fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Der DGB und die Kirchen

7. Oktober 2009

Leben heißt Bewegung und Bewegung sollte eigentlich auch Fortschritt bedeuten. Man hat allerdings oftmals in den verschiedensten Lebensbereichen das Gefühl, dass sich Menschen nicht bewegen wollen, sondern sich stattdessen lieber im Stillstand ausruhen. Problem ist, dass der Stillstand dann aber doch auch allzu oft in Bewegung übergeht und zwar in einer negativen Form, somit kommt es dann zum Rückschritt. Bewegung taucht natürlich auch im Kontext der Bundesrepublik Deutschland gerne einmal auf, dann geht es allerdings in den allermeisten Fällen um die Politik bzw. um Politiker oder aber um den Bereich der Wirtschaft. Heute wird es in der Hauptsache um andere, im Moment auch noch für die Gesellschaft relevante Bereiche, wie zum Beispiel Gewerkschaften und Kirchen gehen. Wenn man sich diese Bereiche näher anschaut, stellt man bald fest, dass hier die selben Regeln, wie in den anderen genannten Bereichen auch, gelten.

Krise fördert Altersarmut

Die Bundesrepublik Deutschland steckt in der schwersten Krise seit ihrer Gründung vor 60 Jahren, was auch gerade in diesen Tagen wieder sehr deutlich wird. So lösen laut einer Allensbach-Studie gut 17 % der Versicherten ihre Altersversorgung auf bzw. bauen sie ab. Dies überrascht nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass das Vertrauen in die Finanzmärkte bei gut einem Drittel der Deutschen nicht mehr vorhanden ist. Wie richtig dieses eine Drittel liegt, zeigte übrigens zu Beginn der Woche auch, dass die Hypo Real Estate (HRE) nun als erstes Bankunternehmen in der Bundesrepublik komplett verstaatlicht wurde. Abgesehen davon, was dies wohl alles noch für den Steuerzahler bedeuten wird, bedeutet es vor allem auch, dass die Kleinaktionäre mit 1,30 Euro pro Aktie scheinbar zwangsenteignet wurden. Dies führte natürlich am Montag auf der außerordentlichen Hauptversammlung der HRE in München zu Protesten. Es wird immer schwere alles auf die `bösen` Amerikaner zu schieben, wie es noch der Fall war, als viele Menschen sehr viel Kapital durch die Insolvenz des amerikanischen Bankunternehmens Lehman Brothers verloren. Übrigens sprach man gerade auch zu Beginn der Krise selten davon, dass die meisten Menschen ihr Geld durch Anlagen bei deutschen Banken verloren, hier haben die Medien allerdings mittlerweile umgeschwenkt und weisen auf dieses nicht ganz unbedeutende Detail ausreichend hin.

Wenn man sich die oben genannte Situation einmal bis zum Ende betrachtet, wird man sehr schnell feststellen, dass diese Entwicklung vor allem bedeuten wird, dass die Altersarmut rapide ansteigen wird. Die staatliche Alterversorgung reicht schon seit ewigen Zeiten nicht mehr dafür aus seinen Lebensabend auf dem Standard zu genießen, wie man vorher gelebt hat. Daher wurde über die Jahre der Ruf nach anderen Absicherungsmöglichkeiten auch immer lauter. Während der Staat, also letztendlich die Politik, die Verantwortung hier sehr schön an die private Wirtschaft abgegeben hat, zeigt die Weltwirtschaftskrise nun, dass auch hier keine Sicherheit besteht. Ein weiteres Indiz dafür, dass man gerade auch in Deutschland schon lange Zeit nicht mehr in der Sicherheit leben kann, in der man es gerne würde bzw. wie es der Bevölkerung oft vorgegaukelt wird. In Zeiten in denen Arbeitsplätze nicht mehr im Ansatz sicher sind, fällt es natürlich allen Betroffenen auch noch umso schwerer, langfristige Verträge abzuschließen, die erst einmal Kapital aus dem alltäglichen Leben entziehen, schließlich sinkt das zur Verfügung stehend Kapital in den meisten Familien so oder so ständig ab und irgendwo von muss am Ende des Tages auch noch der Lebensunterhalt finanziert werden. In genau dieser Situation würde man nun meinen, dass Gewerkschaften und Kirchen richtig guten Zulauf erhalten würden, allerdings hat gerade auch die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass dem nicht so ist.

