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Die Wahrheit des Wortes

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Der Mixa und der Zufall

17. Mai 2010

Man hatte nun einige Zeit tatsächlich das Gefühl es sei bei der katholischen Kirche ruhiger geworden, wobei selbst dies nicht bedeuten muss, dass sich am allgemeinem Zustand etwas gebessert hätte. Dem ist scheinbar auch ganz und gar nicht so, wie dieser Artikel zum Thema Walter Mixa zeigt. Die Ruhe an der Oberfläche der Medienwelt dürfte auch viel eher daher gekommen sein, dass die so oft hochgelobte Deutschland AG nun scheinbar endgültig vor ihrer Abwicklung steht, in Nordrhein-Westfalen gewählt wurde und BP scheinbar gerade dabei ist das Ökosystem im Golf von Mexiko auszurotten. In der letzten Woche versuchte der Vatikan, wie auch die Kirche ganz allgemein, dann endlich einmal wieder im etwas positiveren Rampenlicht zu stehen aber erwartungsgemäß glückte dies zwischen Portugal und München nicht wirklich. Die Zeichen für die Kirche stehen auch weiterhin auf unheilbringenden Sturm. Für diese Entwicklung trägt man bei der katholischen Kirche allerdings so gut wie völlig allein die Verantwortung, auch dies sollte man niemals vergessen.

Die Chronologie Mixa
Walter Mixa, zu dessen Nachnamen wahrscheinlich nicht nur hier in der Redaktion Wortspiele ihre Runde machen dürften, wurde Gewalt gegen Schutzbefohlene aus einer lange zurückliegenden Zeit vorgeworfen, die er auf das Schärfste zurückwies. Die zum Teil auch in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe, wirkten eigentlich sehr glaubwürdig aber von Außen ist so etwas natürlich immer schwer zu beurteilen. Nach und nach, als sich die Schlinge um den Hals des Geistlichen immer enger zog, räumte er diese, in der aus der Politik und Wirtschaft bekannte Salamitaktik, immer mehr ein. Spätestens jetzt war auch dem Letzten in der katholischen Kirche scheinbar klar geworden, dass ein Gewalttäter und Lügner als Bischof nicht haltbar ist. In der Folge reichte Mixa sein Rücktrittsgesuch bei Papst Benedikt XVI. ein. Nur am Rande sei erwähnt, dass laut Medienberichten die beiden schon seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Ob man das Geschehene nun als großen Erfolg im Kontext der Aufklärung bei der katholischen Kirche verbuchen kann, sei einmal dahin gestellt.

Walter Mixa verschwand dann auch erst einmal von der Bildfläche, es gab unter anderem Gerüchte über eine Alkoholentzugsklinik in der Schweiz, wo er sich angeblich aufgehalten haben soll. Nun kamen aber weitere Verdachtsmomente gegen den vermeintlichen Papstfreund Mixa auf und zwar wegen sexuellem Missbrauch und dies in einem Zeitfenster, welches im Gegensatz zu den Vorwürfen der Gewalttaten, noch nicht verjährt gewesen wäre. Dem nahm sich die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt an. Wie durch eine höhere Macht bestimmt oder auch durch Zufall, nahm just in diesem Moment der Papst seinen Rücktritt als Bischof an, was übrigens noch nicht das Ende seiner Arbeit für die katholische Kirche bedeutete, sondern nur sein frühzeitiges Aus als Bischof. Dann in der letzten Woche tourte Papst Benedikt XVI. erst einmal durch Portugal und in München stand der ökumenische Kirchentag an. Der Papst verurteilte natürlich den sexuellen Missbrauch und leider muss man auch sagen, dass er natürlich nicht im Speziellen auf Deutschland oder gar den Skandalfall Walter Mixa einging.

Noch mehr Zufälle
Zum Ende der letzten Woche gab es dann einen weiteren bemerkenswerten Zufall im Fall Mixa. Die Verdachtsmomente im Kontext seiner Gewaltexzesse erhärteten sich wohl und weiteten sich scheinbar noch in Bereich der schweren Körperverletzung aus, was natürlich noch einmal belegt, wie menschenverachtend seine Lügen waren. Man muss nur bei diesen Fällen immer berücksichtigen, dass sie allesamt verjährt sind und somit weder zivilrechtlich, noch strafrechtlich in irgendeiner Art und Weise von Belang sind. Wie durch einen weiteren Zufall verkündete die Staatsanwaltschaft, dass die Anfangsermittlungen wegen der Thematik des sexuellen Missbrauchs sich nicht erhärtet hätten, da es keine weiteren Anhaltspunkte geben würde. Dies bedeutet der Bereich der noch strafrechtlich relevant gewesen wäre, ist nun auch nicht mehr vorhanden. Nur noch lange zurückliegende Fälle, die wahrscheinlich wieder im Kontext des Blicks nach vorne versucht werden aus der öffentlichen Diskussion genommen zu werden, sind damit aktuell vorhanden. Was bleibt, sind sehr viele Fragen und eine ganze Menge Zufälle und ein verdammt fader Beigeschmack.

Wie gesagt, fand neben dem Papstbesuch in Portugal in München auch der ökumenische Kirchentag, der von den üblichen Querelen der Ökumene begleitet wurde, statt. Wie in dieser äußerst stürmischen Zeit in allen Bereichen der Gesellschaft nicht anders zu vermuten oder vielleicht auch gerade hier von dem ein oder anderen erwartet, gab es natürlich auch einen Eklat. So beschwerte sich ein Opfer lautstark bei einer Podiumsdiskussion, dass wie so häufig zwar über die Opfer, allerdings nicht mit den Opfern der katholischen Kirche gesprochen würde und man sie so nun versuchen würde auszugrenzen. Das manche Medienvertreter eine solche Art des Protestes als Störung abwerten, zeigt in den Augen dieser Redaktion hier, dass wohl auch noch ein gewisser Anteil der Medien in großer Demut gegenüber der katholischen Kirche verharren, ob das nach all dem Geschehenen und man muss wohl davon ausgehen, dass noch immer nur ein Bruchteil ans Tageslicht gekommen ist und die Grauzone wohl unermesslich groß bleiben wird, eine gute Einstellung für investigativen und aufklärenden Journalismus ist, darf bezweifelt werden. Alles in allem kann man wohl auch die letzten Tage zusammenfassen in dem man sagt, dass es bei der katholischen Kirche nichts wirklich Neues gibt und weiterhin ein Skandal den nächsten jagt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien

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