fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Der Bäcker und die Tankstelle

6. April 2011

In einer Zeit, in der scheinbar auch die Nachricht eines GAUs im japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima, der noch immer mit Höchstgeschwindigkeit auf einen Super-GAU hinrast, beweist, dass auch Nachrichten eine sehr minimale Halbwertszeit haben, ist ganz offensichtlich sehr vieles möglich, wie auch das folgende Thema belegt. Die Europäische Union (EU) kann ihre Bürger problemlos mit Raucherdiskriminierungsgesetzen, die als Nichtraucherschutzgesetze getarnt daher kommen, nerven. Man ist aber offensichtlich zum Beispiel nicht in der Lage die Bevölkerung ausreichend vor einem Super-GAU zu schützen, da man es auf dieser Ebene nicht schafft einheitliche und ausreichende Sicherheitsstandards für AKWs zu schaffen. Dies lässt natürlich gewisse Denkmuster erkennen und in dieses passt auch das Thema E10-Kraftstoff, mit dem man auch in Deutschland die Klimabilanz verbessern will. Wie die letzten Wochen gezeigt haben, tut man dies auch gegen den Willen des Volkes, was in einer Demokratie schon erstaunlich ist.

Wen interessieren schon ethische Fragen?
Es scheint noch immer nicht ausreichend geklärt zu sein, wie verträglich der neue Supersprit eigentlich für welche Autos ist. Man erkennt hier auch, dass es wohl kein gesteigertes Interesse an einer vernünftigen Aufklärung gibt. Sollten nach und nach Fahrzeuge den Geist aufgeben, hätte dies immerhin etwas von einer Art Abwrackprämie 2.0 und noch mehr Menschen würden von Zweitjobbern zu Multijobbern aber damit würde am Ende des Tages nur ein schon bestehender Trend noch forciert. Schließlich kommt auch in Deutschland schon lange Konsum vor Nachhaltigkeit. Aber es geht noch viel weiter und es soll hier auch gar nicht so sehr um die technischen Aspekte dieses Vorhabens gehen. Denn E10-Kraftstoff benötigt Bioethanol und dies gewinnt man auf pflanzlicher Basis und diese müssen logischerweise angebaut werden und damit fehlt ein Teil Natur an anderer Stelle und auch dies führt, nicht wirklich überraschend, wieder einmal zu Preissteigerungen. Diese merkt man aber gar nicht so sehr an der Zapfsäule, wie man denken mag, sondern zum Beispiel beim Bäcker.

Mit Essen spielt man nicht. Diese Aussage dürfte so gut wie jeder kennen aber zum Antrieb von Autos ist es scheinbar in Ordnung. Durch den neuen E10-Kraftstoff, den nun wirklich von Konsumentenseite her keiner haben will, werden zum Beispiel Backwaren um drei bis fünf Prozent teurer und dies in einer Zeit in der die Armut so oder so schon ständig ansteigt. Dies ist natürlich wahnsinnig zynisch aber auch aus ethischen Gesichtspunkten mehr als fragwürdig. Auch hier gilt natürlich, wie auch im Kontext der Atompolitik, dass der Verzicht der einzig wahre Schlüssel zum Erfolg ist und es nicht so sein kann, wie es sich im Moment darstellt. Dem gegenüber steht natürlich, dass die breite Masse nicht gewillt ist zu verzichten und somit natürlich solche Konstellationen, wie hier geschildert, entstehen können. Diese Art des Problems wird der Gesellschaft zukünftig immer wieder ins Haus stehen, da die Versorgung der Welt mit Lebensmitteln allein schon ein riesiges Problem ist, welches dann natürlich durch schlaue Verordnungen, wie die zum Thema E10, noch einmal um ein Vielfaches erhöht wird. Ein Kreislauf der sich am Ende des Tages nur durch einen umfassenden Systemwechsel stoppen lässt.

Kein Thema für die Kirche?
Die Kirchen, natürlich auch gerade hier in Deutschland, sind immer mehr auf dem Rückmarsch, da immer mehr Menschen ein grundlegendes Problem mit dieser Institution haben. Dem könnte man entgegenwirken, in dem man sich eine große Stimme verschafft, um eben gegen solche, ethisch fraglichen Vorgänge auf die Barrikaden zu gehen. Jeder der hier nun aber großartige Offensiven erwartet, wird wohl bis in die Ewigkeit warten können. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass die völlig unnötige Verknappung von Lebensmitteln, von Grundnahrungsmitteln ein großes Thema im Vatikan und hier namentlich  bei Papst Benedikt XVI. sei aber auch hier gilt scheinbar das Dauerschweigen ebenfalls als Maß aller Dinge. Dies führt dann natürlich wieder zu noch mehr Unmut über die Kirchen und auch hier stehen am Ende des Tages wieder Kirchenaustritte auf dem Plan. Dem wird man dann auch nicht entgegenwirken in dem man in regelmäßigen Abständen auf den Hunger in der Welt hinweist und zu Spenden aufruft, denn es kann nicht immer nur allein um die Bekämpfung der Folgen gehen, das Übel muss viel mehr an der Wurzel gepackt werden. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist das Verhalten der Kirchen, auch in diesem Kontext, einmal mehr ein großes Trauerspiel.

Natürlich sind hier nicht nur die Kirchen aufgerufen etwas zu unternehmen. Es müssen jetzt auch endlich klare Zeichen aus dem politischen Berlin kommen und hier vor allem vom Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), ganz weit im Abseits sollte hier übrigens der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) stehen, wobei dieser im Kontext des E10-Kraftstoffes eine Hauptrolle einnimmt, was natürlich wieder verdeutlicht woher hier der Wind weht. Dieses gesamte Konzept ist gescheitert, auch dies gilt es zu akzeptieren und so lange es kein breites Interesse dafür gibt, dass der Verzicht in der heutigen Gesellschaft eben unverzichtbar ist, müssen andere Zwischenlösungen gefunden werden, die allerdings im Sinne der Bürger und Wähler sind und nicht gegen sie arbeiten, wie es im Moment leider auch an dieser Stelle der Fakt ist. All dies, vom Welthunger über die Bedeutung der Kirchen bis hin zu einem weiteren Beleg völlig verfehlter Politik, macht deutlich, wie wichtig ein kompletter Systemwechsel ist. Diesen Ansatz teilen leider noch immer nicht alle aber der Anteil derer, die es tun, wird mit jedem Tag mehr und so keimt zum Glück auch an dieser Stelle immer mehr Widerstand auf.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu