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Die Wahrheit des Wortes

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Das Mahnmal Mannichl

18. August 2011

Vor etwas mehr als zwei Monaten teilte das Bayerische Landeskriminalamt mit, dass die Ermittlungsakte im Fall Alois Mannichl vorläufig ohne Klärung des Falls geschlossen worden sei. Der Passauer Polizist Alois Mannichl wurde am 13.Dezember 2008 vor seinem Haus von einem bis zum heutigen Tage unbekannten Täter mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Laut seiner eigenen Aussage rief der Angreifer: `Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum`, bevor er mit dem Messer zustach. Als Hintergrund wurde umgehend ein Vorfall am Volkstrauertag auf dem Friedhof von Passau vermutet, denn hier hatte Mannichl angeblich, bei einer Veranstaltung zum Gedenken an die Kriegstoten, eine Grabplatte mit dem Fuß berührt. Am Folgetag veröffentlichte der Kreisverband der NPD auf seiner Internetseite einen verbalen Angriff auf den Polizeidirektor. Dieser lautete: `Verärgert stellte sich Mannichl auf eine Grabplatte gefallener Soldaten und trampelt mit seinen Schuhen auf einem Gedenkgesteck herum.` Ebenfalls an diesem 17. November, beantragte Mannichl per Einstweiliger Verfügung am Amtsgericht die Entfernung dieses Textes und sollte Recht bekommen. Daraufhin löschte die NPD diese Stelle umgehend. Mit dem Hintergrund dieses Beitrages im Internet wurde am 8. April 2009 ein hoher Funktionär der NPD aus Bayern wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe verurteilt. Das damalige Opfer sieht in dieser Veröffentlichung der NPD im Internet einen Tatauslöser.

Der Weg des geringsten Widerstands
Im Kontext dieser Sachlage aber auch durch weitere massive Einsätze gegen die rechtsextreme Szene in Passau und Umgebung, stand vor allem für die etablierten Massenmedien damals scheinbar sehr schnell fest, wo die Täter herkamen. Man verhielt sich hier von Seiten der Medien, wie das Wasser, denn dieses wählt auch immer den Weg des geringsten Widerstands. Es wurden Diskussionen laut, wie weit es nun schon mit der Bundesrepublik Deutschland gekommen sei, dass führende Polizeibeamte einfach so in ihrem privaten Umfeld so schwer angegriffen werden könnten und ähnliches. Man kann auch behaupten, dass hier ganz gezielt, auch durch Teile der Medien, eine gewisse politische Stimmung forciert wurde, die in diesem Fall nicht im Ansatz eine ausreichende Begründung hatte. Denn es dauerte nicht allzu lange bis Zweifel an einem rechtsradikalen Tathintergrund immer lauter wurden und es genau an dieser Stelle, auch bei den vorher so engagierten Medien, sehr ruhig wurde. Politische Unabhängigkeit sieht so mit Sicherheit nicht aus. Natürlich spielt bei einem solch spektakulären Kriminalfall auch immer die Gier nach Schlagzeilen und Quoten eine Rolle aber es bleibt auch der fade Beigeschmack gezielter politischer Einflussnahme, die auch soweit funktionierte, dass zum Beispiel ein Verbotsverfahren gegen die NPD plötzlich wieder ganz oben auf der Agenda stand.

Nun gibt es bis zum heutigen Tage viele Vermutungen, was die Tathintergründe angeht, von einer Beziehungstat bis hin zu Tätern aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität (OK). Alois Mannichl wurde nicht nur in verschiedenen Aktionen gegen die rechte Szene aktiv, sondern hatte auch dienstliche Berührungspunkte mit dem Bereich OK, was natürlich auch Täter von hier nicht als unmöglich erscheinen lässt. Im Gesamten sind dies aber auch nicht mehr, als die hier angemahnten, unbewiesenen Theorien. Fakten zur Klärung des Falles scheint es auch nicht allzu viele zu geben, denn ansonsten hätte man das Ermittlungsverfahren wohl kaum eingestellt. Nun mag es Menschen geben, die meinen all dies sei gar nicht so schlecht, so lange man damit Stimmung gegen die Rechte in Deutschland macht und solche Gedanken zeigen zum einen, dass man in solchen Kontexten nicht von wirklich freiheitlichem Gedankengut sprechen kann aber auch, dass hier nicht allzu weit gedacht wird. Denn unabhängig davon, wo der Täter nun tatsächlich zu suchen ist, könnte man Rechte damit bestärken, was man wohl durchaus als außerordentlich dumm einstufen müsste. Außerdem gilt auch hier noch immer die Unschuldsvermutung als Grundlage und diese sollte man egal wie niemals untergraben, denn dies könnte fatale Folgen haben, allein schon in diesem Zusammenhang, sollte der mysteriöse Fall Mannichl eine Mahnung sein.

