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Die Wahrheit des Wortes

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Davos 2009 – von Demut zur Entscheidung I

31. Januar 2009

Reicht ein schlichtes “Sorry” tatsächlich als Demutsbeweis aus? Das Wirtschaftsblatt berichtet, dass der Davos-Gründer, Klaus Schwabe, auf ein Verantwortungsbewusstsein der Banker pocht. Schließlich wären die es gewesen, die den “Schlamassel” verursacht haben, und jetzt läge es an ihnen, die Welt wieder aus der Krise zu führen.

Demut, was ist das eigentlich? Der Duden versteht darunter eine “dienende Gesinnung”. So würde man von den verantwortlichen Bankern in Davos eine schlichte Entschuldigung und ein Schuldeingeständnis erwarten, wenn man diese schon für die Krise verantwortlich machen will. Doch vom vielen Suchen, wer denn nun der wahre Auslöser der Krise sei, besinnt man sich in Davos auch gleich auf die Lösungen. Denn die Rockstars unter den Wirtschaftsleuten suchen schon längst keine Schuldigen mehr. Joseph Stiglitz und Stephen Roach prognostizierten vor ein paar Monaten die Krise punktgenau und meinten, es würde noch schlimmer kommen. Jetzt bieten sie Lösungen an.

Doch widmen wir uns in dieser Angelegenheit unserem Land. In der Eurozone ist die Inflation so niedrig wie seit 1999, nämlich genau 1,1 Prozent für Jänner 2009. Man lenkt anscheinend immer noch das Hauptaugenmerk auf die Inflation. Doch das eigentliche Problem ist die drohende Deflation, die trotz allem Josef Christl (ehedem Mitglied d. Österr. Nationalbank Direktoriums) nicht kommen sehen will. Ihr würden die Hilfs- und Konjunkturpakete von staatlicher Seite entgegen wirken. Warum spricht man dann in Davos bereits von einer “Neuen Wirtschaftsform” für diese Welt? Der Preis, den wir alle für derartige Rettungspakete zahlen, ist hoch: massive Staatsverschuldung mit darauf folgenden Steuererhöhungen. Soll das also bedeuten, dass die momentanen Steuererleichterungen und Bankenpakete in ein paar Jahren zu einem massiven Steuerdruck führen werden?

Derartige Aussagen, die übrigens am 04.12.2008 erschienen sind, klingen jetzt flach. Die derzeitige Weltwirtschaftssituation kann sehr wohl mit jener in den 30er Jahren verglichen werden – manche Stimmen meinen, es wäre schlimmer als damals! Denn die Deflation, deren Folge eine Kaufzurückhaltung mit einhergehendem Produktionsrückgang ist, scheint in Gang gekommen zu sein. Autohändler geben auf Neuwagen bereits 30 Prozent in Österreich, weil sich nichts verkaufen lässt. Die Firma Hartlauer bietet die “Abo-Brille” an, um 6,90 Euro im Monat bei 20 % Anzahlung!  Die “Verschrottungsprämie” – die übrigens nach Meinung der Redaktion völliger Nonsens ist – soll ebenfalls den Autokauf ankurbeln. Wir fragten einen Autohändler, ob es denn stimme, dass Ersatzteile lange Lieferzeiten haben. Die Antwort war ein knappes: “JA!”. Was vor einem Jahr noch innerhalb zwei Tagen geliefert werden konnte, benötigt heute eine Woche und mehr. Warum? Weil die Lager leer sind.

Doch wir müssen nicht unbedingt auf Joseph Stiglitz´ Prognosen achten. Selbst Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb in seinem letzten Buch “Der bedrohte Friede – heute” (ISBN 3-446-17697-7; es ist übrigens vergriffen und scheint das einzige zu sein, dass der Hanser-Verlag seit 2004 nicht mehr auflegt!) über die Krisen, die durch einen unkontrollierten Kapitalismus ausbrechen werden. Dazu Weizsäcker: “Die heutige Krise ist keine Betriebspanne, sondern Folge ungelöster Grundprobleme unserer Welt.” In besagtem Buch gibt es einen Vortrag aus dem Jahr 1977 mit dem Titel “Wechselwirkung weltweiter ökonomischer und politischer Probleme”. Kurz gesagt: weichen wir den pessimistischen Prognosen aus, verschließen wir die Augen vor der Entscheidung, die ansteht. Denn das Wort “Krise” bedeutet aus dem Griechischen übersetzt “Entscheidung”. Reden wir uns also die Probleme schön, dann versagen wir uns selbst damit unvorhersehbare Lösungen. Und genau darin liegt auch die Kritik der Redaktion über die beschönigenden Meldungen, die in vielen anderen Medien zu finden sind. So wollen wir es hier mit Obama´s “Yes, We Can!” halten – möge man zu ihm stehen, wie man will. Doch es ist besser, der Entscheidung (Krise) ins Auge zu blicken, als den Kopf in den Sand zu stecken und Schuldige für den Schlamassel zu suchen. Schauen wir also den Auslösern dieser Krise ins Auge und betrachten wir deren mögliche Lösungsstrategien. Übrigens, C.F.v. Weizsäcker glaubte man 1977 nicht, was er prognostizierte; der Begriff der Globalisierung existierte ebenfalls noch nicht. Seine Prognosen traten aber mit dem Fall der Mauer ein, wobei er das Ende des Kommunismus ebenfalls voraus gesehen hatte.

AMW

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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