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Die Wahrheit des Wortes

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Das Beispiel Spanien

7. Dezember 2010

Wilde Streiks sind illegal. Dies gilt in Spanien ebenso, wie in Deutschland auch aber man fragt sich natürlich manchmal auch, wie sich Arbeitnehmer in der heutigen Zeit überhaupt noch angemessen wehren können, wenn es zum Beispiel um Lohnkürzungen und ähnliches geht. Natürlich muss man zum wilden Streik der spanischen Fluglotsen am letzten Wochenende auch einräumen, dass die Fluglotsen dort zu den Topverdiener, auf diesem Gebiet, in Europa zählen aber man fragt sich auch, ob ihnen dies gleich auch das Recht auf Arbeitskampf bei Lohnkürzung entzieht? Das aber wohl interessanteste Detail sind die Auswirkungen dieses Streiks, der Spanien an einem Hauptreisewochenende mit zwei Feiertagen traf. Seitdem Ende der Franco-Diktatur wurde nämlich zum ersten Mal der Notstand ausgerufen und dies hat besondere Konsequenzen, dessen Androhungen wohl auch halfen, dass dieser Streik auch ganz schnell wieder beendet war. Nun steht den Streikenden wohl noch einiges an Ärger bevor und man darf gespannt sein, wie sich all dies weiterentwickelt und zwar in Spanien aber auch im Rest Europas.

Ein Zukunftsmodell?
Spanien gilt als einer der Kandidaten, der den Euro und damit letztendlich auch die Europäische Union (EU) in den Abgrund stürzen könnte. Hier muss natürlich die Frage erlaubt sein, wie gut ein Staatensystem überhaupt aufgebaut wurde, welches eine solche Option plötzlich und angeblich recht überraschend überhaupt zulässt. Natürlich nennt man so etwas wieder eine pessimistische Einstellung aber so nannte man die Einschätzungen auch im Kontext zu Irland, bevor sie nachdem Rettungsschirm griffen und die Realität bewies auch hier wieder, dass es nicht um Pessimismus, sondern um Realismus ging. Der spanische Fluglotsenstreik vom Wochenende schädigte natürlich die spanische Wirtschaft massiv, was in dieser Zeit Gift für Spanien ist. Deshalb aber nun gleich mit dem Militärgericht zu drohen, wirkt natürlich für eine Demokratie in der Mitte Europas, eher befremdlich und erinnert an die Franco-Diktatur. Auch hier stellt sich die Frage, wie demokratisch und stabil ist Europa im Moment noch, dass man scheinbar zu solchen Mitteln greifen muss, um Probleme zu lösen.

Man sieht auch am Beispiel Spanien sehr schön, dass immer mehr Staatshaushalte auf Grund marode gerechneter Unternehmen in die Pleite geraten können. Diese Pleiten sollen dann scheinbar nur durch Kürzung bei den Arbeitnehmer verhindert werden. Wehrt man sich dagegen, droht das Militärgericht. Wird dies nun ein Zukunftsmodell? Dann sollte man sich wohl auf harte Zeiten in Europa einstellen, denn auch jetzt ist schon klar, dass solch massive Einschüchterungsversuche nur kurzfristig Wirkung zeigen werden und der so aufkommende Zorn in der Mitte der Gesellschaft immer und immer größer wird. Zum Teil kann man diesen dann mit gut gesteuerter PR-Arbeit im Bereich der Politik und Wirtschaft in den Massenmedien versuchen in den Griff zu bekommen aber auch hier begreifen die Menschen immer mehr, was ihnen vorgegaukelt wird. Dies macht es auch den etablierten Massenmedien immer schwerer ihre vermeintlichen News, die sie scheinbar direkt aus der Politik und der Wirtschaft geliefert bekommen und ungeprüft verbreiten, der breiten Masse noch zu übermitteln. Hier stellt sich natürlich auch die Frage, was dies noch mit Journalismus zu tun hat.

Was kommt nach Spanien?
Dieser GAU in der Tourismusbranche, der Spanien gerade überrollte, könnte natürlich von raubtierkapitalistischen Zockern dafür genutzt werden, die Wetten mit denen man gerade erst Griechenland und Irland versenkt hat und Portugal mehr als angezählt hat, nun auch gegen Spanien zu platzieren. Auch wenn man in deutschen Medien oft meint von fernen Problemen schreiben zu müssen, müsste man dann wohl spätestens auf Grund des Haftungsrisikos auch anfangen sich noch mehr Sorgen um Deutschland zu machen, denn hier haftet man für all das und spätestens bei Spanien dürfte es auch für unser Land richtig finster aussehen. Man darf dann gespannt sein, was die moderierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu sagt. Natürlich kann all dies dem Wunderaufschwung, der diesem Land laut Bundesregierung bevorsteht oder in dem wir uns alle gerade befinden, kaum schaden, darf man meinen, folgt man den Lobeshymnen zum vermeintlichen Ende der Krise. Dem gegenüber steht natürlich die Sicherheit in der sich der keltische Tiger oder auch Spanien bis vor einigen Wochen oder Monaten auch noch befunden hat.

All dies kann man den Völkern in Europa nicht mehr verkaufen. Diese Vereinzelung von Problemen in einer globalisierten Welt funktioniert nicht mehr. In Großbritannien gehen die Massen auch die Strasse, in Frankreich gehört dies so oder so fast schon zum Alttag, Griechenland brennt schon länger und selbst im sonst so ruhigen Deutschland bewegen sich immer mehr Menschen und dies obwohl der groß angekündigte Gewerkschaftskampf in diesem Herbst bislang, fast schon erwartungsgemäß, wieder einmal ausblieb. Aber selbst wenn die Gewerkschaften in diesem Land, wie aber auch zum Beispiel die Kirchen in Deutschland und vor allem auch der deutsche Papst Benedikt XVI. es nicht für nötig halten endlich einmal in einem der Situation angemessenen Maß zu reagieren oder Statements abzugeben, ist der Ruck der endlich auch durch die deutsche Gesellschaft geht nicht mehr aufzuhalten. Ein Fakt, der den vermeintlichen Eliten und Experten in Deutschland aber auch im Rest Europas wohl kaum schmecken dürfte aber letztendlich haben sie erst dafür gesorgt, dass es soweit kommen musste. Ob sich Szenen, wie aktuell in Spanien, in Europa ausweiten werden, hängt nun davon ab, ob endlich eine nachhaltige Veränderung eintritt oder nicht.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Engelbert Wefers // 10. Dez 2010 at 13:37

    Selbst bei einer sozialistischen Regierung in Spanien sind Gedanken an einen Polizeistaat nicht bei Seite zu schieben. Auch wenn in Spanien der Ausnahmezustand für den Flugverkehr von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde, zeigt sich darin nur, dass demokratisches Denken nicht angesagt ist. Die Militarisierung der Fluglotsen ist ein faschistoider Akt. Demokratische Lösungen sehen anders aus. Auf der anderen Seite gilt in Spanien nur ein Grundsatz: Schmarotzen vom deutschen Finanztisch bedeutet, dass Deutschand solidarisch ist. Behandeln wir aber Staaten als gleichwertig und fordern von ihnen, was wir uns selbst abverlangen, sind wir unsolidarisch und schlechte Europäer. Europa ist nur so lange attraktiv, wie Deutschland bezahlt. In Spanien sind die Renten in den letzen 8 Jahren von zum Beispiel 650 Euro auf 980 Euro gestiegen. Der Inflationsausgleich ist gesetzlich verankert. Wer zahlt das? Spanien jedenfalls nicht, woher auch.

    Aus Salamanca/Spanien

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