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Die Wahrheit des Wortes

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Der Billig – Markt

9. August 2010

Eines der großen Themen in der letzten Woche war kik, der Textildiscounter. Diese Diskussion wurde durch verschiedene TV-Beiträge ins Leben gerufen und man würde sich manchmal wünschen, dass solche Themen auch häufiger außerhalb des Sommerlochs ein Thema wären. Natürlich gilt es auch ein solches Thema von möglichst vielen Seiten zu beleuchten, denn es wäre zu einfach nun nur über Billiglöhne, Kinderarbeit und ähnliches zu diskutieren. Man muss immer auch berücksichtigen Waren brauchen vor allem einen Markt, denn wenn es keinen Markt gibt, können Produkte auch nicht im Sinne des Produzenten vertrieben werden. So stellt sich natürlich die Frage, wieso Ketten, wie zum Beispiel kik aber auch Aldi oder Penny und ähnliche in unserer heutigen Zeit solche Erfolge feiern. Vor allem gilt bei allen, dass die Waren wesentlich preiswerter sind, als in Markengeschäften oder Fachbetrieben und da es auch in Deutschland immer mehr Menschen gibt, die massiv sparen müssen, findet man hier schon einen Teil der Antwort.

Kurzarbeit und Hartz IV
Der Anteil der Kosten, die jeder Bürger seit den letzten Jahren selber aufbringen muss, von der Praxisgebühr bis hin zu den Sonderbeiträgen bei den Krankenkassen, schmälert natürlich das Budget und es gibt noch viele andere Beispiele, wo dies auch gilt. Es gibt aber natürlich auch noch ganz andere Faktoren, die das persönliche Geld immer weniger werden lassen, dies beginnt bei den Abzügen durch Kurzarbeit und gipfelt in Hartz IV. Auch hier sinkt das zur Verfügung stehende Kapital massiv ab. Gerade Hartz-IV-Empfänger sind von Staatswegen her schon dazu verpflichtet mehr als preiswert, eher noch billig, einzukaufen, wenn sie über die Runden kommen wollen. Nun müssen für diesen, sich ausweitenden Markt natürlich Produkte her die finanziell ins Budget passen und damit erreichen wir zum ersten Mal den Bereich des Billiglohns. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das mit dem Billiglohn auch noch in Deutschland aber eben nicht so massiv, wie zum Beispiel in weiten Teilen Asiens. Billiglohn ist aber ein Weg, um die Produktionskosten und damit den Preis der Waren niedrig zu halten.

Man muss auch berücksichtigen, dass sich die Spirale nach unten natürlich noch einmal schneller dreht, wenn man die Löhne, in welcher Form auch immer, absenkt. Denn mehr Armut bedeutet an dieser Stelle auch wachsende Märkte. Da ist es sowohl für die Wirtschaft, wie aber natürlich auch für die Politik wesentlich angenehmer, wenn diese Armut weit weg ist und man sie in diesem Maße nicht direkt vor der eigenen Tür hat. So erklärt sich schon einmal ein Teil dieses Marktes. Es sind aber nicht nur die Ärmsten im Land die dort einkaufen, es ist genauso die Mittelschicht etc. Hier sind die Hintergründe natürlich noch einmal andere, denn man spart an dieser Stelle für andere Dinge, wie zum Beispiel Möbel, Urlaub oder wo man sonst seine Prioritäten setzt. Dies ist dann natürlich gerade auch im Kontext zur Kinderarbeit noch mehr moralisch bedenklich, denn am Ende des Tages spart man so für seine ganz persönliche Lustbefriedigung auf die Kosten der Ärmsten und Hilflosesten dieser Welt.

Warum mehr bezahlen?
In dieser Diskussion gibt es aber auch noch die Seite der Qualität der Waren, denn natürlich spielt oftmals auch das Preisleistungsverhältnis noch eine Rolle. Hier merkt man nun schon seit langer Zeit, dass Waren die teuer sind, auch nicht immer unbedingt gut sein müssen. Die Versprechungen aus der Werbung oder den Aufdrucken auf dem Verpackungsmaterial haben doch oft mit der Realität gar nichts zu tun und man ist vom tatsächlichen Nutzen enttäuscht. Wenn man zum Beispiel Markentoastbrot kauft und dies ständig vorm Ablaufdatum verschimmelt ist, stellt sich die Frage, ob man nicht besser damit fährt, ein preiswerteres Toastbrot zu nehmen. Wenn man sich eine Markenjeans kauft und sich diese nach gut zwei Jahren völlig aufgelöst hat, stellt sich auch hier die Frage, warum man nicht auf einen Discounter ausweichen sollte. Man sieht sehr deutlich, wie wichtig es ist, dass auch die Qualität stimmt und dies ist leider nur allzu oft einfach nicht mehr der Fall.

Es ist ein außerordentlich komplexes Thema, da es letzten Endes einfach nur um die Folgen der doch sehr raubtierkapitalistisch geprägten Globalisierung geht und deren negative Folgen spürt man langsam aber sicher auch immer mehr in Deutschland. Dies gilt sowohl als Kunde, wie auch als Bürger dieses Landes, denn man bekommt gerade im Moment das Gefühl, dass der Durchschnittsbürger immer mehr verliert, während der DAX und damit die Werte der Großkonzerne immer mehr wachsen. Wie schon häufiger berichtet, ist die Wirtschaft von alleine nicht Willens etwas zu verändern, müsste man doch so auch noch auf kurzfristige Gewinne verzichten und nur die zählen in einer Welt ohne Nachhaltigkeit. An dieser Stelle kommt dann wieder die Politik ins Spiel, die ohne gleich wieder in den Sozialismus zu verfallen, in einem gewissen Maß regulierend eingreifen müsste. Aber auch hier wartet man vergebens auf nachhaltige Konzepte. Bleibt am Ende des Tages nur noch die Möglichkeit, dass die Marktteilnehmer es richten und da zählen wir irgendwie alle zu.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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