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Die Wahrheit des Wortes

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Das Geld des Westens?

29. August 2011

Die mit dem Geld haben immer das Sagen, so stellt es sich zu mindestens in der heutigen Form der globalisierten, raubtierkapitalistischen Weltordnung dar. In diesem Zusammenhang lohnt auch ein Blick in Richtung Libyen, wo gerade Milliardensummen im Spiel sind, die schon irgendwie auf den Westen gebucht werden sollen. Nun kommt natürlich die Frage auf, woher das Geld kommt, ist doch der Staatsbankrott in den USA eigentlich schon da und nur noch nicht verkündet und in der Eurozone stehen die Zeichen auch eher auf Untergang. Alles kein Problem, man finanziert das neue Libyen einfach mit dem Geld des alten Machthabers Muammar al-Gaddafi, den man auch noch immer Jagd. Nun ist das Einfrieren solcher Gelder, wie im Fall Gaddafi, durchaus umstritten und es sollte eigentlich auch die Frage sein, ob man sich aus westlicher Welt mit solchen Zahlungen wirklich auch nur im Ansatz irgendwelche Rechte erkaufen kann. Denn tatsächlich ist es doch viel mehr so, dass hier letztendlich nur Geld zurückgeführt wird, welches dem libyschen Volk so oder so zu stehen würde und damit wäre man weit entfernt von einer Wohltat der westlichen Allianz. Man darf also mit Spannung schauen, welche Rolle diese Zahlungen für die Zukunft Libyens tatsächlich noch haben werden und ob der Westen meint irgendwelche Bedingungen daran knüpfen zu können.

Neuer Kolonialismus?
Man wird in Libyen, wie letztendlich in der gesamten arabischen Welt, den Eindruck nicht los, als würden hier vom Westen her, ganz klare wirtschaftliche aber auch kulturelle Ziele verfolgt. Es scheint darum zu gehen, die arabische Welt doch irgendwie auf westlichen Kurs bringen zu wollen und dies, wie man an dem immer fragwürdiger werdenden Militäreinsatz in Libyen auch sieht, mit wirkliche allen Mitteln. All dies mutet in einer gewissen Weise natürlich wie eine neue Form des Kolonialismus an und damit ist man genau bei einem Vorwurf, den auch Muammar al-Gaddafi in diesen Tagen immer wieder wiederholt. Da man ihn aber systematisch in den letzten sechs Monaten, gerade auch in der westlichen Medienwelt, zerstört hat, ohne hier in der Tiefe erklären zu können, warum man gerade jetzt auf diese Art berichtet, die dem Westen und seinem Krieg in Libyen natürlich in die Hände gespielt hat. Wie Gaddafi tickt, war auch den Medienvertretern schon in den Jahren zuvor bekannt. Die wirkliche Zerstörung seiner Person, mit teilweise gerade auch journalistisch sehr fragwürdigen Mitteln, begann aber erst richtig, als es der Wirtschaft und der Politik des Westens passte. Da bleibt natürlich mehr als ein fader Beigeschmack im Kontext von wirklich unabhängigem Journalismus aber den muss man auch in der westlichen Welt grundsätzlich immer mehr in Frage stellen, da ist der arabische Frühling wirklich nur einer von vielen Bausteinen, was die Sache an sich aber natürlich auch kein Stück besser macht.

Hier werden im Moment vor allem vom Westen Fakten mit Bomben geschaffen und die Neuaufteilung der so entstehenden neue Märkte ist auch schon in vollem Gange. Wenn man sich die aktuellen Fakten, die sich dort jeden Tag aufs neue ergeben, ansieht, kommt doch die Frage auf, ob es ein humanitäre Einsatz ist, übrigens der einzige der legitimiert wäre oder ob es nicht doch viel mehr um die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen in einem mittelfristigen bzw. langfristigen Zeitrahmen geht und hierfür würde es nicht im Ansatz eine Legitimation geben. In etwas weniger als 14 Tagen ist der zehnte Jahrestag von 911 gekommen und in diesen zehn Jahren hat sich die Welt mindestens noch einmal genauso massiv verändert, wie zum Ende der 1980er als der Eiserne Vorhang fiel. Wenn man sich anschaut, was sich seitdem auf der Welt wirtschaftlich und geopolitisch alles getan hat, ist die Marschroute ganz klar zu erkennen. Auch wenn natürlich im Moment alle Augen auf Muammar al-Gaddafi gerichtet sind, was auch großen Sinn macht, schaut man sich auch seine besondere Rolle an, die er in Afrika und vor allem in der Afrikanischen Union (AU) gespielt hat und gewissermaßen auch noch immer spielt. Man sollte auch nicht vergessen, welches riesige Spielfeld hier aufgemacht wurde und man darf sehen, wenn man mit Libyen fertig ist, was sich dann als nächstes tun wird. Eine Option wäre wohl ein weiterer, so genannter, humanitärer Einsatz der westlichen Allianz, zum Beispiel in Syrien, denn auch hier ist der Geist der Westens ganz offensichtlich noch nicht ausreichend angekommen.

