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Die Wahrheit des Wortes

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Das gereizte Europa

27. Februar 2012

Es ist allgemein bekannt, dass man sich auch in Europa voll und ganz im Umbruch befindet. Dass dieser Umbruch bislang nichts Positives bedeutete, zeigt sich auch sehr deutlich daran, dass die Armut immer mehr anwächst und die Gesellschaft spaltet. Dieser Spaltungsprozess führt natürlich auch dazu, dass es zu immer mehr Gewalt auf den verschiedensten Ebenen kommt. Die bürgerkriegsähnlichen Bilder aus Athen fallen einem dabei genauso ein, wie dass man auch in Deutschland schon seit längerer Zeit von einer ganz neuen Qualität der Gewalt spricht. Die Zahlen im Bereich Gewalttaten mögen zwar in manchen Bereichen aus verschiedenen Gründen rückläufig sein aber die Härte mit der die Gewalt ausgeübt wird, erreicht ständig neue, unvorstellbare Dimensionen. In Deutschland kam es am vergangenen Wochenende einmal mehr zu schwersten Ausschreitungen beim Fußball. In Spanien bereitet sich der Staat auf zunehmende Demonstrationen, gerade auch von jüngeren Menschen, auf seine ganz eigene Art und Weise vor und diese Liste könnte man nun nach Belieben fortsetzen. Es zeigt sich deutlich, dass die Stimmung immer gereizter wird.

Schlagstöcke und Pfefferspray beim Fußball
Am vergangenen Wochenende stand der 23. Spieltag in der 1. Liga an und damit unter anderem auch das Rheinland-Pfalz-Derby zwischen dem FSV Mainz 05 und dem 1. FC Kaiserslautern. Die Mainzer schlugen die Lauterer souverän mit 4:0. Leider sollte dieses fußballerische Highlight direkt nach Abpfiff der Partie in den Hintergrund rücken, denn die rivalisierenden Fangruppen gingen in aller Härte aufeinander los. Die Polizei hatte doch einiges zu tun, um die Gruppen wieder zu trennen und hierbei wurden auch Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Bei diesen Ausschreitungen wurden wohl mindestens sechs Busse beschädigt. Ausschreitungen im Fußball sind nichts wirklich Neues, man erinnert sich noch an die Ausschreitungen in Frankfurt oder auch nachdem Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden. All dies zeigt aber auch auf, wie sich eine gewisse Art der Gewalt etabliert und auch der Umgang mit ihr, wirkt manchmal fast verständnisvoll, was sich gerade erst im Kontext der Krawalle der Dresdner in Dortmund zeigte.

Auch im Bereich des Fußballs und der damit verbundenen Gewalt scheinen sich wirtschaftliche Aspekte mehr und mehr durchzusetzen. In Folge der nicht wirklich überraschenden Ausschreitung beim BVB, nachdem Dynamo Dresden dort  im Pokal ausgeschieden war, wurde Dynamo für die nächste Pokalsaison gesperrt, was natürlich auch einen erheblichen finanziellen Verlust für den Traditionsverein aus dem Osten bedeutet hätte. Genau dieses Urteil wurde nun aufgehoben bzw. in ein finanziell wesentlich erträglicheres umgewandelt, so dass Dynamo doch auch beim nächsten Mal wieder dabei sein kann. Schaut man sich an, wer an solchen Ausschreitungen, wie den hier geschilderten, beteiligt ist, wird bald klar, dass man hier nicht vom Rande der Gesellschaft sprechen kann, wie man es so oft gerne versucht darzustellen. Es ist viel mehr so, dass man hier einen Querschnitt der Gesellschaft vorfindet, was natürlich belegt, wie sehr Gewaltbereitschaft, und auch Gewalt selbst, in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Dies ist natürlich wieder ein Indiz dafür, wie gereizt die Stimmung mittlerweile auch in Deutschland ist.

Ganz besondere staatliche Investitionen
Steigende Armut, Existenzangst und auch noch immer massiver werdender Leistungsdruck geht an den Betroffenen eben nicht spurlos vorbei und dies zeigt sich nicht nur in Deutschland. Gerade auch im Süden Europas hat man ein massives Problem mit der Arbeitslosigkeit und hier ist vor allem die Jugend betroffen, was man auch am Beispiel Spanien deutlich sieht. Die Menschen gehen auch dort immer mehr auf die Barrikaden, wie übrigens auch Papst Benedikt XVI. im letzten Jahr schon deutlich erfahren dürfte. Eine solch massive Problemlage, wie man sie in Spanien im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit vorfindet, führt natürlich auch dazu, dass hier auch immer wieder Schüler und Studenten auf die Straße gehen, um ihrer Zukunftsangst, ihrer Perspektivlosigkeit Luft zu machen. Die spanische Antwort auf solche Proteste ist eine ganz einfacher, man knüppelt sie einfach nieder, was schon an Bilder, wie die, die man immer wieder aus Russland geliefert bekommt, erinnert. Nur das der Protest, gegen ein solches Vorgehen der Staatsmacht, in der westlichen Welt bescheidener ausfällt, als wenn es außerhalb dieser raubtierkapitalistischen Welt geschieht. Eine Krähe hackt der anderen eben kein Auge aus.

Da sich der Abwärtstrend in Europa auch weiterhin fortsetzen wird, was man erkennt, wenn man die aktuellen Nachrichten einmal realistisch interpretiert, ist auch klar, was dies für die Stimmung in Europa bedeutet und dies hat wohl auch Spanien erkannt und so gerade erst für gut 1 Millionen Euro die Reizgasbestände aufgefüllt und neue Schlagstöcke geordert. Deeskalation sieht irgendwie anders aus.  Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Kurs der völligen Härte, auch schon gegen Schüler und Jugendliche, in ganz Europa etablieren wird oder ob man endlich auf Seiten der Politik bereit ist, sich auf die Seite der Mehrheit zu schlagen und sich nachhaltig für Aufschwung und gegen steigende Armut einsetzt. Alles andere wird nur zu einer immer weiteren Verschlechterung der Stimmung und zu immer mehr Eskalation führen und irgendwann wird man mit Reizgas und Schlagstöcken die Lage auch nicht mehr kontrollieren können. Paradox ist, wie massiv sich die westliche Welt dagegen einsetzt, wenn irgendwo außerhalb dieses Bereichs Aufstände niedergeknüppelt werden und es selbst, wenn auch in einem noch abgeschwächten Maßstab, in der Heimat zulässt. Wie gesagt, es ist bekannt, wo man die Lösung für eine friedlichere Zukunft findet und kann nur hoffen, dass sie genutzt wird.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » Was war das? // 27. Feb 2012 at 08:15

    [...] 05 gegen den 1. FC Kaiserslautern war eine kleine Überraschung, die leider auf Grund schwerer Randale nachdem Spiel, etwas in den Hintergrund trat. Mindestens ebenso überraschend war auch die Klarheit, mit der [...]

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