fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Der Euro und der Soli 2.0

11. April 2011

Man sollte annehmen, dass ein Zeitraum von etwas mehr als 20 Jahren doch ein sehr überschaubarer ist. Nun hat einem der schrecklich GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima, der seit über vier Wochen nun schon auf einen Super-GAU hinsteuert, gezeigt, dass dem nicht so ist, da doch viele vermeintliche Experten und Medienvertreter so tun, als sei all dies eine riesige Überraschung, dabei liegt Tschernobyl gerade einmal fast genau 25 Jahre zurück. Ähnlich verhält es sich mit der Europäischen Union (EU) und hier spricht man von einem noch kürzeren Zeitraum. Vor etwas mehr als 20 Jahren fiel die Mauer und es gab in Folge dessen die Wiedervereinigung und alles sollte gut werden. Wirtschaftlich großartige Zeiten sollten den Menschen bevorstehen. Blühende Landschaften sollte es geben, die für ein besseres Leben sorgen sollten, von Kosten, Risiken und ähnlichem war nichts zu hören. Heute weiß man, dass alles anders kam und man braucht auch keine großen Erklärungen über die tatsächlichen Entwicklungen abzugeben, denn eines der besten Zeichen, wie falsch alles lief, ist, dass alle noch immer den Solidaritätszuschlag bezahlen dürfen und eine Ende, realistisch betrachtet, auch noch immer nicht im Ansatz in Sicht ist.

Dann zahlt Deutschland auch noch für den Rest
Da die Kosten der Wiedervereinigung und deren Tilgung über den Solidaritätszuschlag gezeigt haben, dass man es mit den Deutschen machen kann, scheint sich dieses System nun auch in der Europäischen Union (EU) oder genauer gesagt in der Eurozone zu etablieren und Protest aus dem politischen Berlin findet man genauso schwer, wie Massendemonstrationen derer, die all dies am Ende des Tages wieder bezahlen sollen. Immer mehr Länder in der EU rutschen nach und nach in Richtung des Staatsbankrotts. Erst rettete man Griechenland, dann Irland und nun ist auch noch Portugal an der Reihe und man darf abwarten, wann Länder, wie zum Beispiel Spanien folgen werden. Mit jedem neuen Land, welches sich unter den Rettungsschirm drängt, werden weitere Milliarden Euros benötigt und diese kommen, um es einmal ganz vorsichtig zu formulieren, zu einem nicht unerheblichen Teil aus Deutschland. Nun ist Deutschland durch die Wiedervereinigung allerdings nicht zum Schlaraffenland geworden, sondern zu dem Land, welches gerade vom Land der Dichter und Denker zu dem der Multijobber und Leergutsammler mutiert und man muss sich fragen, wo all dies noch hinführen soll.

Schulden haben die Folge, dass massiv gespart werden muss und gerade wenn man für die Schulden anderer zahlen muss, zum Beispiel durch eine verfehlte Politik oder durch das unkontrollierte handeln einer vermeintlichen Wirtschaftselite, führt das im Volk zu Unmut. Dieser kann sich, wie zum Beispiel in Griechenland, durch schwere Ausschreitungen, die es bis in die Gegenwart immer wieder gibt, zeigen oder auch durch den Fall von Regierungen, wie in Irland oder auch in Portugal. Irgendwann wird auch ein Limit für Deutschland erreicht sein und wenn man es genau betrachtet, ist es eigentlich schon längst erreicht, denn nicht zuletzt der letzte Winter gab einem das Gefühl, dass Deutschland den Betrieb nach und nach einstellt. Wenn man sich realistisch betrachtet, wie die Geldpolitik in der EU bzw. im Euroraum ausschaut, sollte man davon ausgehen, dass ein großer Teil der Menschen dagegen ist, was sich hier im Moment abspielt. Da die EU aber keine Union der Bürger ist, sondern ganz offensichtlich nur noch ein weiteres großes Puzzlestück der neuen globalisierten, raubtierkapitalistischen Weltordnung, die hier Stück für Stück zusammengesetzt wird, wird das Volk auch in diesem Fall einmal mehr nicht gefragt.

Der Preis spielt keine Rolle
Man hört es immer wieder, der Euro wird gerettet und zwar um jeden Preis. Diese bedrohliche Aussage ist am Ende des Tages auch nichts anderes, als eine tatsächliche Drohung. Die Regierungen nehmen ihre Bürger hier einmal mehr in Geiselhaft, denn bezahlen tut niemand anderes, als jeder einzelne Bürger. So entwickelt sich der Euro mehr und mehr zum Soli 2.0 oder viel mehr werden die Folgen dessen, durch den Soli 2.0 getragen werden müssen. Man darf natürlich annehmen, dass das Kind einen anderen Namen bekommt und wenn man es einfach Steuererhöhung oder Abbau von Sozialleistungen nennt, man wird es immer deutlicher spüren. Ein solches Verhalten, wie es hier von einer vermeintlich elitären Minderheit gegen die Mehrheiten durchgebracht wird, kann man nicht als demokratisch bezeichnen. Es geht schon lange nicht mehr um die Interessen der Menschen in Europa, sondern nur noch um die Interessen derer, die einem mit ihrem Weg gerade erst die Weltwirtschaftskrise gebracht haben. Dieses Verhalten ist natürlich nicht hinnehmbar und zynischerweise regt man sich auch noch über dieses Verhalten in anderen Ecken der Welt auf.

Immer wieder beschwert man sich darüber, dass zum Beispiel in Tunesien oder auch Libyen gewisse Clans das erwirtschaftete Kapital für sich alleine beanspruchen, während das Volk nicht davon profitiert. Auch wenn man hier in Europa nicht gerade von Clans sprechen kann, ist das Schema doch durchaus vergleichbar. Auch hier gibt es einige wenige Protagonisten, die von dem profitieren, was die Massen Tag für Tag erwirtschaften. Natürlich sollte auch in der EU jedem klar sein, dass dieser Weg auf Dauer nicht funktionieren wird, denn es gibt jetzt schon viele Menschen, die schon seit längerer Zeit davon sprechen, dass nicht nur der Euro gescheitert ist, sondern die gesamte EU und dafür gibt es auch immer wieder Beweise, sowohl auf politischer Ebene, wie auch in Bereichen der Wirtschaft. Es bleibt nun den Verantwortlichen überlassen, all dies in geregelten Bahnen abzuwickeln oder abzuwarten bis man Ausschreitungen, wie die eben benannten in Griechenland, auch auf den Strassen Londons, Paris und natürlich nicht zuletzt Berlins hat und sich dann überlegen kann, wie lang eine solche Situation, in einer solchen Größenordnung noch zu kontrollieren ist. Wenn die EU überleben soll, muss man sie endlich zu einer Union der Menschen machen, auch wenn deren Interessen gegen die der Wirtschaftsbosse stehen.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

Schreib was dazu