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Die Wahrheit des Wortes

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Da wird ihr Geld vernichtet

30. September 2008

Die deutschen Banken sind sicher und solide. Dieses Märchen wird seit Wochen in den Medien verbreitet. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass in Deutschland die Auswirkungen der Finanzkrise gering bleiben würden. Das Ziel dieser Medienoffensive liegt natürlich auf der Hand, denn würden die Bürger im Land beginnen ihr Geld zu sichern, also von den Banken abziehen, würde dies die Bankenkrise weiter vorantreiben. Im Klartext bedeutet dies, dass der Durchschnittsbankkunde im Moment dafür sorgt, dass in Deutschland nichts Schlimmeres passiert. Als Dank dafür, wird er später an verschiedenen Stellen dafür bezahlen dürfen. So funktioniert das System und eine Änderung ist scheinbar auch nicht in Sicht, denn alle spielen mit. Es sollte nur später niemand sagen können, dass konnte ich nicht wissen.

Die viertgrößte deutsche Bank ist am Ende

Nicht zum ersten Mal warnt fairschreiben.de vor den Risiken für den deutschen Markt und stellt sich damit gegen Experten, wie zum Beispiel Prof. Dr. Wolfgang Gerke, der in der ARD am heutigen Tag sogar von Einstiegspreisen sprach. Es sind solche Berufsoptimisten, Experten und Eliten die nicht ganz unschuldig an dieser Krise sind. Es sind Broker an der Wall Street, die Millionen versenken und dann auch noch die Arroganz besitzen, darauf hinzuweisen, dass man auch dem kleinen Mann helfen muss. Aber vielleicht ist dies auch nur die Angst davor bald selbst ein kleiner Mann zu sein. Denn das amerikanische Repräsentantenhaus lehnte gestern das 700 Milliarden Dollar Rettungspaket für den US-Finanzmarkt erst ein Mal ab.205 Abgeordnete stimmten dem Paket zu aber 228 waren dagegen. Auch Politiker sind wie die Broker eben erfolgsorientiert, politisch bedeutet dies, dass auch sie am 4. November wieder gewählt werden möchten. An der Stelle hilft es wirklich niemand, dass selbst George W. Bush schwer enttäuscht war. Die Reaktion auf diese Kongressentscheidung kam umgehend. Der amerikanische Leitindex Dow Jones verlor mit mehr als 770 Punkten, also fast 7% so viel an Wert, wie noch nie in seiner Geschichte. Die Technologiewerte brachen um fast 11 % ein. Dies dürfte den einen oder anderen Broker wohl den Job gekostet haben.

Aber, wie zu Beginn erwähnt, dass sind die amerikanischen Märkte und mit denen kann man gerade auch das solide Privatkundengeschäft in Deutschland nicht vergleichen. Es sei nur am Rande erwähnt, dass Wachovia, die viertgrößte Bank in den USA, gerade in einem Notverkauf seine Privatkundensparte an die Citigroup veräußerte. Aber bleiben wir in Deutschland. Da waren die Pleiten von der Weserbank bis zur IKB, die gerne als kleine Randunfälle verkauft wurden und trotzdem hieß es, gerade die großen deutschen Banken seien sicher. Entweder diese Aussagen waren gelogen, um das Volk aus den oben genannten Gründen zu beruhigen oder man meinte mit großen deutschen Banken nur die ersten drei. Denn seitdem Wochenende ist auch die viertgrößte deutsche Bank, die Münchener Hypo Real Estate (HRE), vom Aus bedroht. Sie wird nun mit einer 35 Milliarden Euro Bürgschaft, von der alleine der Bund 26,5 Milliarden Euro übernimmt, erst ein Mal gestützt und so vielleicht gerettet. Hoffen wir ein Mal, dass dieser Plan besser funktioniert als manch anderer. Fakt ist und dies sollte langsam auch dem letzten klar werden, die Einschläge rücken näher und näher. Fakt ist aber ebenfalls auch, dass all die Gelder von der IKB-Krise über die Fehler bei der KfW bis hin zu einem nicht auszuschließenden Bürgschaftsverlust von 26,5 Milliarden Euro über kurz oder lang als Steuerlast oder ähnliches auf diese Gesellschaft zukommt.

