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Die Wahrheit des Wortes

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Dauerregen statt Sommermärchen

19. Juli 2011

Der Sommer 2011 scheint wieder einer dieser gescheiterten Sommer zu werden, auf den man im Vorfeld soviel gab. Von Seiten des Wetters her erinnert man sich noch an die Prognose sieben Wochen lang Saharawetter zu haben, stattdessen gab es bislang eher Unwetter, Herbsttemperaturen und Dauerregen. Abgesehen vom Wetter stand aber mit der Frauenfußball-WM 2011 einmal mehr ein Sommermärchen an, da man, gerade auch in den Medien, scheinbar nicht lernt, dass Fußball, egal wer hier nun gegen den Ball tritt, nicht über die tatsächlichen Probleme hinweg täuschen kann und auch dies gar nicht tun sollte, dürften nun einige Menschen sehr enttäuscht sein. Schon vor gut anderthalb Wochen schieden die NEIDischen Mädels unter ihrer Trainerin Silvia Neid gegen die aktuellen Weltmeisterinnen aus Japan aus aber dies war nicht das einzige Problem der WM 2011 in Deutschland. Wenn auch auf einem anderen Niveau, verhielt es sich ähnlich wie mit der WM 2006 der Männer in Deutschland, abgesehen davon, dass auch die Frauen es nicht zum Weltmeistertitel schafften, gibt es auch hier wieder viel Gesprächsstoff zum finanziellen Nutzen solcher sportlichen Mammutveranstaltungen. Denn, genau wie mit dem eben angesprochene Saharawetter, verhält es sich auch mit den Prognosen der Rentabilität solcher Veranstaltungen. Es gibt eben häufig doch eher Dauerregen anstatt eines Sommermärchens.

Ist denn schon wieder Weihnachten?
Man kennt diesen Werbeslogan von Franz Beckenbauer nur zu gut und auch der Kaiser hat seinen Beitrag zur Kommerzialisierung des Fußballs geleistet und dies ist kritisch zu verstehen und nicht als Lob zu sehen. Mit Weihnachten hat man auch direkt ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie mit Märchen, wie auch dem Sommermärchen der gerade zu Ende gegangenen Frauenfußballweltmeisterschaft, Träume aufgebaut werden, um dann bares Geld damit zu machen oder dies zu mindestens versucht wird. Jedes Jahr kann man in der Vorweihnachtszeit in den werbeabhängigen Medien das gleiche Spiel miterleben. Zu erst wird einem suggeriert, wie schleppend doch das Weihnachtsgeschäft anläuft, um dann auch direkt dahin überzugehen, wie gut es doch wieder läuft und das fast alle Menschen nun schon ihre Geschenke haben. Beides führt vor allem dazu die Menschen anzutreiben zu kaufen und damit den Konsum anzukurbeln. Im Regelfall hört man dann kurz vor dem Fest auch noch einen Experten der einräumt, wie zufrieden man mit den Umsätzen im betreffenden Jahr schon wieder war und das diese Umsätze auch diesmal wieder die Gesamtbilanz des Einzelhandels gerettet hätten. Das dies oft genug im Folgejahr nach unten korrigiert wird, geht dann in der Nachrichtenflut oftmals unter, denn solche Nachrichten machen, wie durch Zufall, keine großen Schlagzeilen.

Nun ist man aber im Moment in der vermeintlich heißen Jahreszeit und da muss man sich andere Wege einfallen lassen, um den Konsumenten das Geld, welches in ihren Taschen durch immer mehr Eigenverantwortung, wie man immer neue Belastungen durch den Staat so gerne nennt, immer weniger wird, auch noch abzulocken. Was liegt da näher, als ein Sommermärchen und so sollte es auch in 2011 mit der Frauenfußballweltmeisterschaft eins geben. Da die letzte Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land nun auch schon wieder fünf Jahre zurückliegt, erinnern sich die wenigsten daran, dass der Aufschwung, vor allem auch der nachhaltige, auf den man damals baute, fast gänzlich ausblieb. Nun hat Frauenfußball in Deutschland nicht den Stellenwert, wie der Fußball der Männer und so reichte schon ein Blick auf die Straßen in Deutschland, um den massiven Unterschied dieser beiden Veranstaltungen zu erkennen. Man muss an dieser Stelle auch erwähnen, dass natürlich die wirtschaftlichen Kennzahlen, die hier eine Rolle spielten, auch noch einmal ganz andere waren aber trotzdem brachte auch dieses Märchen nicht den Erfolg, den man sich erhofft hatte, wie zum Beispiel die Buchungszahlen aus dem Bereich der Hotels oder auch Nachfragen in der Gastronomie ergaben. Man merkt, dass all diese Suggestionen mit jeder Wiederholung schlechter funktionieren, vielleicht sollte man diesen Fakt auch irgendwann in der Wirtschaft realisieren.

