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Die Wahrheit des Wortes

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Der Doktor und das liebe Vieh

9. April 2010

Ein großes Thema in dieser Woche war natürlich auch wieder das Gesundheitswesen in Deutschland. Dies hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen fand in dieser Woche der Weltgesundheitstag statt, weshalb auch das Statistische Bundesamt die durchschnittlichen Gesundheitskosten für das Jahr 2008 veröffentlichte. Zum anderen waren aber auch die Ideen des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) zur Eindämmung des Ärztemangels auf dem Land ein großes Thema. Bei allen Punkten scheint eines festzustehen, es wird teurer. In diesem Sinne darf man auch annehmen, dass der Zeitpunkt den Rösler (FDP) für seinen Vorschlag gewählt hatte, nicht dem Zufall überlassen wurde. Man muss auch berücksichtigen, dass er natürlich auch immer noch sein großes Ziel, die Kopfpauschale im deutschen Gesundheitssystem, verfolgt und bei genauerer Betrachtung landet man auch bei dieser Debatte wieder genau dort.

Gesundheit auf dem Land und in der Stadt
Wenn man es genau nimmt, liegen die Themen des Weltgesundheitstages, der am 07. April stattfand, und die aktuelle Debatte zum Thema Landärztemangel, die Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) los trat, recht weit auseinander, denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte für dieses Jahr das Thema `Gesunde Städte` vorgegeben. Schaut man sich die Themen allerdings genauer an, stellt man sehr schnell den Zusammenhang der beiden Themen fest, auch wenn natürlich für Deutschland an dieser Stelle noch einmal besondere Faktoren eine Rolle spielen. Die Einwohnerzahlen, gerade auch in den ländlichen Gebieten der alten Bundesländer aber auch in weiten Teilen der neuen Bundesländer, dünne immer weiter aus. Somit wird natürlich der Kreis der zu behandelnden Patienten flächenmäßig immer größer und damit auch unwirtschaftlicher. Ein weiteres Problem ist, dass diese Bereiche in der heutigen Systemumbruchszeit sehr unattraktiv wirken. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Metropolregionen, gerade auch was die allgemeine Versorgung aber auch die Situation am Arbeitsmarkt angeht, attraktiver erscheinen.

Blühende Landschaften versprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) dem Stimmvieh. Heute muss man sagen, dass weite Flächen dieses Bereiches eher als Brachland zu bezeichnen sind und gerade die jungen Menschen von dort förmlich flüchten und sich somit natürlich auch die allgemeine Infrastruktur immer weiter zurückbildet. Diese Faktoren sprechen natürlich nicht gerade für ein attraktives Umfeld für einen Landarzt und genau hier fangen die Probleme an. Heute fehlen schon gut 5.000 Ärzte und es gibt Schätzungen die davon ausgehen, dass es schon im Jahr 2014 bis zu 10.000 sein könnten. Dem will der Augenarzt und Gesundheitsminister Rösler (FDP) nun unter anderem damit entgegen wirken, dass er den Numerus Clausus (nc) abschaffen will bzw. ihn sehr weit nach oben setzen möchte. Problem daran ist zum Beispiel, dass man damit natürlich noch keine neuen Lehrkapazitäten an den Universitäten geschaffen hat. Aber es gibt noch weitreichendere Probleme. Eines ist es eben, dass man die angehenden Mediziner in die angesprochenen Gebiete bekommen muss, um die totale Unterversorgung zu vermeiden. Dies möchte Rösler (FDP) mit einer Verpflichtung erreichen, die an den einfacheren Zugang zu den Studienplätze gekoppelt ist.

Noch mehr Bürokratie
Bürokratie verursacht in den aller meisten Fällen vor allem auch mehr Kosten, dies ist auch ein Grund dafür, dass sich die FDP eigentlich wo es nur geht für Bürokratieabbau einsetzt. Wenn man sich überlegt, dass die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen aus dieser Woche belegen, dass die Gesundheitsausgaben auf 3.210 Euro pro Kopf angestiegen sind, was eine Steigerung von 3,9 Prozent ausmacht, sieht man, dass die Devise hier eigentlich nur sparen heißen kann. Man spricht immerhin von einem Volumen von 263 Milliarden Euro, was 10,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bedeutet. Ein weiteres Problem, welches viele Ärzte ansprechen, ist das es eigentlich nur einen wirklichen Weg gibt den Ärztemangel auf dem Land zu bekämpfen und das ist, hier für eine bessere Vergütungen zu sorgen, denn natürlich ist der Raubtierkapitalismus auch schon lange in diesem Sektor angelangt. Natürlich bedeutet dies dann noch mehr Ausgaben im Bereich des Gesundheitswesen und damit kommen wir natürlich wieder zum Thema Kopfpauschale, denn es gilt scheinbar die immer höheren Gesundheitskosten aufzufangen ohne dabei die Lohnkosten drastisch ansteigen zu lassen und dies bewirkt man natürlich hervorragend über die von Rösler (FDP) geplante Kopfpauschale.

Diese gesamte Debatte belegt aber auch wieder sehr schön, dass die Politik in Deutschland lange Jahre, um nicht zusagen Jahrzehnte, eine ganze Menge verschlafen hat. Denn natürlich spielen hier auch Faktoren, wie der demografische Wandel, massiv mit hinein und der ist letztendlich genauso wenig überraschend, wie der Wandel am Arbeitsmarkt der so massiv ist, dass er zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel geführt hat und auch noch weiterhin führen wird. Dieses große Portfolio an Veränderungen, welches nun schlagartig über Deutschland hereinbricht, da man es bisher entweder unterschätzt hat oder aber einfach versucht hat zu ignorieren, bedarf völlig neuer Lösungsansätze und hier muss man klar festhalten, dass der Gesundheitsminister Rösler (FDP) mit seinen aktuellen Ideen davon meilenweit entfernt ist. Es gilt aber auch festzuhalten, dass es nicht allein sein Problem sein darf, denn wie bereits angesprochen, sprechen wir hier von einem Problem, welches weit über das Gesundheitswesen hinausgeht. Es wird umso wichtiger sein das Problem Gesundheitswesen nachhaltig zu lösen und auch so zu gestalten, dass es kompatibel zu den anderen Lösungsansätzen in Bereichen, wie zum Beispiel der Arbeitsmarktpolitik ist, denn nur wenn dieses Ziel erreicht ist, wird es Erfolg haben. Alles andere wäre ansonsten, wie die bisherigen Reformen auch, von Anfang an zum scheitern verurteilt.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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