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Die Wahrheit des Wortes

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Der DAX als Clown

29. Oktober 2008

Um bei dem in der Überschrift gewählten Vergleich zu bleiben, muss man dann wohl die VW-Aktie als die rote Nase ansehen. So humorvoll dies alles klingen mag, so drastisch zeigt sich vor allem auch, dass sich an den weltweiten Finanzmärkten nichts getan hat, außer das sie jetzt noch mehr Geld zum zocken von den Regierungen zur Verfügung haben. Es ist in einem unbeschreiblichen Maß verantwortungslos, dass Teile der Wirtschaft das alte Spiel weiterspielen. Vorwürfe gehen aber auch ganz klar an die Politik, die nicht einschreitet und weiterhin nur die Wirtschaft schütz und stütz, sich aber nicht um die Bevölkerung kümmert. Die Armut wird sich immer weiter ausbreiten und gerade von den Politikern sollte man erwarten, dass sie dies im bestmöglichen Maß versuchen zu unterbinden. Aber die Ereignisse dieser Woche zeigen ein Mal mehr, dass die Regierung auch weiterhin nichts tut.

Die Regierung als eine Satire

VW hatte zwischenzeitlich einen Marktwert von circa 300 Milliarden Euro und war damit das wertvollste Unternehmen der Welt und das noch vor Firmen wie zum Beispiel Exxon. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma mehr Wert als alle verbliebenen 29 Werte im DAX zusammen. Dies alles hat natürlich nichts mehr mit realen Märkten zu tun. Hier wird wieder ohne Ende gezockt und aus der aller jüngsten Geschichte wissen wir, wer am Ende des Tages die Zeche zahlt. Immerhin will man nun den Anteil von VW am DAX von 27 Prozent auf 10 Prozent reduzieren aber erst ab Montag. Man bekommt bei so etwas ganz leicht das Gefühl, als würde hier noch beabsichtig Zeit eingeräumt, um diese perfiden Wirtschaftsspielereien bis zum Ende zu spielen. Man muss an dieser Stelle natürlich auch bedenken, dass in diesem Fall auch der Entscheidungsträger mitverdient. Die Regierung scheint in diesem Kontext im Moment wieder in einer Schockstarre zu verharren, bis sie wieder Schecks ausstellen darf.

Im Bankensektor hat sich jetzt mit der Hypo Real Estate (HRE) die erste Privatbank gemeldet, die den staatlichen Schutzschirm von 500 Milliarden Euro nutzen will. Sie wollen 15 Milliarden Euro haben, ob dies am Ende reicht weiß natürlich noch niemand. Zur Erinnerung sei gesagt, dass die HRE schon mit 50 Milliarden Euro von der Regierung unterstützt wird. Im Klartext reden wir also über 65 Milliarden Euro, die die HRE aus Steuergeldern erhält. Während hier die Milliarden rollen, denkt man aber auch an das Volk und überlegt Steuervergünstigungen für Kühlschränke und emissionsarme Neufahrzeuge einzuführen. Also quasi Produkte, an die wohl jeder dem es finanziell gerade nicht so gut geht, als erstes denkt. Wenn man das Verhalten der Regierung momentan verfolgt, könnte man es zum Teil wirklich für Satire halten. Der einzigen Haken an der Sache ist, dass man all dies in Berlin ernst meint. Dieser Faktor lässt natürlich für die Zukunft nichts Gutes erahnen.

Oben lacht man und unten weint man

Die Reihe lässt sich aber beliebig fortsetzen, so stellte sich gerade heraus, dass die Gelder der deutschen Tochter der in Konkurs gegangenen Lehman Brothers Bank abgesichert sind. Dies gilt im Regelfall allerdings nur für Gelder institutioneller Anleger. Dies wiederum bedeutet, dass zum Beispiel die Kunden die Zertifikate von Lehman Brothers bei einer Sparkasse erworben haben, auch weiterhin leer ausgehen werden. Folgt man diesen Medienberichten, stellt es sich auch weiterhin so dar, dass die betroffenen aus der Finanzwelt und Wirtschaft geschützt sind, aber die breite Bevölkerung scheinbar ohne weitere Konsequenzen abgezockt werden darf. Dieses massive Ungleichgewicht führt natürlich zu einer Frustration in der Gesellschaft und genau hier sitzen auch die Wähler. Dies sollte man sich in der Politik, gerade auch gut ein Jahr vor den nächsten Bundestagswahlen, immer vor Augen halten, ansonsten könnte dies noch für den ein oder anderen ein böses Erwachen geben.

Aber noch ein Mal zurück zu VW. Sehr interessant waren auch die Aussagen von Christian Wulff (CDU) der sich am Wochenende bei Anne Will in der ARD gegen eine Einmischung der US-Regierung bei den großen amerikanischen Autoherstellern GM und Ford aussprach. Das diese Worte gerade vom Landesvater aus Niedersachsen kommen, wo eben das Land Niedersachsen und damit natürlich die Politik, Einfluss auf den Autokonzern VW nimmt, ist schon erstaunlich. Man merkt an diesem Verhaltensmuster aber auch sehr schön mit was für einer ungeheuren Doppelmoral in diesem Kontext vorgegangen wird. Diese Doppelmoral in Politik und Wirtschaft ist als Treibstoff dafür anzusehen, warum sich die Krise nicht verringert, sondern es jeden Tag neue Hiobsbotschaften gibt und die kommen schon lange nicht mehr nur aus der Finanzwelt, sondern mehr und mehr auch aus der Realwirtschaft. Als Fazit bleibt wohl nur die Feststellung, dass die Gesellschaft leidet und man in den Führungsetagen weiter zockt. Sozial ist an dieser Marktwirtschaft schon lange nichts mehr.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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