Von Killern und Friedensnobelpreisträgern
Gerade erst wurde der Hauptverdächtige im Fall der grausamen Attentate vom 11. September 2001 getötet und hier verhält es sich vom Prinzip her ähnlich. Seit fast einem Jahrzehnt hetzen hier die Medien, in den meisten Fällen ohne jegliche rechtsstaatliche Urteile, gegen Personen, die in diesem Fall einer gewissen Religionsgemeinschaft angehören und schaffen damit eine Stimmung von Hass und Unverständnis gegen Anhänger genau dieser Glaubensrichtung. Da stört es dann scheinbar auch niemanden mehr, wenn US-Spezialeinheiten, die in diesem Kontext auch immer wieder, scheinbar sehr treffend, als Killerkommando bezeichnet wurden, in ein Land einfallen mit denen sich die USA nicht im Krieg befinden und dort einen unbewaffneten Verdächtigen einfach so erschießen. Auch zu solchen Aktionen, die dem Begriff des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten noch einmal einen ganz anderen Charakter geben, legt man mit einer solchen Auffassung von Journalismus den Grundstein, ohne scheinbar darüber nachzudenken, dass sich die Zielgruppen auch einmal verändern könnten und vielleicht überlegt sich dann irgendwann eine Regierung so gegen Journalisten vorzugehen. Man sieht hier deutlich, wo man das Risiko zu suchen hat und warum man mit Anschuldigungen, mögen sie auch im ersten Augenblick noch so plausibel erscheinen, sehr vorsichtig sein sollte. Barack Obama hat all dies übrigens, zu mindestens kurzfristig, sehr geholfen und nur die Wenigsten kommen hier auf die Idee seinen Friedensnobelpreis auch in diesem Kontext in Frage zu stellen, denn auch hier ist es in den Medien eher ruhig.

Die Folgen solcher, nun wirklich nicht als seriös zu bezeichnender Medienarbeit können aber noch sehr viel schlimmere Ausmaße annehmen. Gerade erst musste die Welt erleben, welche Nebenwirkungen ein permanent geschürter Hass gegen gewisse Gruppen haben kann. In Norwegen hinterließ der 32 Jahre alte Anders B. von der Hauptstadt Oslo bis auf die Ferieninsel Utoya eine Schneise des Zorns mit fast 80 Leichen, da er meinte den Westen vor der so oft in den Medien schon fast zelebrierten Gefahr durch die islamische Welt beschützen zu müssen. Man muss hoffen, dass so etwas eine schreckliche Ausnahme bleibt, sollte als Journalist, der in dieser Richtung arbeitet aber auch gewarnt sein, was die Folgen sein könnten. Das zynische, gerade auch an dieser schrecklichen Bluttat, ist, dass auch in den etablierten Massenmedien hier wieder genau diese vorurteilsbehaftete Art der Berichterstattung griff und kurz nachdem die Bombe im Osloer Regierungsviertel explodiert war, wieder einmal die klassischen Feindbilder ausgepackt wurden und Kontexte vom norwegischen Engagement in Afghanistan bis hin zur Beteiligung am Krieg in Libyen als mögliche Auslöser dieser Bluttat benannt wurden, was sich natürlich schon bald, als völlig gegenstandslos darstellen sollte. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass die, die solche Unwahrheiten verbreiten, auch in Zukunft wieder als Experten zu sehen sein werden und auch dann wieder ihr gefährliches Spiel mit dem Feuer durchführen. Man erkennt an diesen Fällen deutlich, warum sich auch im Bereich des Journalismus einiges ändern muss.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik

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