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Die Wahrheit des Wortes

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Der erste Jahrestag des Einturzes des Kölner Stadtarchivs

3. März 2010

Heute vor genau einem Jahr geschah in der Kölner Innenstadt das Unfassbare. Das historische Stadtarchiv, so wie Teile der Nachbargebäude, kollabierten und stürzten in eine Baugrube der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB), die gerade eine neue U-Bahnlinie quer durch die Stadt bauen. Bei dieser Katastrophe starben zwei junge Männer und eine ältere Frau, die ihre Wohnung verlassen musste, nahm sich kurze Zeit später in einem Hotel, wo man sie untergebracht hatte, das Leben. Außerdem wurden Kulturgüter von weltweiter Bedeutung und unschätzbarem Wert vernichtet bzw. schwer beschädigt. Vieles hat sich seitdem verändert, allerdings kann man scheinbar nicht von einer Verbesserung der Lage oder mehr Sicherheit sprechen. Es ist wohl eher umgekehrt und man muss sagen, die Verunsicherung ist größer denn je, denn es geht mittlerweile nicht mehr nur um die Stadt Köln und die KVB, sondern auch um den deutschen Baugiganten Bilfinger Berger und die Probleme reichen mindesten bis Süddeutschland, also weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Noch immer keine Antworten
Kurz nachdem Einsturz schien schon festzustehen, dass eine Schuld oder zu mindestens eine Mitschuld beim Bauherrn der KVB zu suchen ist. Allerdings zeigt man sich von alldem bis zum heutigen Tag dort recht unbeeindruckt, wie viele Menschen meinen. Dies zeigte sich auch erst letzte Woche, wo die KVB, aber auch Vertreter von Bilfinger Berger den geladenen Anwohner Rede und Antwort stehen wollten. Gut 500 Betroffene waren zum Termin erschienen, es hätten wohl noch sehr viele mehr sein können aber man hatte doch erst außerordentlich spät zu diesem Termin in die Innenstadt geladen. Ein, laut der Meinung vieler, völlig überdimensioniert starkes Aufgebot an Sicherheitskräften bei dieser Veranstaltung schien so etwas, wie ein schlechtes Gewissen bei den Protagonisten erahnen zu lassen. Natürlich gab es viel Wut an diesem Abend und natürlich ist diese Wut mehr als nachvollziehbar, denn die angekündigten Antworten blieb man nicht nur laut dem WDR zum wiederholten Male schuldig. Es hatte hier den Anschein als folge man dem Erbe Kohls (CDU), welches durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis in die Gegenwart weitergelebt wird. Es ist die Rede vom Aussitzen.

Aus dieser doch erst einmal recht lokal einzustufenden Katastrophe, ist mittlerweile ein bundesweites Problem erwachsen. Folgt man den Medienberichten der letzten Woche und den Aktivitäten der zuständigen Staatsanwaltschaft, handelt es sich bei den meisten Problemen in Köln, die schon lange nicht mehr nur den eigentlichen Unglücksort an der Severinstraße betreffen, um Pfusch am Bau durch Mitarbeiter eben von Bilfinger Berger. Die sind allerdings schon seit Jahrzehnten an unzähligen Großbaustellen in der ganzen Republik beteiligt, so auch am Bau der U-Bahn in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf, wo es wohl ebenfalls Unregelmäßigkeiten gab. Aber auch an der ICE-Trasse München-Nürnberg scheint nicht alles so verlaufen zu sein, wie man es sich als sicherheitsbewusster Bürger dieses Landes wünscht. Es ist schon spannend, dass gerade im Moment ein Streit zwischen Deutschland und Griechenland die Medien beschäftigt, in dem aus deutscher Sicht die Griechen als faules und korruptes Volk dargestellt werden. Vielleicht sollte man in Deutschland nicht mit allzu vielen Steinen werfen, denn offensichtlich sitzt man mittendrin, im Glashaus.

Das wird wieder teuer
Die ganzen gerade geschilderten Vorkommnisse haben nun die Folge, dass man in Nordrhein-Westfalen Baustellen aus den letzten 40 Jahren an den Bilfinger Berger beteiligt waren auf ihre Sicherheit überprüfen will und man ahnt jetzt schon nichts Gutes, auch wenn natürlich Bilfinger Berger versichert, dass alles sicher sei. Hier vertritt man auch die Meinung, dass die Flutung der KVB-Baustelle am Heumarkt im Moment unnötig sei und zog so einfach eine neue Betonzwischendecke ein. Man muss wohl davon ausgehen, dass man auch die Baustelle an der Severinstraße bis zum 2. März 2009 als sicher eingestuft hätte. Wohin dieses Prinzip Hoffnung führen kann, wissen gerade die Hinterbliebenen der Kölner Katastrophe nur zu gut. Neben all der Trauer der Hinterbliebenen, der Wut der Opfer und der Angst der Anwohner der Baustellen, darf man übrigens auch nicht die Kosten, die durch all dies entstehen werden, vergessen, von denen scheinbar der Löwenanteil an der Gesellschaft allgemein hängen bleiben wird, entweder durch Fahrpreiserhöhungen oder ähnliches bei der KVB oder durch weitere Gebührenerhöhungen der Stadt Köln.

Sollte es durch diese Vorfälle zu Problemen bei Bilfinger Berger selbst kommen, könnten Stellenabbau oder die Bitte um Hilfe vom Staat die Folge sein, denn ein Bauunternehmen dieser Größe mit so vielen Arbeitsplätzen ist bestimmt irgendwie auch systemrelevant. Bei alldem sucht man übrigens bis zum heutigen Tag meistens vergeblich nach Opfern, die all dies bei den beteiligten Firmen gefordert hat und dies gilt gerade auch im Bereich der Verantwortungsträger. Dies sind übrigens die Menschen, die ihre doch oftmals astronomischen Managergehälter mit ihrer großen Verantwortung erklären. Man sieht an diesem Artikel sehr eindeutig, dass es natürlich ein Problem der Stadt Köln ist und das es auch hier scheinbar, um den wohl nicht auszurottenden Klüngel in der Stadt geht aber es ist auch ein Systemproblem, welches sich eben nicht nur rein auf die Stadt Köln verbuchen lässt. Es sind die immer wiederkehrenden Abläufe der Wirtschaft die hier ebenso eine Rolle spielen, wie die Unfähigkeit der Verantwortlichen aus der Politik die Wirtschaft in einem anständigen Maß zu kontrollieren bzw. zu regulieren, ohne dabei gleich in den Sozialismus abzurutschen. Auch das ist etwas, was man ein Jahr nach der Katastrophe festhalten muss.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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