Kein Interesse an der Wahrheit?
Das Wetter kann man nicht beeinflussen, man sollte es aber auch nicht immer als allgemeingültige Entschuldigung verwenden. So ist es in der Vorweihnachtszeit immer zu warm, was bedeutet, dass die Winterartikel nicht, wie gewünscht, laufen oder es ist zu kalt, was bedeutet, dass die Menschen gar nicht vor die Tür gehen und man den mangelnden Konsum damit erklärt. So kann man natürlich auch beim gescheiterten Sommermärchen 2011 wieder die Verantwortung auf das Wetter schieben aber man könnte es natürlich auch wirklich einfach einmal mit der Wahrheit versuchen aber scheinbar mangelt es hier an den wichtigen Stellen an Interesse. Wahrheit und Ehrlichkeit, gerade auch aus dem politischen Berlin, würden vielen Menschen mehr Sicherheit geben und viel zu ihrem Wohlbefinden beitragen. Wenn die Menschen wieder mehr Planungssicherheit hätten, nicht mehr ständig Angst um ihren Job oder ihre Bezahlung haben müssten oder sich fragen müssten, wo der Staat ihnen als nächstes in die Tasche greift, würde dies viel mehr bringen, als irgendein Märchen. So lange man die Bevölkerung aber weiter bangen lässt, wie man es auch sehr schön am Beispiel der Eurorettung erkennen kann, werden sie auch nicht in dem Maße konsumieren, wie man es sich für eine Frauenfußball-WM oder andere Events dieser Größenordnung wünscht und natürlich auch kalkuliert. Man sieht also sehr schön, warum dies wohl nicht die letzte wirtschaftliche Enttäuschung in diesem Kontext gewesen sein dürfte.

Nun haben die Kalkulationen solcher Großevents natürlich scheinbar auch immer etwas mit Zockerei zu tun, denn wenn man solide kalkulieren würde, würden wahrscheinlich viele Veranstaltungen gar nicht erst an den Start gehen, was dann übrigens rein kaufmännisch gesehen auch die einzig vernünftige Konsequenz wäre. Also scheint man doch oftmals das absolut beste Ergebnis solcher Events als Grundlage zu nehmen, was sich dann natürlich auch oft genug am Ende des Tages in negativen Bilanzergebnissen zeigt. Nun gibt es für diesen Fall noch immer den Bereich der Abschreibungen, allerdings sieht man auch schon seit langer Zeit die Folgen einer solchen Geschäftspolitik und diese ist für die Wirtschaft außerordentlich schlecht, wie die aktuelle Lage der westlichen Welt im Bereich der Wirtschaft zeigt. Man sieht sehr deutlich, wo hier der Hase im Pfeffer liegt aber trotzdem ist keine Besserung in Sicht und man kann davon ausgehen, dass so bald schon ein weiteres Wintermärchen kommen wird und die WM 2011 wird auch lange noch nicht das letzte Sommermärchen gewesen sein und so lange tanzt man weiter auf dem Vulkan des Kollaps der Währungsunion. Wie gefährlich dies ist, zeigt gerade erst das Beispiel der USA und auch hier spricht man vom Staatsbankrott, was bei den Meistern der Märchenwirtschaft auch niemanden irritieren sollte. Man sollte aber auch in Deutschland wieder mehr die Realität in den Vordergrund stellen und sich nicht so sehr auf Märchen verlassen, dann wäre ein erster kleiner Schritt hin zu einem besseren Wirtschaftssystem schon geschafft.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Der BALLacker » Ein großartiger Traum // 29. Jul 2011 at 00:15

    [...] dieser Volkssportart anging, kein großes Turnier gab. Aber auch das vielfach kommunizierte Sommermärchen im Zusammenhang mit der Frauenfußball-WM in Deutschland, blieb nicht ganz überraschend [...]

  • 2 Der BALLacker » Neid – FCB – Homophobie // 17. Jan 2014 at 07:08

    [...] Nadine Angerer, die Nationaltorhüterin, zur Weltfußballerin. Womit man konsequent dem Vermarktungswahn des Frauenfußballs weiter folgt, auch wenn der gewünschte kommerzielle Erfolg dort noch lange nicht erreicht [...]

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