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Die Wahrheit des Wortes

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Das Demonstrationsrecht von Kindern

26. April 2010

Demonstrationen sind in einer Demokratie ein sehr wichtiges Mittel um seine freie Meinung zu äußern. Menschen können sich so eine Plattform schaffen, sich Gehör verschaffen um sich für oder gegen etwas zu äußern. Aus diesem Grund sollte man diese hohe Gut des Rechtsstaates auch achten und pfleglich damit umgehen. Dies gilt natürlich für viele Bereiche die mit Demonstrationen zusammenhängen. So könnte man nun einen Artikel über die Menschen verfassen, die aus der reinen Lust an Gewalt zu Demonstrationen gehen oder man könnte darüber philosophieren, wo bei einer Demonstration die Legalität endet und Aktionen illegal werden aber um all dies soll es in diesem Artikel nicht gehen. Es geht viel mehr um die Frage, was davon zu halten ist, dass Kinder demonstrieren dürfen und dies auch immer wieder tun. Auf Anhieb klingt dies sehr provokant, dies soll es natürlich irgendwo auch sein aber das Ganze hat vor allem auch einen sehr ernsthaften Hintergrund über den man schon einmal nachdenken sollte.

Strafmündigkeit und Wahlrecht
In Deutschland dürfen Kinder nicht wählen und wenn sie noch keine 14 Jahre alt sind, sind sie auch noch nicht strafmündig. Diese Tatsachen schaffte der Gesetzgeber unter anderem, weil man Kindern noch nicht die geistigen Fähigkeiten zuspricht, die ein Mensch benötigt, um eine politische Entscheidung zu fällen bzw. eine Straftat mit vollem Wissen, dessen was man dort tut, begehen kann. Nun können Demonstrationen natürlich durchaus auch als Mittel der Meinungsbildung eingesetzt werden, hierbei ist dann natürlich zum Beispiel auch wichtig, wie viele Personen sich für oder gegen ein gewisses Anliegen einsetzen und hier ist es scheinbar ein immer wieder gerne genutztes Mittel eben auch Kinder dazu zu benutzen, dass die Masse der Demonstrationsteilnehmer größer wird. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, natürlich kann man nicht früh genug mit der politischen Erziehung des Nachwuchses beginnen und natürlich gibt man dabei auch erst einmal immer seine persönliche politische Meinung weiter, dies soll auch alles nicht in Frage gestellt werden. Es spricht auch nichts dagegen sein Kind schon früh mit zu einer Demonstration zu nehmen, sofern man dies aus sicherheitstechnischen Aspekten verantworten kann. Nur Kinder oder auch zum Teil Kleinkinder mit Plakaten auf denen tiefgreifende politische Statements stehen, sollte es nicht geben.

Vor einigen Wochen konnte man im WDR Bilder einer Demonstration, die im Kontext mit dem Neubau einer Mülldeponie im Bergischen Land zu tun hatte, sehen und auch hier sah man Kinder, die sich mit Plakaten engagierten. Man fragt sich nur, ob ein acht, zehn oder zwölf Jahre altes Kind überhaupt schon in der Lage ist sich über ein solch komplexes Thema, welches vom Umweltschutz über die Technik bis hin zu Bereichen der Politik und Wirtschaft erstreckt, die passenden Gedanken machen kann? Man darf in den meisten Fällen wohl voraussetzen, dass dem nicht so ist. Ordnungshalber muss man auch einräumen, dass es bestimmt auch einige erwachsene Menschen gibt, die für oder gegen Dinge demonstrieren die sie nicht vollumfänglich verstehen aber zum einen kann dies nicht als Entschuldigung für das scheinbare ausnutzen von Kindern auf Demonstrationen dienen und zum anderen kann man sich bei Erwachsenen im Regelfall darauf beziehen, dass man voraussetzen muss, dass sie wissen was sie tun und genau dies kann man eben bei Kindern nicht voraussetzen. Als Elternteil sollte man sich also gut überlegen, ob man seinen Kindern wirklich die eigene Meinung bei mangelndem Verständnis überstülpen möchte, nur um sich eine bessere Ausgangsposition für sein eigenes Anliegen zu verschaffen.

20 Jahre später
Täglich gibt es neue Nachrichten die erahnen lassen, wie weit man auch in Deutschland schon im Überwachungsstaat angelangt ist und auch das sollte man bei Demonstrationen im Auge behalten und zwar nicht nur für sich selbst, sondern eben auch für den Nachwuchs. Man stelle sich ein acht Jahre altes Kind vor mit einem Plakat gegen XY, es wird mit diesem Plakat fotografiert und im Internet verewigt und dieses Wort ist hier sehr wörtlich zu nehmen. Mit 28 Jahren, also 20 Jahre später, ist aus dem demonstrierenden Kind ein erwachsener Mensch auf Jobsuche geworden und ein möglicher Arbeitgeber recherchiert nun im Internet und findet das besagte Foto. Jetzt ist der Arbeitgeber allerdings ein Befürworter von XY und schon hat man ein Problem, welches man am Ende des Tages noch nicht einmal im Ansatz selber zu verantworten hat, weil man damals noch gar nicht soweit denken konnte. Viele Menschen mögen dies nun für eine gewagte These und für kaum möglich halten aber wer hätte vor über 20 Jahren, als die Mauer fiel, schon gedacht, dass die Erben der SED im Jahr 2010 schon wieder einen so großen politischen Einfluss in der Bundesrepublik Deutschland haben würden. Man sieht, manche Dinge werden schneller Realität, als sich selbst manch Erwachsener vorstellen kann.

Natürlich betreffen viele Demonstrationen, die in der Gegenwart stattfinden, Belange, die erst in der Zukunft wirklich relevant werden und damit natürlich auch gerade die Jüngsten im Land betreffen, auch dies ist ein Argument was von Befürwortern von Kinderdemonstranten gerne angebracht wird. Allerdings muss man sagen, dass man noch gar nicht weiß, welche Meinung ein Kind in der Zukunft zu den einzelnen Themen haben wird. Vielleicht lässt man das Kind jetzt gegen die Hartz-Gesetze kämpfen und später ist der Nachwuchs ein überzeugter Raubtierkapitalist. Außerdem könnte man über dieses Argument auch gleich Kindersoldaten rechtfertigen und sagen sie kämpfen dafür, dass es ihnen später in ihrem Land einmal besser geht und auf diesen Einfall dürfte wohl kaum jemand kommen. Man sieht ganz eindeutig, wie kompliziert dieses Thema ist und man muss auch hier immer berücksichtigen, dass der Schutz des Kindes ganz weit oben stehen muss und dies gilt auch noch vor den eigenen Interessen der Erwachsenen, mögen sie aus der eigenen, momentanen Sicht auch noch so gut sein. Die schönste Lösung wäre, wie bei so vielen anderen Problemen auch, die Einsicht. Denn am Ende des Tages liegt es an den Eltern, wie sie mit diesem ganz speziellen Thema umgehen. Es ist eine Frage von Verantwortungsbewusstsein und jeder der dieses bei anderen Menschen einfordert, sollte es auch selber an den Tag legen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik

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