fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

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Darf es ein bisschen weniger sein

7. April 2009

Eigentlich kennen wir eher das Motto: `Darf es ein bisschen mehr sein` aber in Zeiten der Weltwirtschaftskrise klingt weniger irgendwie passender. Ab dem 11. April 2009 tritt eine neue Verpackungsverordnung der EU in Kraft, die einer völligen Auflösung der Verpackungsnormen gleichkommt. Dies ist das Ende eines Reformprozesses der schon im Jahr 2000 begann. Natürlich geschieht dies alles nur im Sinne der Bürger des vereinigten Europas, also ganz wie man es auch schon von anderen EU-Beschlüssen kennt. Natürlich ist dies pure Ironie, denn mit ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit, stellt man schnell fest, dass es so ganz und gar nicht ist. Es ist ein weiterer, scheinbar von den großen Wirtschaftslobbyisten forcierter, Angriff auf die Geldbörsen des europäischen Volkes. Es ist wieder ein Mal einer dieser Verordnungen, die das Interesse an der EU in der Bevölkerung sinken lassen wird, denn Politik für die Bürger sieht so nicht aus. Aber um was geht es genau?

Weniger Inhalt zum gleichen Preis

Wenn man heute Milch braucht, kauft man einfach einen Liter Milch im Supermarkt. Diesen Liter Milch kann man dann ganz einfach mit einem anderen Liter Milch über den Preis vergleichen, da es eben beide Male ein genormter Liter Milch ist. Damit dürfte es bald schon vorbei sein, denn ab Mitte April fällt diese Norm weg und dies bedeutet, man kann demnächst zum Beispiel auch 978 ml Milch anbieten oder auch einfach 998 ml. Dies macht einen Preisvergleich natürlich erst ein Mal komplizierter. Natürlich müssen im Regal die Literpreise weiterhin ausgewiesen werden, wie es auch heute schon bei Waren ist, die schon früher aus dieser Norm gefallen sind. fairschreiben.de machte den Praxistest und es wurde klar, dass es zum einen im Wirrwarr der Preisschilder, oftmals sehr kompliziert ist den Vergleichspreis zu finden und zum anderen, dass sich die meisten Menschen eben nicht an den tatsächlichen Maßeinheiten orientieren, sondern an der Verpackungsgröße. Wenn man nun aber keine Norm mehr für die Verpackungsgröße hat, kann man natürlich beliebig mit der Verpackung manipulieren und so weniger verkaufen, als der Kunde ahnt. Hier muss man davon ausgehen, dass dies oftmals völlig ohne bzw. mit einer im Verhältnis für den Konsumenten negativen Preisentwicklung geschieht. So kann dann ganz schnell aus mehr eben weniger werden.

Die Menge macht es, denn als Produzent von Massenwaren, reichen schon wenige Gramm oder Milliliter aus, um über hohe Stückzahlen große Gewinne zu lasten des Kunden zu erwirtschaften. Selbst wenn dem Kunden später etwas auffällt, dürfte es sich meistens in einer Größenordnung abspielen, wo sich der Kunde erst ein Mal nicht über ein paar Gramm oder Milliliter aufregt. Aber auch hier macht es die Masse, denn wenn man als Kunde bei jedem Einkauf einige Milliliter bzw. Gramm und damit letztendlich Cents verliert, schlägt sich dies natürlich negativ in der Geldbörse nieder. Natürlich gibt es Experten, wie Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), der von einer großen Errungenschaft für die Konsumenten spricht. Natürlich tut er dies, denn letztendlich vertritt der HDE genau die Unternehmer und Unternehmen, die später wohl die tatsächlichen Gewinner dieser Reform sein werden. Fakt ist, dass diese Aufhebung der Verpackungsnorm, den Preisvergleich für den Kunden unnötig erschwert und dies zu weniger Transparenz am Markt führt, sich also genau im Gegensatz zu dem verhält, was viele bislang forderten. Allein schon diese verhältnismäßig kleine Reform der EU, zeigt warum dieser Staatenbund in Europa immer mehr in ein negatives Licht gerückt wird.

Alles was man braucht

Die Lobeshymnen auf diese Reform sind doch bemerkenswert, denn es werden vermeintliche Tatsachen verbreitet, die es sowohl eher gar nicht geben wird. Da ist die Rede von Verbraucherfreundlichkeit. In diesem Fall müsste dies bedeuten, dass der Handel sich auf Grund der nicht mehr vorhandenen Verpackungsnormen, eher auf die Bedürfnisse des Kunden einstellen kann. Dies würde bedeuten, wenn Person A 978 ml Mich braucht, bekommt Person A sie genauso so gut, wie die 998 ml Milch die Person B benötigt. Diese Art der Verbraucherfreundlichkeit würde bedeuten, dass es in den Supermärkten demnächst Milchzapfanlagen gibt an denen sich jeder Kunde millilitergenau, die für ihn nötige Milchmenge abfüllen könnte und dies zu einem Milliliterpreis, der genau vergleichbar wäre. Dies wird wohl nicht geschehen. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass es irgendwelche Verbraucherstudien der Herstellerfirmen geben wird, die einem dann, völlig ungenormt, erklären was der genau passende Bedarf ist. Nur Träumer können davon ausgehen, dass hier die Gewinnstrategien der einzelnen Firmen, hinter den Wünschen der Kunden kommen. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass es hier wohl zu einer schleichenden, gut getarnten Preissteigerung kommen wird, die dann wieder die gesamte Gesellschaft belasten wird. Womit man auch diese Reform als guten Erfolg der Lobbyisten verbuchen muss.

Es gibt in der EU unzählige Bürokratiemonster deren Lebenselixier irgendwelche, oftmals ziemlich sinnfreien, Normen sind, allerdings scheinen diese unantastbar. Gibt es allerdings so etwas, wie diese Verpackungsnorm, die den Kunden vor den gerade geschilderten Nachteilen schützt, fällt diese und das im Namen des Bürokratieabbaus. Natürlich kann man auch so etwas als weniger Bevormundung durch den Staat feiern, die Frage ist nur, ob eine noch massivere Bevormundung durch die Wirtschaft, die so entstehen wird, wirklich soviel besser für den Verbraucher ist. Man muss wohl davon ausgehen, dass der Schutz des Verbrauchers, wie an so vielen anderen Stellen auch, wieder ein Mal dem Vertriebsinteresse, dem Gewinnbestreben einiger mächtiger Firmen weichen muss. Ein solcher Kurs gegen die Konsumenten, gegen die Bevölkerung, führt natürlich zu einem immer größer werdenden Desinteresse an der EU, was natürlich gerade auch kurz vor einer anstehenden Europawahl nicht im Sinne der Politik sein sollte. Warum sollten Menschen aber etwas unterstützen, von dem klar zu sein scheint, dass es ihnen mehr schadet als das es Vorteile bietet. So wird sich die EU weiterhin auf dem Holzweg bewegen und irgendwann ein Staatenbund losgelöst von der eigenen Bevölkerung sein und dies kann eigentlich nicht das Interesse einer nachhaltigen Europapolitik sein.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Kranker Pfleger // 10. Apr 2009 at 01:09

    Irgendwie werden wir von vorne bis hinten beschissen, und die Bürokratie hilft auch noch dabei kräftig mit. Und wirklich alles wird amtlich geregelt. Demnächst kommt sicher ein Gesetz, welches das Ablassen von Darmwinden in der Öffentlichkeit reguliert.

Schreib was dazu