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Die Wahrheit des Wortes

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Das Land der trügerischen Sicherheit

2. August 2010

Deutschland verschläft immer wieder Innovationen, wie zum Beispiel die Hybridtechnologie. Da kommt natürlich die Frage auf, wie so etwas im Land der Dichter und Denker geschehen kann. Es liegt wohl in einem Wandel der Seele des Landes. Es hat sich ein Sicherheitsdenken breitgemacht, was schon lange weit über das Ziel hinaus geschossen ist. Ein wenig Sicherheit ist grundlegend nicht verkehrt, sofern es auf wirklicher Sicherheit basiert und es nicht nur um eine vermeintliche Sicherheit geht. Zu viel Sicherheit hemmt allerdings auch wieder Innovation und Fortschritt. Man sollte in Deutschland wieder mehr die Möglichkeiten und Chancen sehen, als sich ständig mit den vielen Faktoren, warum etwas scheitern könnte, auseinander zusetzen, denn dies ist der einzige Weg, um zurück zu alten Stärken zu finden. Dieser Prozess des Umdenkens muss im ganz kleinen, bei jedem Bürger genauso stattfinden, wie im Bereich der Finanzwelt und Wirtschaft, denn auch hier sucht man vielfach vergebens nach Risikokapital aber auch nach Risikobereitschaft.

Lebensversicherungen und staatliche Rente?
Man darf nicht unterschätzen was man für die Sicherheiten im Alltag auch alles bezahlt und sollte sich immer vor Augen halten, dass die meisten Sicherheiten, die man meint zu haben, oftmals nichts als der purer Schein sind. Es kann wohl keiner genau sagen wie viel staatliche Rente bei der heutigen demografischen Entwicklung es in 30 oder 40 Jahren noch geben wird. Es wäre nicht überraschend, wenn der Staat bis dahin so abgewirtschaftet wäre, dass es nur noch eine Grundsicherung geben würde mit der man gerade einmal überleben kann. Dann gibt es natürlich noch private Altersvorsorgemöglichkeiten, wie zum Beispiel Lebensversicherungen, aber auch hier gilt, dass niemand sagen kann, was einem solche Verträge im Alter bringen, denn hier lauert das böse Gespenst der Inflationen, welches die Kaufkraft der auszuzahlenden Summe ganz schnell ins bodenlose sinken lassen kann. Hier sieht man sehr schön, warum man auf diesem Gebiet nur von Scheinsicherheiten reden sollte. Ganz zu schweigen vom deutschen Gesundheitswesen, welches, wie die ständigen Reformversuche zu lasten der Beitragszahler auch immer wieder beweisen, eigentlich jetzt schon nicht mehr zu finanzieren ist.

Es gilt hier völlig neue Wege zu gehen. Man muss umdenken, um nicht in ein paar Jahren oder Jahrzehnten in die Armut abzurutschen, denn die alten Systeme sind nichts anderes mehr als Auslaufmodelle, nur hat man gerade seitens der Politik nicht den Mut dies offen zu sagen. Eine Möglichkeit ist es natürlich immer sich aus der Welt der Scheinsicherheit, des Angestelltentums zu verabschieden und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Davon abgesehen, dass dies natürlich nicht jedermanns Sache ist, kommt einem da natürlich Berlin auch vielfach in die Quere. Denn was in diesem Land an Verordnungen, Auflagen und anderen Highlights dieses Bürokratiemonsters Bundesrepublik Deutschland zu beachten ist, macht diesen Weg oftmals unmöglich. All dies geschieht natürlich nur im Namen der Sicherheit. Erstaunlich nur, wie genau man es bei kleinen Unternehmen nimmt und welche Fehler bei den Großen, von den Klimaanlagenproblemen bei der Deutschen Bahn AG bis hin zur Katastrophe bei der  Loveparade in Duisburg, alle passieren können. Auch hier sieht man, dass all dies nur zu einer Scheinsicherheit führt, die an vielen Stellen nicht hilft und an anderer Stelle blockiert.