Abfindungen für gescheiterte Eliten

Noch vor einigen Tagen vernichtet die KfW im Kontext zur Pleite der amerikanischen Lehman Brothers Millionen von Euros. Auch diesen Betrag versuchte man den Menschen tagelang zu verdunkeln, um dann in kleinen Stücken der Wahrheit, also dem tatsächlichen Verlust von fast 600 Millionen Euro, näher zu kommen. Der Verlust blieb natürlich nicht ohne Konsequenzen, so wurden nun zwei Mitarbeiter der Führungsebene fristlos gekündigt. Vielleicht erfährt man irgendwann ein Mal, ob der Vertrag für diesen Fall eine Abfindung vorgesehen hatte und wie viel die Herren nun erhalten werden. Erstaunlich in diesem Gesamtkontext ist natürlich auch, dass es angeblich doch ein technischer Fehler gewesen sein sollte und sich dann die Frage stellt, warum sich plötzlich doch Menschen verantworten müssen? Auch an diesen Aspekten sieht man sehr schön, für wie dumm man hier die Bevölkerung verkaufen will. Aber genau diesen Menschen, die einem diese Fehlinformationen gegeben haben, soll man nun vertrauen, wenn sie einem erklären, wie sicher die Finanzsysteme in Deutschland sind. Dies ist an Lächerlichkeit schon kaum noch zu überbieten.

Nun muss man erst ein Mal abwarten, wie die Märkte in Deutschland auf all dies reagieren. An der Wall Street waren die Reaktionen gestern so heftig, dass der Dow Jones 15 Minuten später schloss, da noch so viele Verkaufsordern abzuwickeln waren. Der Nikkei startete mit gut 5% im Minus, pendelte sich dann allerdings bei einem Minus von circa 3% ein. Allerdings darf man die asiatischen Finanzmärkte auch nicht direkt mit den europäischen Finanzmärkten vergleichen. Was aber auch am Ende dieses tiefschwarzen Wochenstarts hängen bleibt, ist die Frage nach den Verantwortlichen der Krise und natürlich nach den Gewinnern der Krise. Denn wie ein Leser richtig feststellte, löst sich all das Geld nicht einfach so auf, sondern wechselt nur den Besitzer. Viele der momentanen Verlierer und diese sind nur die Spitze des Eisbergs, denn noch ist die Finanzkrise nicht ansatzweise in der Realwirtschaft angekommen, dass steht uns allen noch bevor, sollten allerdings nicht klagen. Denn es sollte niemand klagen, der Jahre lang an diesem Finanzgrab mitgeschaufelt hat. Mitgefühl mit den Experten und Eliten die diese Krise verursacht haben, wäre einfach deplatziert.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Gerhard Spannbauer // 30. Sep 2008 at 16:22

    Super für diesen wichtigen Hinweis. Darf ich ihn mit der Information bereichern, dass sich die Finanzkrise recht schnell auf das tägliche Leben auswirken wird und daher jeder eine umfassende Krisenvorsorge treffen sollte. Die Krise wird auch weitreichende Folgen für die allgemeine Versorgung und die öffentliche Sicherheit haben.

  • 2 cosmic // 1. Okt 2008 at 01:13

    @Gerhard Spannbauer
    Ich hoffe ja nicht, dass es so schlimm kommt. Interessant fände ich,
    wenn das Geldthema zum Wahlkampfthema wird. Schnell kommen wir dann auch bei Europa und der EZB an. Welche Möglichkeiten hat der Staat eigentlich noch zu handeln? Kann er theoretisch ein Komplementärsystem einsetzen?

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