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Die Wahrheit des Wortes

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Das Matriarchat hat Recht gesprochen – Aus für Fritzl

20. März 2009

Jahrhundertprozess, der Kerkermeister von Amstetten – so liest man über Josef Fritzl, der seine heute 42-jährige Tochter ihr halbes Leben lang eingesperrt und sich gehalten hat. Denn erstmals wurde in Österreich auch ein Urteil über Sklavenhandel ausgesprochen. Ist das jetzt einfach nur ein Einzelfall oder gar die Speerspitze einer verrohten Männergesellschaft?

Sextourismus gesellschaftsfähig. Wer kennt sie nicht, die Thailand Touristen. Und jeder von ihnen behauptet, nur wegen dem Land und der Entspannung dorthin zu fahren. Die Strände wären so schön. Und dann sitzt man plötzlich am Tisch mit einem derjenigen, der zum Kinderfick nach Thailand fährt. Josef Fritzl tat dies auch. Dann nämlich, wenn er seiner Tochter überdrüssig wurde. 3000 Vergewaltigungen werden ihm zur Last gelegt, für die er auch gestern verurteilt wurde. Das darf man sich so vorstellen, dass er rund zehn Mal pro Monat bei ihr im Keller auftauchte, mit eindeutigen Absichten. Dass ihm dabei die Konsequenzen egal waren, zeigt die Geburt von sieben Kindern als Folge dieses Inzest. Bestie im Mann, oder nur schwer gestört? Die Antwort auf die Frage darf man ruhig systemisch sehen.

Porno in jedem Schlafzimmer. Geben Sie doch mal die Begriffspaare “big cock” oder “geile titten” in die gängigen Suchmaschinen ein. Und schon sind Sie gefangen. Da stolpern Sie von einer Pornoseite in die andere hinein, wobei manche von diesen sich von selbst öffnen, sodass man nicht mehr auskommt. Eine Gesellschaft, die gelernt hat Erotik mit Pornografie gleichzusetzen, ist verroht. Denn diese Industrie boomt nach wie vor. Die USA mit ihrer Doppelmoral treibt es dabei sogar auf die Spitze. Wer Präsident werden will muss über einen makellosen Lebenslauf verfügen, überzeugter und bekennender Christ sein und dementsprechend mit seiner Sexualität umgehen. In TV-Serien sieht man seit Jahren das neue Ideal: Sex vor der Ehe, nein danke. Und gleichzeitig sind die USA der größte Pornoproduzent der Welt. Pornografie hat dabei immer etwas mit Gewalt gegen Frauen zu tun. Denn wo sieht man eine Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau?  Oder nehmen Sie wirklich an, dass der “Klapps” auf den Hintern einer Frau in einer solcher Filmszenen liebevoll gemeint ist? Man nimmt sich, was Mann gerade braucht. Roh und gefühllos, so kommen diese Bilder drüber. Und sie werden als normal bezeichnet, denn nicht umsonst greift Mann zu diesen Videos. Weil es normal ist, sich eine Frau zu nehmen: “Blond fickt gut!” Und Dunkelhaarige sind meistens “Schlampen, die Mann zurecht weist.” Seien wir uns doch ehrlich. In Zeiten des Internets gibt es solche Filme in jedem Haushalt. Genauso, wie die Beretta des Amokläufers von Winnenden im Schlafzimmer des Vaters lag.

Täter in uns selbst. Was hat das mit Fritzl und Amstetten zu tun? Da ist der ganze Ort von Entsetzen gebeutelt und spechtelt doch gerne ums Eck. Denn es kribbelt – wenn nicht zwischen den Beinen, dann im Bauch. Früher richtete man solche Täter öffentlich hin. Jetzt tun dies die Medien, Fritzl an den Pranger zu stellen. Und es ist gut so, denn erst seit den 70er Jahren wird über Gewalt in der Familie und gegen Frauen in Österreich öffentlich gesprochen und darüber diskutiert! So wie hier zum größten Teil Männer die Täter sind, so sind auch Großteils Männer Amokläufer. Da gibt es keinen Unterschied zwischen schießen und vergewaltigen. Schüsse sind das allemal.  Auch Fritzl lief Amok – auf sexuelle Art. Warum er sich gerade diese Tochter ausgesucht hatte, fragte man ihn? Na, weil sie Widerstand bot, und dies den Triumph seines dominierenden Selbst noch erhöhte. Frau, die Widerstand leistet – das Objekt der Begierde? Das ist krank und hat in einer Gesellschaft, welche die Menschenrechtskonvention anerkennt überhaupt nichts verloren.

Einzelfall ist das keiner. Hören Sie doch aufmerksam hin, wie über Frauen in Österreich am Wirtshaustisch und beim Bierzelt gesprochen wird! Zitate wollen wir ihnen hier mal ersparen. Und noch was, solange Frauen als Besitz und Gegenstand, zum Vorzeigen und Haushalt machen gut genug sind, wird sich auch an der Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber wenig ändern. Diese Grundeinstellung erkennt man an der Wortwahl jener, die sich dann mit der natürlichen Dominanz des Mannes, was ja Darwin angeblich schon begründet und bewiesen hat, herausreden wollen. Unsere Sprache verrät es auch, wie man in unserer Gesellschaft über Frauen denkt. Die Unzahl an Wörtern, mit denen  man Frau und weibliches Wesen beschreibt ist ungleich höher als für das männliche Pendant. “Frau, Weib, Hure, Schlampe, Mädchen, Blondine, Mutter, Tochter, Prostituierte,…” – “Mann, Junge, Bub, Sohn, und was dann?” Finden Sie auch kein sprachliches Pendant zu “Hure” oder “Schlampe”? Ach ja, da erinnert sich die Redakteurin an einen Ausspruch eines Einheimischen im Rahmen eines Straßenfestes. “Mir tut heut mein Glied so weh!”, brüllte der angetrunkene Mann laut durchs Geschäft. Die dort anwesenden Frauen versuchten dies zu überhören und kicherten. Selbst diesen war nicht bewusst, was hier abläuft, denn es scheint normal zu sein, dass Mann in diesem Land seine Sexualität offen hinaus schreit. Stellen Sie sich vor, als Frau laut durch die Gegend zu brüllen: “Mir tut heut meine Klitoris so weh!”

Fritzl hin, Fritzl her. In jedem steckt ein kleiner Fritzl. In jedem von uns, der sich einen Porno ansieht, der sexistische Witze über Frauen erzählt, der der Meinung ist, Frauen gehörten an den Herd und wären dafür bestens bestimmt, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. In jedem steckt er, dieser Bösewicht, der Respekt und Toleranz wohl nur von der Ferne und ein paar Bibelzitaten her kennt. Aufpassen dürfen jene, die sich hierin wiederfinden. Denn das Leben ist zynisch genug. Die Gewalttäter werden von denen gerichtet, denen sie Gewalt antaten. In diesem Fall war es eine RichterIN, eine StaatsanwältIN und eine PsychologIN. Gott sei Dank, denn wäre hier ein Mann dabei gewesen, hätte man daraus gar noch eine Art Kavaliersdelikt gemacht.

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Joey // 27. Mrz 2009 at 16:55

    Guter Gedanke – grundsätzlich. Aber leider eine schlechte Ausführung, polemisch und pauschalisierend.
    Es fehlt das explizite Statement im Artikel, das Frauen einfach die besseren Menschen sind. Vielleicht wollen Sie das ja noch ergänzen?

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