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Die Wahrheit des Wortes

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Der Bahn Wahn

20. Dezember 2007

Das Jahr 2007 begann für die Deutsche Bahn sprichwörtlich mit Rissen in der Fassade. Denn im Januar riss der Orkan `Kyrill` einen Stahlträger, am gerade eröffneten Prestigeobjekt der Deutschen Bahn, dem Berliner Hauptbahnhof, in die Tiefe. Zu diesem Zeitpunkt hatten wahrscheinlich viele Menschen ähnliche Hoffnungen wie ich, dass es das mit den Schlagzeilen für die Deutsche Bahn im Jahr 2007 gewesen sein sollte. Heute wissen wir, dass dem nicht so war, sondern dies nur der Beginn war.

Der Beginn einer Mammutauseinandersetzung

Nach einer Preiserhöhung zu Jahresbeginn, die nach meinem dafürhalten, bei diesem Unternehmen auch kaum noch eine Schlagzeile ist, begannen im März diesen Jahres die Auseinandersetzungen mit den drei Gewerkschaften GDBA, GDL und Transnet. Dies ist nun auch erst ein Mal nichts Außergewöhnliches aber das Jahr hatte auch erst begonnen und es sollte sich zeigen, dass dies der Startschuss zu einer wahren Mammutauseinandersetzung gewesen sein sollte.

Im Mai dieses Jahres dauerte der Tarifstreit zwischen den drei Gewerkschaften und der Deutsche Bahn dann schon drei Monate an. Dies ist schon recht lange aber unter der Maßgabe, dass hier letztendlich vier Parteien verhandelten und über all dem schließlich auch der Geist der Privatisierung der Deutschen Bahn schwebte, hielten sich die Irritationen in Grenzen. Da es auch nur noch bis zum Juli dieses Jahr dauern sollte, bis man sich auf Tariferhöhung geeinigt hatte, sah alles doch nach einem ganz normalen Tarifstreit, der letztlich gütlich endete, aus. Wäre da nicht der Fakt gewesen, dass sich die GDL und damit die kleinste der drei beteiligten Gewerkschaften, nicht mit der Deutschen Bahn einig geworden wäre.

Zerschellte Verhandlungen

Nun begann die große Zeit des Herrn Manfred Schell. Der Chef der kleinsten beteiligten Gewerkschaft stand auf ein Mal ganz groß dar. Er stand nun Mitten im Rampenlicht und zeigte schon bald, dass er das Spiel mit den Medien mindestens so gut beherrschte, wie seine Widersacher aus dem Bahnvorstand Hartmut Mehdorn und Margret Suckale. Denn es sollte eine wahre Medienschlacht beginnen. Es dauerte nicht allzu lange bis nun der Streit endgültig eskalierte und es zur Urabstimmung bei der GDL kam. Nach einem positiven Verlauf der Urabstimmung für Herrn Schell, einigte man sich nach einem ersten Muskelspiel auf ein Moderatorengespräch mit den Herren Prof. Kurt Biedenkopf und Dr. Heiner Geißler.

Dieses Moderatorengespräch erbrachte dann Ende August diesen Jahres anscheinend das für beide Seiten gewünschte Ergebnis. Irritierend war nur, dass das Ergebnis ab sofort von beiden Seiten als ganz klar deklariert definiert wurde, man sich allerdings nun über die Begrifflichkeit `eigenständiger Tarifvertrag` stritt. Spätestens an dieser Stelle kamen bei mir erste Gedanken auf, dass es hier vielleicht nur an der Oberfläche um einen Tarifstreit gehen würde. Denn die folgenden Dialoge, die meist über Pressemitteilungen und Pressekonferenzen geführt wurden, waren meiner Meinung nach mehr als skurril und führten letztendlich dazu, dass die Verhandlungen sprichwörtlich zerschellten.

Eine Kur die keine Kraft gab

Geht man allgemein davon aus, dass einem eine Kur neue Kraft und Energie schenkt, war das im Fall des GDL Vorsitzenden Schell scheinbar nicht so. Es kam zwar nun zu einer weiteren Eskalation des Tarifstreits, der über Warnstreiks bis zu befristeten Streiks über mehrere Tage führte aber der letzte Kraftakt fehlte merkwürdigerweise und das obwohl das Arbeitsgericht in Chemnitz der GDL nach langem juristischem hin und her, das volle Streikrecht eingeräumt hatte . Ohne einen für mich erkennbaren Grund, lenkte der frisch aus der Kur zurückgekehrte GDL Chef plötzlich wieder ein und kehrte an den Verhandlungstisch zurück. Somit kam es nicht zu dem befürchteten und angedrohten unbefristeten Streiks bei der Deutschen Bahn.

Dies war der Zeitpunkt, wo scheinbar nicht nur mir klar wurde, dass es eben kein reiner Tarifkampf zu sein scheint. Denn die Rückkehr an den Verhandlungstisch brachte vor allem zwei Dinge. Zum einen, eine positivere Positionierung der GDL in der Öffentlichkeit. Aber zum zweiten, vor allem auch Zeit und desto länger sich dieser Tarifstreit hinzieht, desto gravierender werden die Folgen im Kontext der Privatisierung der Deutschen Bahn sein. Meiner Meinung nach, geht es den Kontrahenten in erster Linie gar nicht so sehr um Tarifverhandlungen, sondern viel mehr um eine gewisse Justierung der Deutschen Bahn hinsichtlich ihrer Privatisierung.

Zukunft bewegen

Dies würde dann auch erklären, warum man heute um 14 Uhr in der Pressekonferenz der GDL den überraschenden Abbruch der Verhandlungen verkündet hat und sich ein weiteres Mal alles offen hält. Die GDL hat so Zeit gewonnen und die Weihnachtsfeiertag streiktechnisch umschifft ohne das Gesicht vor irgendwem zu verlieren oder einen großen Imageschaden in der Bevölkerung befürchten zu müssen. Die Aussage, dass die in der Pressekonferenz angekündigten Streiks, die am 07. Januar 2008 beginnen sollen nicht unbefristet seien, da der Streik enden soll, sobald ein `tragfähiges Angebot` vorliegt, ist wieder einer dieser Schachzüge, die mittlerweile nicht nur mich nerven und beweisen, dass das Spiel nun in die nächste Runde gehen wird.

Was nun noch fehlt ist ein Fernsehduell, wo Manfred Schell und Hartmut Mehdorn endlich ein Mal gegeneinander antreten könnten und der Bevölkerung, die letztendlich in jeder Hinsicht die Leidtragenden sind, erklären wie es zu all diesen unterschiedlichen Interpretationen, eines doch angeblich so eindeutigem Moderatenergebnis, kommen kann. Persönlich würde ich als Moderator für dieses Gespräch Herrn Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee vorschlagen. Bei allem Reden dürfen wir allerdings auch nicht vergessen, dass es um die Deutsche Bahn geht. Die immerhin einen Werbeslogan hat, der da heißt `Zukunft bewegen`. Und das trifft es sehr gut, denn in der Gegenwart bewegt sich nach meiner Auffassung bei der Deutschen Bahn, genauso wenig wie bei der GDL.

Also, auf ins nächste Jahr und schauen ob sich in Zukunft etwas bewegt, außer den Fahrpreisen, die sich immerhin in diesem Jahr gleich zwei Mal bewegt haben, natürlich nach oben. Oder um es mit den Worten von Frau Suckale, Personalvorstand der Deutschen Bahn zu sagen, `Deutschland braucht eine Lösung`.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

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