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Die Wahrheit des Wortes

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Der Aufschwung am Arbeitsmarkt

24. August 2010

Nun kommt der Aufschwung wohl auch langsam am Arbeitsmarkt an, dies behaupten zu mindestens Experten, die mit den besten Zahlen seit fast 20 Jahren daher kommen. Viele Autobauer haben recht lange Lieferzeiten und verkürzen deshalb die Sommerferien bzw. setzen sie ganz aus. Dies sind doch Nachrichten, wie man sie in Deutschland gerne hört aber es schwingen auch gleich schon wieder Warnungen nach Lohnzurückhaltung und ähnlichem mit und natürlich werden die jetzt auftretenden Produktionsspitzen oftmals nur mit Leiharbeitern abgedeckt. Da merkt man wieder, wo der Wind in der deutschen Industrie her weht. Zurückhaltung ist ein Wort, welches viele Menschen im Land einfach nicht mehr hören können, denn offensichtlich wird es in guten, wie auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten gebraucht. Die unteren Einkommensschichten müssen sparen, während die Verursacher der Krise weiter ihr hohes Niveau fahren.

Kollektives Versagen
In den Medien diskutiert man in diesen Tagen fast alles, wenn es um das Thema Einsparungen geht. Hierbei geht allerdings die Frage danach unter, warum soviel eingespart werden muss. Natürlich ist die Antwort ganz einfach die, dass die Folgen der Weltwirtschaftskrise ausgeglichen werden müssen und genau hier kommen wir zu einer weiteren, noch viel interessanteren Frage und zwar die Frage nach der Schuld an der Krise. Eine Krise fällt meistens nicht einfach so vom Himmel, sondern ist von Menschenhand geschaffen und so sieht es natürlich auch im aktuellen Fall aus. Nun diskutiert man diesen Teil allerdings eher selten, dabei wäre es gerade auch aus Sicht der Prävention außerordentlich wichtig. Die Damen und Herren die ihre großen Gehälter immer wieder mit ihrer großen Verantwortung erklären, sollten diese auch einmal annehmen, denn wären nicht riesige Fehler gemacht worden, hätte es die Krise nicht gegeben und die Bürger müssten jetzt nicht auf immer mehr verzichten.

Was man hier in den letzten Monaten, wenn nicht gar Jahren, sehen konnte, war ein kollektives Versagen einer vermeintlichen Elite, welches die Vernichtung von Arbeitsplätzen und damit natürlich auch die Vernichtung von Wohlstand zur Folge hatte, wenn nun genau aus dieser Ecke der Ruf nach Zurückhaltung kommt, kann man sich schon einmal hinters Licht geführt fühlen. Hunderte Milliarden Euro darf der Steuerzahler nun ausgleichen, weil einige wenige Menschen ihrem Job ganz offensichtlich nicht gerecht wurden. Menschen sollen nun auf Kultur, auf Bildung und ähnliches verzichten, um die Schäden zu reparieren, die von den Protagonisten des Raubtierkapitalismus gerissen wurden. Es ist schon erstaunlich diese Forderung immer wieder zu hören und man fragt sich, warum nicht in breiter Front gegen diese bodenlose Frechheit vorgegangen wird. Man sollte sich vor Augen halten, dass man so einfach schon wieder auf die nächste Krise zu steuert und auch hier werden die Abläufe die sein, die es auch im aktuellen Fall sind.

Auf der Suche nach dem Lerneffekt
So lange es keine klare Schuldzuweisung gibt und die Verantwortlichen endlich einmal in einem angemessenen Rahmen ihrer hochbezahlten Verantwortung nachkommen, wird es auch keinerlei Lerneffekt geben, denn man zeigt den Verursachern so einfach nur, dass sie immer wieder so unverantwortlich handeln können. Es wäre die große Zeit der Gewerkschaften, um hier glasklare Signale zu setzen aber auch diese sucht man in den allermeisten Fällen vergebens, denn scheinbar ist die Vernetzung zur Wirtschaft mittlerweile so engmaschig und freundschaftlich, dass sich hier einfach nichts tut. Genau diesen Effekt kennt man schon aus der Politik, denn auch hier fühlt man sich scheinbar nur berufen, dass gescheiterte System mit immer weiteren Milliarden künstlich am Leben zu halten, anstatt das Volk einmal angemessen zu vertreten. Dies gilt übrigens völlig unabhängig von Parteigrenzen, denn in den letzten Jahren wurden doch einige politische Spielarten durchgespielt aber nachhaltig, positiv verändert hat sich nicht wirklich etwas.

Anstatt für eine humanere Wirtschaftsform einzutreten, holzt man im politischen Berlin lieber weiter den Sozialstaat ab. Was vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zusammen mit den Grünen und der Agenda 2010 begonnen wurde, wird in diesen Tagen von der Tigerentenkoalition aus CDU, CSU und FDP unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) perfektioniert. Die Figuren verändern sich aber das Spiel geht wie immer weiter, auch dies ist eine Realität, die man sehen muss. Wenn nun aber scheinbar weder Gewerkschaften, noch die Politik in der Lage sind, nachhaltig für eine positive Systemänderung zu sorgen, muss es aus der Mitte der Gesellschaft heraus passieren, es muss wieder zurück zur Solidarität gefunden werden, man muss die Interessen gemeinsam verteidigen und sich im Notfall, wenn die alten Wege nicht mehr funktionieren, ganz neue suchen. Dieser Prozess ist anstrengend, auch dies ist ein Fakt aber wenn man nicht bereit ist diese Energie aufzubringen, wird sich auch nichts verändern und dann sollte man sich am Ende des Tages auch nicht beschweren, denn jeder hat es selber in der Hand.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 24. Aug 2010 at 18:28

    Ist wirklich erstaunlich, mit welcher Chuzpe jetzt schon wieder irgendwelche … Interessenvertreter die Verkürzung des Jahresurlaubs um 2 Wochen fordern, weil die Wirtschaft so viele Aufträge hat.

    Diese Frechheit muss man erst mal aufbringen: Wenn es schlecht läuft, müssen die Arbeitnehmer zurückstecken (ist nachvollziehbar), wenn es gut läuft, müssen die Arbeitnehmer auch zurückstecken (das verschlägt einem die Sprache).

    Warum? Weil die Firmen sonst zu viele Zeitarbeiter einstellen müssen. Schon fast lustig. Es zeigt immerhin, dass da eine Menge Leute am Werk sind, die offensichtlich nicht in der Lage sind, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Immer wenn es irgendwie nicht glatt genug läuft, sollen andere das ausgleichen. Unternehmertum habe ich mir immer anders vorgestellt. Und ich habe es auch anders erlebt.

    Was da heute so von sich gegeben wird, ist nur noch jämmerlich :-(

Schreib was dazu