Ist Südafrika ein Schurkenstaat?
Man denkt natürlich immer gerne an all das Schlechte, was man aus der arabische Welt kennt bzw. in den hiesigen Medien präsentiert bekommt, da mit diesen Bildern natürlich zum Beispiel auch die Bomben in Libyen gerechtfertigt werden. Was man dabei gerne übersieht, ist, dass auch das System des Westen, gerade in seiner aktuellen Ausprägung, auch kein wirkliches Vorzeigesystem ist, denn es fördert vor allem die Armut und damit die Spaltung der Gesellschaft. Afrika hat vor neun Jahren einen großen Schritt unternommen, sich auch ein gewisses Stück selber zu organisieren und zu helfen, in dem man die AU gründete. Vor allem was die Finanzen dieser Union anging, war Gaddafi sehr stark engagiert. Nun ist es in solchen Unionen so, dass die, die das Geld geben auch eine besondere Rolle spielen, was man an manch einer Stelle auch von Ländern, wie zum Beispiel Deutschland oder Frankreich in der Europäischen Union (EU) behaupten kann. Das man seinen Geldgebern über die Maße hinaus Treue zeigt, ist auch nichts irritierend Neues. So verhält es sich aktuell auch mit der AU, wo Gaddafi nicht im Ansatz so abgeschrieben ist, wie bei seinen ehemaligen Freunden im Westen. Schaut man sich zum Beispiel den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma an, der verlauten ließ, dass die AU den libyschen Übergangsrat nicht anerkennt, zeigt sich, dass die Probleme des Westen nicht im Norden Afrikas enden, sondern das Fass, welches hier ganz offensichtlich geöffnet wurde, größer ist, als man dachte und vielleicht wird es schneller als man denkt zu einem Fass ohne Boden für die westliche Welt. Äußerungen, wie die des Südafrikaners Zuma, lösen gerade auch bei den deutschen Medien spannende Reflexe aus.

Kaum ging die gerade genannte Aussage über die weltweiten Ticker, kamen im Kontext zu Südafrika auch gleich Begriffe, wie zum Beispiel Nibelungentreue auf, man wartete eigentlich nur noch darauf, dass der Friedensnobelpreisträger und US-Präsident Barack Obama, ganz im Sinne seines Amtsvorgängers George W. Bush, diesen Staat als Schurkenstaat benannte. Es ist gerade einmal etwas mehr als ein Jahr her, da sah man Südafrika noch in einem ganz anderen Licht, es war die Zeit der ersten Fußballweltmeisterschaft auf dem schwarzen Kontinent. Nun kann man durchaus die Theorie aufstellen, dass der Versuch über ein großes Sportevent, einen gewissen Einfluss in Afrika zu erlangen und somit den Kontinent vom Süden her neu zu erobern, mit der WM 2010 fehlschlug, also geht man nun von Norden her auf eine andere, eher als unsportlich zu bezeichnende Art und Weise vor. Was vor allem stört, und dies bezieht sich explizit auf die etablierten Massenmedien, ist diese einheitliche Meinung ohne den geringsten Ansatz der Kritik, die dann auch noch genau mit den wirtschaftlichen Interessen der westlichen Welt übereinstimmt. Es geht hierbei nicht darum Gaddafi zu verteidigen und auch nicht darum zu behaupten, dass die Zustände in der arabischen Welt und letztendlich in weiten Teilen Afrikas nicht zum Himmel schreien, es geht aber darum, dass hier scheinbar ein Übel einfach so durch das nächste ersetzt werden soll und dies bringt die Menschen, um die es eigentlich gehen sollte, auch kein Stück weiter. Das System des Westens bringt auch nur einer Minderheit Vorteile und wie es auf dem Gebiet der großen westlichen Religion, dem Christentum aussieht, zeigen unter anderem auch die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, die mit so etwas, wie dem europäischen Sommer in Madrid beantwortet wurden. Ein bisschen mehr Unabhängigkeit darf es am Ende des Tages schon gerne sein und dies gilt auch für die Medien.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

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