An was soll man noch glauben?

Beginnen wir mit den Gewerkschaften, denn der Deutsche Gewerkschaftsbund feierte zu Wochenbeginn seinen 60. Geburtstag. Die Gewerkschaften waren lange, lange Jahre ein gutes Gegengewicht zu der Macht der Wirtschaft und zeigten dieser auch oft genug ihre Schranken auf. Natürlich wuchsen in diesem Kontext auch die Mitgliederzahlen an, was die Machtposition natürlich auch noch einmal verstärkte. Es kam aber scheinbar irgendwann der Punkt, wo man begann sich auf dem, was man seitdem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hatte, auszuruhen. Es kam auch nicht zu einer angemessenen Reaktion auf die neue Situation nachdem Mauerfall und genau an einer solchen Stelle, tritt dann der zu Beginn erwähnte Rückschritt ein. Seit dem Fall der Mauer, sanken die Mitgliederzahlen bei den Gewerkschaften von ca. 11 Millionen auf im Moment noch etwas mehr als 6,5 Millionen Mitglieder. Das mit jedem verlorenen Mitglied natürlich auch die Macht schwindet, ist selbstverständlich. Wenn man sich die heutigen Entwicklungen im Kontext von Weltwirtschaftskrise, Globalisierung und Raubtierkapitalismus einmal ansieht, stellt man bald fest, wo Gewerkschaften im Moment stehen und sie müssen mehr und mehr bangen nicht in der völligen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden und damit der Marktradikalisierung das Feld völlig zu überlassen. Skandale, wie zum Beispiel die der Flugreise eines Frank Bsirskes von Ver.di, sind in einer solchen Situation dann natürlich auch nicht gerade förderlich. Bei alldem dürfte es dann auch nicht hilfreich sein, dass man mit diesen Problemen nicht alleine ist.

Ähnlich wie den Gewerkschaften geht es den Kirchen, hier kann man sich scheinbar auch nur noch bei wirklichen Katastrophen über Zulauf erfreuen. So zynisch es sein mag, stellt man doch fest, dass sich Gotteshäuser ganz schnell füllen, wenn die Menschen gar nicht mehr mit einer Situation klar kommen, wie zum Beispiel im Fall der Amokläufe von Winnenden oder auch Ansbach. Dies funktioniert aber scheinbar nur bei solch extremen Situationen. Bei den kleinen Alltagskatastrophen, bei den persönlichen Schicksalsschlägen von Arbeitslosigkeit bis zur Verarmung scheinen die Kirchen nicht mehr die richtigen Antworten zu haben, denn anders ist es wohl kaum zu erklären, dass man auch hier mit dem ständigen Verlust von Mitgliedern zu kämpfen hat. Viele Menschen machen den Fehler und meinen sie könnten auf Grund von 60 oder 100 oder gar 2.000 Jahren genau bestimmen, was die nächste Zukunft bringt, sich auf dieser vermeintlichen Gewissheit auszuruhen ist ein großer Fehler, denn Leben bedeutet auch Veränderung und viele dieser Veränderungen kann und vor allem sollte man auch nicht ignorieren. Globalisierung führt natürlich auch zu immer multikulturelleren Gesellschaftsformen und dies führt natürlich auch zu einer ganz anderen Verteilung der Religionen in den einzelnen Regionen. Außerdem werden einem in der heutigen Zeit viel mehr Möglichkeiten geboten sich im Kontext des Glaubens zu orientieren und auch hier wird die Kirche sich anpassen müssen oder weiterhin dem Stillstand nachkommen und zu sehen müssen, wie die Rückschritte auch hier mehr und mehr um sich greifen werden.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu