fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Das ist doch alles völlig krank

14. Juli 2009

Was ist völlig krank? Deutschland kann wohl kaum gemeint sein, denn die Krankenstände sind so niedrig, wie sie es noch nie waren. Vielleicht ist aber auch genau dies ein Symptom der Krankheit, welche sich ganz offensichtlich durch unser System frisst. Denn die Frage ist natürlich, ob die Deutschen nun plötzlich alle viel gesünder leben und deshalb weniger krank sind oder ob die Zahlen einfach nur der Ausdruck für den perfiden Überlebenskampf jedes einzelnen an seinem Arbeitsplatz sind. Die jüngsten Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium unter Leitung der Ministerin Ulla Schmidt (SPD) lassen wieder viel Raum für Spekulationen. Ganz anders sieht es da mit den Zahlen des Bundes der Steuerzahler aus, denn die besagen, dass alle seit dem heutigen Tag endlich Geld dafür bekommen,  dass sie täglich zur Arbeit gehen.

Gesamtwirtschaftliche Langzeitschäden unbekannt

Während man in Frankreich ganz andere Wege geht, um mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise, die auch dort unzählige Arbeitsplätze dahinrafft, klar zu kommen, sieht dies im Land der Dichter und Denker im Moment noch ganz anders aus. In der Nähe von Bordeaux drohen Mitarbeiter eines in der Pleite steckenden Automobilzulieferers damit das Werk, welches sie besetzt haben, zu sprengen, wenn sie nicht pro Mitarbeiter 30.000 Euro Abfindung bekommen. Hier in Deutschland sehen die Folgen anders aus, denn seit dem Jahr 1970 werden die Krankenstände statistisch erfasst und noch nie in all den Jahren waren sie so niedrig wie im ersten Halbjahr 2009. Es darf davon ausgegangen werden, dass auch dies eine klare Folge der Weltwirtschaftskrise ist. Auch wenn die Krise in den Medien gerne auf breiter Front verharmlost wird, werden ihre Folgen offensichtlich immer sichtbarer. Arbeitnehmer möchten scheinbar, wo es nur geht beweisen, dass sie für ihr Unternehmen unverzichtbar sind. Ein fataler Fehler. Denn auch dieses Verhalten zeigt letztendlich den Lenkern dieses gescheiterten Systems, dass sie trotzdem so weiter machen können wie bisher. Hier regiert die Angst, dies kennt man eigentlich meist nur aus totalitären Staaten, wie man sieht funktioniert es aber scheinbar auch in unserem Wirtschaftssystem. Allerdings scheint niemand die Folgen dieses Systems der Angst zu berücksichtigen, denn schon im Moment schafft es kaum noch jemand bis zum offiziellen Rentenalter zu arbeiten, die Depressionserkrankungen stiegen in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent an und dies sind nur einigen Folgen die das Wirtschaftssystem natürlich nachhaltig negativ beeinflussen werden, von den menschlichen Schicksalen einmal ganz abgesehen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt stellt natürlich ganz im Sinne seiner zu vertretenen Interessen fest, dass dieses System es gar nicht zu lassen würde, dass Menschen , wenn sie krank sind, zur Arbeit gehen würden. Eine sehr interessante, wenn natürlich auch stark lobbyistisch geprägte Aussage. Das Problem, welches sich hier zeigt, man hat bislang noch nicht ermittelt, welcher Krankenstand annähernd das realistische Gesundheitsbild der Republik zeigt. Vielleicht sorgt der steigende Druck am Arbeitsmarkt tatsächlich dazu, dass immer weniger Menschen `krankfeiern` und wir nähern uns im Moment einfach nur einem gesundheitlich gesehenen, realistischem Zustand an. Vielleicht ist es aber auch so, wie es viele Kritiker äußern und die Menschen gehen aus Angst tatsächlich arbeiten, obwohl sie dies aus medizinischer Sicht eher unterlassen sollten. Aber allein das dieser massive Druck da ist, zeigt wie stark die Krise auch das größte Land in der Europäischen Union (EU) erwischt hat. Dieser Druck, der hier durch die Wirtschaft auf die Gesellschaft ausgeübt wird, kann natürlich auch noch zur Erzielung ganz anderer Ziele benutzt werden, wie zum Beispiel Lohndumping. Die perfiden Spielarten scheinen schier endlos. Es zeichnet sich eine nachhaltig negative Entwicklung ab und natürlich wäre es eine Aufgabe der Politik dieser entgegen zu wirken aber bei genauerer Betrachtung geschieht dies nicht. Ganz im Gegenteil forciert sie die aktuellen Zustände durch ihr handeln auch noch. Wenn nun aber die Politik ihren Aufgaben nicht im Sinne des Volkes nachkommt und sich für die Bürger, die sie gewählt haben, einsetzt, entzieht sie sich somit auch einer argumentativen Grundlage im Kontext zu den Abgaben, die Menschen in diesem Staat zu leisten haben und auch diese werden immer höher.