Wie viele Millionen dürfen es denn sein?
Natürlich benötigt man für eine Unternehmensgründung auch Kapital und hier kommen die nächsten Schwierigkeiten auf, die Innovationsgeist, Unternehmertum und Eigenständigkeit verhindern. Sicherheitsdenken bei Großkonzernen scheint oftmals nicht allzu weit oben auf der Agenda zu stehen, denn anders wäre es wohl kaum zu erklären, wie es zur Weltwirtschaftskrise kommen konnte. Hier wird gezockt bis sich die Balken biegen. Geht es schief, scheint die einzige Frage der Banken zu sein, wie viele Millionen es denn diesmal sein dürfen. Sollte dieser Weg einmal verbaut sein, greift man im Notfall eben auf Steuergelder zurück und nennt es staatliche Rettung. Hätte man nur einen Bruchteil der hier verbrannten Milliarden in innovative und aufstrebende Unternehmen gesteckt, wäre Deutschland wahrscheinlich auch hier schon wieder einen Schritt weiter. Man hat teilweise das Gefühl, dass wenn man als kreativer Jungunternehmer 100.000 Euro Kapital benötigt, man 200.000 Euro als Sicherheit brauchen würde. Auf der Seite der Großindustrie hat man allerdings eher das Gefühl, dass die Mitgliedschaft im richtigen Golfclub reicht und Sicherheiten zweitrangig sind. Auch hier sieht man sehr schön, wie relativ der Begriff Sicherheit einzustufen ist.

Wenn einem aber nun weder die Banken noch die Politik hilft, sondern beide scheinbar nur noch abzocken, stellt sich die Frage, woher die Motivation kommen soll mit deutschen Banken zusammenzuarbeiten und dem deutschen Staat Steuern oder ähnliche Abgaben zu zahlen. Die Identifikation der Bürger mit dem bestehenden System geht so immer mehr verloren und es bildet sich eine immer größer werdende Subkultur, der Bereich der Schwarzarbeit wird immer größer und viele Menschen, die Deutschland bitter nötig hat, verlassen ganz einfach das Land, da ihre Chancen anderswo wesentlich besser sind. So blutet ein Staat mehr und mehr aus und die Folge dessen ist, dass noch mehr Sicherheit verschwindet und der Schein zerfällt immer mehr. Die Gesellschaft muss begreifen, dass ein zu großes Sicherheitsbedürfnisse genau das Falsche in der heutigen Situation ist. Mut und Eigeninitiative sind da nur einige Zauberworte. Man sollte nicht an Banken und den Staat glauben, sondern an sich selbst, an die eigenen Fähigkeiten, denn das wird am Ende des Tages das einzige sein, wo man sich wirklich drauf verlassen kann.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 2. Aug 2010 at 15:09

    Dem Hauptgedankengang schließe ich mich gerne an. Sicherheit gibt es – zumindest über längere Zeit – nicht. Die Welt ändert sich ständig und damit die Rahmenbedingungen für unser Leben und unsere Zukunft. Eigentlich ein guter Einstieg für einen Exkurs in die Evolutionstheorie … aber jetzt lieber nicht :-)

    Dass wir in Deutschland anscheinend weniger risikofreudig sind, als manch andere Nationen, ist wohl wahr. Weniger risikofreudig heißt immer auch, dass weniger Chancen gesehen und ergriffen werden können. Denn: Keine Chance ohne ein Risiko. Solange da ein gesundes Verhältnis herrscht, ist dies sicher eher eine Stärke als eine Schwäche.

    Es war allerdings über viele Jahre zu sehen, dass sich eine Technikfeindichkeit breit gemacht hat, die weit übertrieben schien. Eine Folge war ein Mangel an Interessenten für die Ingenieurswissenschaften und damit schließlich ein Mangel an Innovation. Ob allerdings so etwas wie ein Hybridantrieb eine erstrebenswerte Innovation ist, sei einmal dahingestellt. Aus meiner Sicht kann das höchstens eine Übergangstechnologie sein. Zwei Antriebstechnologien in ein Fahrzeug zu packen kann nicht wirklich wirtschaftlich sinnvoll sein.

    Tatsache ist aber, dass Deutschland einen starken industriellen Kern hat. Andere Länder können davon nur träumen. Der schnelle Umstieg auf (Finanz-)Dienstleistungen hat nicht jedem Land gut getan und wird auch längerfristig Folgen haben, da aufgegebene Märkte nicht mehr so leicht zurückgewonnen werden können.

    Was die Renten angeht kann man eigentlich in der Geschichte sehen, dass es keine längeren Phasen gab, wo so etwas funktioniert hätte. Es gab immer wieder Umbrüche. Das heutige System ist schon vom Design her nicht auf Dauer funktionsfähig. Das war wohl auch nie die Absicht. Es ging darum _gleich_ etwas zu bieten. Was später kommt, ist für Politiker nicht relevant. Das ist wiederum ein Problem für sich. Aber genau da hätten wir Bürger den Hebel in der Hand, wenn wir zumindest bei den Wahlen weniger auf kurzfristige (zweischneidige) Geschenke (bzw. Versprechungen) hören, sondern uns an unseren langfristigen Interessen orientieren würden. Interessanterweise lässt sich da zur Zeit eine positive Etwicklung verzeichnen (siehe Nicht-Akzeptanz der FDP Steuer-’Politik’).

    Es besteht also Hoffnung :-)

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