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Die Wahrheit des Wortes

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Das Leben in einer sternhageltollen Gesellschaft

20. November 2009

Leben wir nicht alle in einer sternhageltollen Gesellschaft, wo einfach nur alles perfekt ist? Man hat Produkte im Überfluss, alles ist preiswert, um nicht zu sagen schön billig und im Notfall findet sich immer noch ein Flecken auf dieser Erde auf welchen wir schauen können, um zu sagen, denen geht es doch noch viel schlechter. Es ist halt alles eine Frage der Ansprüche und des Blickwinkels. Vielleicht ist aber alles gar nicht so sternhageltoll, wie man es uns immer wieder versucht über die Medien klar zu machen, vielleicht sind wir alle einfach nur sternhagelvoll in diesem totalen Konsumrausch. Schließlich dreht sich die Spirale in der man mit immer weiter sinkenden Einkommen, immer mehr konsumieren muss, immer schneller. Service, Qualität oder gar Nachhaltigkeit, dies sind alles schöne Phrasen dieser Welt aber tatsächlich zählt davon am Ende des Tages kaum etwas.

Die Überraschung Weltwirtschaftskrise
Man hat die Jubelrufe noch deutlich in den Ohren, es war geschafft, die westliche Welt und ihr Kapitalismus hatte gesiegt. Der Kalte Krieg war zu Ende und damit endete auch die Zeit des Kommunismus und des Sozialismus. Bei all der Freude vergaß aber wohl der ein oder andere vermeintliche Experte sich wirklich im Detail mit den Auswüchsen des Kapitalismus zu beschäftigen und sich zu überlegen, wo dies die Menschheit hinführen würde. Produkte werden immer preiswerter, da es immer schneller neue Folgeprodukte gibt, die dann natürlich auch wieder konsumiert werden müssen aber was wird aus den Vorläufermodellen, die dann natürlich den Konsum des Folgeproduktes bremsen. Eine Möglichkeit ist die Werbung, die Medien sagen einem schon was man braucht und natürlich immer wieder vermeintlich neue, wichtige Technik. War noch vor einigen Wochen ein LCD oder Plasma-TV das A und O, kosten diese Geräte nun schon kaum noch etwas, denn nun muss es LED-Technik sein. Problem, wenn all die Waren so preiswert sind, muss man natürlich auch bei den Produktionskosten sparen, schließlich reden wir bei allem noch immer von der Wirtschaft und nicht von der Wohlfahrt. Also werden die Lohnkosten gedrückt und dies bedeutet egal welchen Hebel man nutzt, dass man am Ende des Tages weniger Kapital zur Verfügung hat.

Wie soll man sich in einer solchen Situation nur all das Neue beschaffen? Kein Problem, denn dafür gibt es schließlich die verschiedensten Finanzierungsmöglichkeiten. Also konsumiert man lustig auf Kredit. Natürlich müssen auch diese bedient werden, was ab einem gewissen Grad der Verschuldung nicht mehr funktioniert, an diesem Punkt platzt die Blase, wie zu letzt in den USA, als der Immobilienmarkt zusammenbrach. Von den Folgen waren fast alle Menschen überrascht und man verkaufte es als Immobilienkrise. Bald schon schlug diese auf die Finanzmärkte durch und man nannte es plötzlich Finanzkrise. Glücklicherweise betraf all dies nur die Amerikaner bis der Tag kam an dem Lehman Brothers in die Insolvenz abstürzte und plötzlich schaute man auch in Europa, in Deutschland völlig überrascht aus der Wäsche, denn dieser kleine Schneeball namens Immobilienkrise überrollt uns nun als eine Lawine die man längst Weltwirtschaftskrise nennt. Nun ist der Systemfehler so deutlich, dass ihn wohl auch ein Grundschüler verstehen würde, denn diese kreditbasierende Wirtschaft funktioniert auf lange Sicht nicht. Was tut man also nun in der Krise? Die Banken vergeben keine Gelder mehr, der Mittelstand stirbt, die Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft wird immer größer und dann kommt die Politik und schießt scheinbar ohne Grenzen Geld in die Märkte, natürlich wieder auf Kreditbasis. Irgendeine Stimme sagt einem da doch, dass auch diesmal alle überrascht sein werden, wenn der nächste Knall kommt.

Unbezahlte Praktikanten
Man hat zum Teil mittlerweile so oder so oftmals das Gefühl, als würde ein Großteil der Wirtschaft nur noch von unbezahlten Praktikanten gestemmt, wie motiviert solche Kräfte sind braucht man wohl kaum zu erklären. Diese These würde aber einiges erklären. Der vorletzte Redaktionslaptop, immerhin ein Markengerät von Acer, hielt acht Monate bevor er nun zum Service musste, da der Bildschirm so flackerte, dass ein arbeiten unmöglich wurde. Noch viel kürzer war da die Lebensdauer eines DVD-Players der bei dem Elektromarkt gekauft wurde, der im Moment völlig geizfrei mit einem Altrocker wirbt. Hier muss man einräumen, dass es kein Markengerät war, was zur Folge hatte, dass man bei der Reklamation auch gar nicht erst eine Reparatur angeboten bekam. Da es auch kein Ersatzgerät gab, hieß es Geld zurück und an dieser Stelle wurde es richtig spannend. Denn es gab immerhin noch knapp über 75 Prozent des Kaufpreises zurück, denn man legte einfach den letzten Verkaufspreis zu Grunde. Der so entstandene Verlust, wurde einfach nur damit kommentiert, dass man dafür dieses Gerät immerhin einige Monate nutzen konnte. Vielleicht sollte man solche Geräte dann demnächst einfach nicht mehr zum Verkauf, sondern zur Miete anbieten, dann weiß man als Kunde wo man dran ist.

Ein weiteres Beispiel aus dem gerade genannten Elektrohandel, diesmal geht es um eine externe Festplatte mit 1.000 Gigabyte, von der der Verkäufer beim Kauf noch sagte, dass es laut Testergebnissen im Moment im Preisleistungsvergleich nichts besseres gäbe. Beim Anschluss stellte man dann fest, dass das Netzkabel nicht funktionierte, also wieder zum umtauschen. Kein Problem der Fehler war schon bekannt, denn bei etlichen Geräten waren fehlerhafte Netzkabel mitverkauft worden. Es hatte den Anschein, als wolle man es aber erst austauschen, wenn der Kunde es bemängelt, was wohl bedeutet, dass noch viele Menschen diesen Weg gehen werden. Bei den Elektroeinkäufen unserer Redaktion in diesem Jahr kommen wir auf eine Quote von circa 80 Prozent an Mängel, auch dies sagt etwas über den Markt aus. Man fragt sich natürlich bei alldem auch, was in diesem Land eigentlich mit dem Verbraucherschutz ist, denn der wird hier scheinbar auch ganz bewusst, genauso wie Arbeitnehmerrechte oder ähnliches, mit den Füßen getreten. Von der Gratismentalität bis hin zum Verlust von Qualität und Service, wird es immer schwerer in diesem Land noch anständig zu arbeiten, auch dies gilt es festzuhalten. Persönlich ist es da nur ein schwacher Trost, dass es mit Sicherheit Flecken auf der Welt gibt, an denen alles noch schlimmer ist.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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