Seit 8.42 Uhr ist es ihr Geld

Man glaubt es kaum, aber bis vor einigen Stunden haben viele Menschen in Deutschland nur für die Bundesrepublik gearbeitet. Denn der Bund der Steuerzahler hat mitgeteilt, dass rein rechnerisch 53,3 Prozent dessen, was in diesem Jahr erwirtschaftet wurde in Steuern und Sozialabgaben geflossen ist. Somit verdient man realistisch betrachtet in diesem Jahr noch einmal sechs Tage später, als noch im letzten Jahr, sein eigenes Geld. Eben ist beschrieben worden, dass der Staat natürlich durch sein Verhalten gegenüber der Wirtschaft an seinen eigenen Grundlagen sägt aber es ist nicht nur dieses Verhalten, was die Situation so fraglich macht. Wie beschrieben, steigt der Anteil an Ausgaben für den Staat immer weiter an, dem entgegen sinken allerdings ganz offensichtlich die Leistungen des Staates immer mehr ab. Mit der Agenda 2010 von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), für die übrigens auch der heutige Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) im großen Stil mitverantwortlich war, wurde die große Sense im Kontext der Sozialleistungen in der Bundesrepublik Deutschland ausgepackt. Natürlich ist nichts gegen einen schlanken Staat, in dem die Bürger mehr Verantwortung übernehmen, zu sagen aber nicht wenn auf der anderen Seite die Kosten ins uferlose anwachsen und immer mehr Gelder dazu verwendet werden, nun in der Wirtschaft für immer mehr Staat zu sorgen. Übertragen wir die letzten Zeilen einmal auf die Marktwirtschaft. Wie hoch wäre wohl das Ansehen eines Unternehmen, welches die Leistungen immer weiter absenkt und dafür immer höhere Preise verlangt? Wenn die Menschen dies berücksichtigen, haben sie gerade im Superwahljahr 2009 die Chance wirklich etwas zu verändern. Ansonsten sollte man sich nicht beschweren, wenn man demnächst erst ab August oder September sein eigenes Geld verdient.

Dieser Ausblick ist übrigens nicht der eines Pessimisten, sondern der eines Realisten. Realistisch stehen wir erst am Anfang von noch mehr Abgaben, da der Staat meinte sich durch die Unfähigkeiten der Wirtschaft historisch hoch verschulden zu müssen, wobei auch hier an einigen Stellen die Frage nach dem Sinn, wohl keine befriedigenden Antwort erbringen würde. Wenn man nur einmal die Milliarden an Neuverschuldung im vermeintlichen Zieljahr der Agenda 2010 nimmt, beweist dies nicht nur das Scheitern dieser Agenda, sondern zeigt auch ganz realistisch, wie groß das Problem ist. Zur Lösung gibt es letztendlich wohl nur zwei Ansätze. Zum einen könnten die Staatseinnahmen erhöht werden, man könnte vielleicht analog zur Kirchensteuer, so etwas wie eine Wirtschaftssteuer einführen, sollte dann aber wohl die Austrittsmöglichkeit, wie es sie bei der Kirche gibt, weglassen, da die Quote derer die nicht bezahlen würden ,sonst wohl noch rasanter anwachsen würde, als sie es im Kontext der Kirchensteuer schon tut. Unauffälliger und daher wesentlich praktikabler wäre da wohl eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die zweite Möglichkeit wäre die, dass man noch weitere Kosten einspart und hier gibt es natürlich noch viel Potenzial, denn man kann natürlich viele Leistungen für die Sozialschwachen und die Bedürftigen kürzen und auch so eine Menge Geld einsparen. Richtig, letzteres trägt ein gewisses Risiko inne, denn irgendwann dürfte auch hier die Belastungsgrenze in der Gesellschaft erreicht sein und sich die Situation ähnlich zu spitzen, wie im Moment in Frankreich oder in manchen anderen Ländern in Europa. Man sieht an diesen Zeilen, dass gerade die Bürger erst am Anfang der Krise stehen und das ständig zu verleugnen ist völlig krank.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Horst Musch // 19. Aug 2009 at 12:42

    Your blog really stands out from the crowd.

Schreib was dazu