Der ganz große Bahnhof
1. Februar 2012
800 Millionen Euro will die Deutsche Bahn AG nun zum Umbau von Bahnhöfen in der Republik investieren. Man sieht, bei der Bahn geht das Thema Bahnhöfe weit über Stuttgart 21 hinaus. Wobei man auch hier gespannt sein darf, was weitere Baustellen der Bahn, den Kunden so bringen werden. Diese möchte man übrigens mit dieser Investition unter anderem besser vor Wind und Regen schützen. Dass an dieser Stelle überhaupt Bedarf besteht, sagt natürlich schon wieder viel darüber aus, wie es auf manch Bahnhof in Deutschland aussieht. Die Investitionssumme selbst wiederrum macht deutlich, in welchen Größenordnungen man dort denkt und man fragt sich, ob die Bahn noch auf dem richtigen Gleis ist, was natürlich gerade auch für das größte Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 gilt. Hier hält übrigens der Protest auch weiterhin an, auch wenn es in den Medien kein ganz so großes Thema mehr ist, es hat wohl als Thema ausgedient, seitdem das Ländle grün ist, was erwartungsgemäß am Gesamtkontext übrigens rein gar nichts verändert hat.
Nur ein paar Millionen
In Zeiten der Weltwirtschaftskrise, wo man eher über Milliarden und Billionen spricht und diese verschoben werden, als sei es Spielgeld, erscheint einem eine Summe von 800 Millionen Euro, also fast einer knappen Milliarde Euro, schon fast wieder, wie die immer wieder zitierten Peanuts. Tatsächlich muss man sich ein solches Investitionsvolumen erst einmal auf der Zunge zergehen lassen und auch bedenken, dass die Bahn, sprichwörtlich noch andere Baustellen hat. Auch hier gilt es vor allem wieder das umstrittene Mammutprestigeprojekt der Bahn, Stuttgart 21 zu erwähnen. Der Personenkreis, der vor einer völligen Kostenexplosion warnt, ist nicht gerade klein und die Erfahrung hat gezeigt, dass dieses Szenario gar nicht so unwahrscheinlich ist. Die Probleme bei der Bahn sind aktuell, ohne die hier angesprochenen Risiken, alleine schon nicht gerade als klein zu beschreiben, was sich natürlich auch auf die Stimmung im Unternehmen niederschlägt. Dass genau diese nicht gerade als bestes Betriebsklima zu bezeichnen ist, zeigte zuletzt erst eine Studie, die eben genau dies noch einmal verdeutlichte.
Von der Stimmung der Fahrgäste, der Kunden, also der Menschen, die letztendlich auch einen nicht unerheblichen Teil dieser Investitionen, als zahlende Kunden, erst möglich machen, einmal ganz zu schweigen. Es ist richtig, dass es Bahnhöfe gibt, die wirklich sanierungsbedürftig sind und solche Arbeiten, wie die hier angesprochenen, sollen nach ihrem Abschluss natürlich auch für mehr Kundenfreundlichkeit und damit zu mehr Kundenzufriedenheit führen. Es bleibt abzuwarten, ob dies auch gelingt oder durch ein hohes Maß an Verspätungen, Zugausfällen und Preiserhöhungen, nicht wieder zerstört wird, bevor es überhaupt irgendwas gebracht hat. Natürlich hätte es gar nicht soweit kommen dürfen aber es ist jetzt nun einmal so, wie es ist und man kann leider auch nicht behaupten, dass sich nach dem Abgang des großen Cheflokomotivführers, Hartmut Mehdorn, der mittlerweile in die Luft gegangen ist, alles zum Besten gewendet hätte. Genau dies zeigt dann auch wieder auf, wie tief die Probleme bei diesem Mobilitätsgiganten tatsächlich sitzen und man darf gespannt sein, wie sich zum Beispiel auch die hier genannten Maßnahmen auswirken werden.
Mobilität und Wahrheit
Auch bei der Bahn geht es immer wieder um das Thema Umweltschutz und zwar in dem Kontext, dass man mit Bahnfahrten, anstatt der gewohnten Autofahrten, die Umwelt schont. Die Umwelt zu schonen und Ressourcen zu schützen, ist natürlich ein sehr wichtiger Punkt. Es müssen aber erst einmal die Grundlagen geschaffen werden, dass all dies auch Sinn macht. Wenn man, wie am Wochenende erlebt, natürlich für eine Strecke mit einer Fahrtzeit von 40 Minuten, fast vier Stunden benötigt, spricht dies natürlich nicht für die Bahn. Man weiß auch, dass das Chaos bei der Bahn leider kein Einzelfall ist, sondern eher, als eine Art traurige Routine zu bezeichnen ist. Ausfallende Klimaanlagen im Sommer und die alljährliche Überraschung durch den Winter sind den bahnfahrenden Menschen auch bestens bekannt. Man sieht auch hier deutlich, wo die Bahn noch im großen Stil ansetzen muss, will sie irgendwann einmal eine wirkliche Alternative zum Auto sein und auch Autos werden immer umweltfreundlicher.
Das Thema Umweltschutz und Mobilität folgt aber natürlich auch noch einmal ganz eigenen Gesetzen. So zeigte gerade erst eine Studie, dass Elektroautos gar nicht so umweltfreundlich seien, wie man bisher propagiert hatte und sparsame Motoren im klassischen Sinn, sogar umweltschonender seien. Aber auch einer solchen Studie sollte man nicht einfach glauben, kommt sie doch recht zeitnah zur großen Energiewende in Deutschland, einem Land, welches auf dem Gebiet der Elektroautos weit abgeschlagen ist, was natürlich Spekulationen zur wahren Motivation hinter einer solchen Studie Tor und Tür öffnet. Genau an dieser Stelle schließt sich auch wieder der Kreis zur Bahn, denn auch hier überwiegen meistens doch die Fragen und leider nicht die Antworten. Dies wiederum ist natürlich eine Tatsache, die in einem gescheitertem System, wie hier im globalisierten Raubtierkapitalismus, zur traurigen Normalität gehört und deutlich aufzeigt, warum dieses Vorhaben der Bahn durchaus kritisch im Auge behalten werden sollte und man dann nicht überrascht ist, wenn irgendwann die Fahrpreise wieder massiv angehoben werden müssen oder Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, da man durch Personalabbau versucht zu sparen.
Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft































Bis jetzt 1 Kommentar ↓
1 Der BALLacker » Bei den Nordlichtern // 8. Feb 2012 at 10:18
[...] einer Landeshauptstadt. Vielleicht war es zu kalt für die Technik, dass kennt man auch von der Bahn. Man fragt sich nur, wo man nun anteilig seine GEZ-Gebühr zurückerstattet bekommt. Man [...]
Schreib was dazu