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Die Wahrheit des Wortes

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Das Jahr der Kirchen

16. Dezember 2010

Auch in diesem Jahr spielte das Thema Religion eine große Rolle in der gesellschaftlichen Entwicklung. Natürlich denkt jetzt jeder automatisch erst einmal wieder an den Islam und damit zwangsläufig wohl auch an Terror, obwohl für solche Kontexte in den meisten Fällen unabhängige Beweise noch immer ausstehen. Gerade erst konnte man in Deutschland erleben, wie hier die Angst in diesem Zusammenhang weiter ausgebaut wurde, um dann am Ende des Tages wieder ohne großartige Beweise oder Fakten dazustehen. Aber mit all dem wurde vielfach natürlich auch wieder von ganz anderen Problemen, die es auf dieser Erde, aber vor allem auch in Deutschland gibt, abgelenkt. Einige dieser massiven Probleme betrafen auch die Kirchen in Deutschland und hier reden wir von Problemen die klar und unabhängig belegt wurden aber trotzdem im Ranking der öffentlichen Wahrnehmung noch häufig hinter denen des Islam rangieren, was auch wieder gut zeigt, wie sich auch die Medien zum Teil noch immer für die Kirchen in Deutschland einsetzen.

Meister des Schweigens
Die moralische Instanz, Kirche in Deutschland zeigte im ablaufenden Jahr, was man dort am besten kann und zwar schweigen. Da war die Trunkenheitsfahrt von Margot Käßmann in Hannover, die durch das Überfahren einer roten Ampel auffiel. Hier blieb eine sehr spannende Frage bis zum jetzigen Zeitpunkt ungeklärt und zwar, wer mit im Wagen saß. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) stand lange Zeit im Verdacht. Es muss sich aber vor allem wohl tatsächlich um jemanden gehandelt haben, der schon für weitere Brisanz im Thema gesorgt hätte, denn sonst wäre das Schweigen an dieser Stelle wohl kaum so groß. Käßmann selbst nahm sich damit aus der medialen Schusslinie, dass sie sich so gut wie von allen Kirchenämtern erst einmal trennte. Natürlich ist dies ein legitimes Mittel und nachdem was geschehen war auch durchaus als angemessen zu deklarieren. Es gab aber auch in diesem Jahr noch viel größere Probleme, bei denen man allerdings nicht von einer angemessenen Reaktion reden kann, da es sie bis jetzt ganz einfach noch nicht gab.

Die katholische Kirche in Deutschland stand fast das gesamte Jahr 2010 unter Beschuss und in den allermeisten Fällen ging es hier bei um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Man muss sogar von einer gewissen Systematik sprechen und dafür kamen die Kirche verhältnismäßig günstig davon. Einer der Gründe für diese Fakten ist auch wieder das Schweigen, denn man sitzt den größten Teil dieser riesigen Skandalwelle bis zum heutigen Tag, mit einigermaßen Erfolg, einfach aus. Es wurden runde Tische und Hotlines ins Leben gerufen, die immer wieder einen Hauch von Engagement vermitteln sollten aber scheinbar auch nicht mehr. Wirkliche Fakten, die auf Reue oder ähnliches schließen lassen, gab es eigentlich so gut wie gar nicht, stattdessen hielt man immer wieder an Tätern fest bis es wirklich gar nicht mehr anders ging und reagierte dann auch noch verhältnismäßig milde. Wo man bei all dem noch von einem angemessenen Maß an Moral sprechen soll, kann man nicht erkennen und sollte an dieser Stelle wohl am besten schweigen

Das Land der Päpste
Nun ergab es sich nachdem Tod von Papst Johannes Paul II., dass sein Nachfolger aus Deutschland stammen sollte und somit natürlich gleich eine ganz Nation erst einmal zum Papst wurde. Viele sehen dies nach den Skandalen aus 2010 wahrscheinlich etwas differenzierter aber dies ist noch eine ganz andere Geschichte. Nun hätte natürlich auch der besagte Papst Benedikt XVI. das gesamte Jahr über immer wieder Chancen gehabt, sich aktiv und angemessen in dieses heikle Thema, des systematischen Missbrauchs einzumischen, vermied dies allerdings bis zum heutigen Tage und macht sich lieber als Oberschweiger einen Namen, was mit Sicherheit nichts Positives zu bedeuten hat und die Menschen noch mehr vom Vatikan abrücken lassen dürfte. Nun darf auch dies nicht wirklich überraschen, denn scheinbar hat der Heilige Vater wichtigeres zu tun als sich um die Moral in der katholischen Kirche in Deutschland zu kümmern. Ein weiterer Punkt der seine Schäfchen nicht glücklicher stimmen wird, vor allem auch da sich sein Schweigen nicht nur auf diesen Kontext beschränkt, was alleine schon schlimm genug wäre.

Im Land der vielen Päpste klafft die Schere zwischen den Armen und den Reichen immer weiter auseinander. Obwohl man immer wieder gesagt bekommt, das sich das Land in einem Aufschwung befindet, der angeblich durchaus als Wunder zu bezeichnen ist. Nur leider bekommen die meisten Mensch davon nichts mit, da sich Ausgaben zum Beispiel im Bereich der Gesundheitsversorgung immer weiter erhöhen und dies bei absinkenden Leistungen. Diese Liste der Ungerechtigkeiten könnte man jetzt unendlich fortsetzen aber darauf soll an dieser Stelle ganz bewusst verzichtet werden, denn es gibt eine wesentlich wichtigere Frage in diesem Zusammenhang und zwar, warum der Papst sich nicht zu mindestens hier klar positioniert. All diese Faktoren scheinen zu zeigen, wie weit sich Kirche in Deutschland von den bohrenden Fragen und Ängsten der Bürger entfernt hat. Da dies immer mehr Menschen verstehen, wundert es auch nicht, dass ein solches Verhalten mit massenhaften Kirchenaustritten quittiert wird, was auch durchaus legitim ist. All dies zeigt deutlich, warum es ganz klar ein Jahr der Kirchen war, allerdings eines, welches man sich hätte auch durchaus schenken können.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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