle an denen kann man fühlen, dass etwas nicht stimmt.”

    Wobei Gefühl nicht unbedingt der beste Ratgeber ist, wenn man Tatsachen aufklären will…

  • 2 Karl Stass // 19. Jan 2009 at 21:10

    Ich halte zum jetzigen Zeitpunkt den Fall Mannichl für einen großen Schwindel. So viele Ungereimtheiten, Widersprüche, offenkundige Fehler, Lücken usw. habe ich noch bei keinem anderen Fall der letzten Zeit gelesen. Es war wohl ein Riesenfehler, Herrn Mannichl wochenlang zu glauben und sich von ihm in die Irre führen zu lassen. Es hätte sofort auffallen müssen, dass er versucht, den Verdacht in eine ganz bestimmte politische Richtung zu lenken, obwohl er ja bis zum heutigen Tag kenierlei Beweis und nicht einmal einen brauchbaren Hinweis bringen kann. Man hätte Mannichl schon vor mindestens 1 Monat intensiv verhören und untersuchen müssen und ich vermute, dann wäre schon längst klar, dass alles wohl ganz aders war als anfangs behauptet. Bis jetzt haben Mannichl und die Ermittler auf mich einen fürchterlich schlechten Eindruck gemacht. So darf es in einem Rechtstaat nicht gehen. Mannichl muss endlich ganz genau vernommen werden.

  • 3 Bauer // 15. Dez 2009 at 20:03

    Er wird sich wohl kaum selber das Messer reingerammt haben. Was soll die Hetze gegen einen anständigen und in Passau lokal verwurzelten Polizeibeamten?

  • 4 Die Redaktion // 15. Dez 2009 at 22:21

    Hallo lieber Bauer,

    die Feststellung bezüglich der Tatwaffe ist soweit sehr wahrscheinlich richtig und es geht hier auch nicht um Hetze oder ähnliches. Es ist schlicht und einfach der Fakt, dass dieser Fall doch viele Fragen aufwirft. Genau dies bestätigt sich übrigens bis zum heutigen Tag, denn von alle dem was zu Beginn als so eindeutig dargestellt wurde, ist nichts geblieben. Also warten wir doch einfach ab, wie sich dieser Fall entwickelt und werden dann natürlich auch über die Ergebnisse berichten.

    Alles Gute aus Köln

    Die Redaktion

  • 5 Beamter // 28. Jul 2011 at 20:15

    Rückblickend wissen wir: Die ermittelnden Beamten haben versagt. Erschreckend auch, dass Mannichl laut Wikipedia mal die Abt. OK geleitet habe. Daher stehen der OK wohl Tür und Tor offen. Mannichl sollte vom Dienst suspendiert werden.

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