fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Da hilft auch kein Innenausschuss

3. September 2010

Die Aufklärungsversuche der Katastrophe, die sich Ende Juli in Duisburg im Rahmen der diesjährigen Loveparade ereignete und über 20 Menschen das Leben kostete, sind am gestrigen Tag in die nächste Runde gegangen. Nun beschäftigt sich der Innenausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf mit der Tragödie, denn noch immer ist nicht im Ansatz auszumachen, wer die Verantwortung für das Geschehene trägt. Viele sagen seit der Katastrophe, dass sie absehbar war und das kann einem eigentlich nur Angst machen, denn wenn diese Katastrophe absehbar war, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sie sich ganz schnell wiederholen könnte. Man wird das Gefühl nicht los, dass bei solchen Megaevents der Faktor Glück eine nicht unerhebliche Bedeutung hat. Wie ein solches Glücksspiel enden kann, wenn man dann vom Glück verlassen wird, zeigte sich in Duisburg und dies sollte eigentlich Mahnung genug sein.

Schaller und die Polizei
Im Moment scheint so etwas wie ein Zweikampf zwischen dem Veranstalter Rainer Schaller und der Polizei begonnen zu haben und man schiebt die Verantwortung von der einen zur anderen Seite. Über dies ist es um den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sehr ruhig geworden und die Forderungen nach seinem Rücktritt sind verhallt, was doch außerordentlich merkwürdig ist, wenn es in einem solchen Fall auch nicht wirklich ungewöhnlich ist. Es ist wieder das große Thema der Verantwortung in Deutschland, denn wäre die Loveparade ein Erfolg geworden, hätte man ihn gefeiert, so erklärt er sich wohl mit seiner Abwahl einverstanden und seine Gelder sind auch weiterhin sicher. So sieht Verantwortung in Deutschland aus? Sollte ein Schaller oder einzelne Polizisten zur Verantwortung für diese Katastrophe gezogen werden, dürfte sich dies für ihren weiteren Lebensweg wahrscheinlich wesentlich drastischer auswirken. So hart es klingen mag, sind all dies aber eher Nebenkriegsschauplätze, denn das Problem ist tatsächlich wesentlich größer.

Man darf davon ausgehen, dass auch der Innenausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf keine wirklich, alle zufriedenstellende Aufklärung der Katastrophe betreiben werden kann und es scheint jetzt schon festzustehen, dass so oder so offene Fragen bleiben werden. Natürlich ist es wichtig, dass hier auch die zuständigen Stellen in der Politik und dies ist nun einmal der Innenausschuss, alles tun um bei der Aufklärung zu helfen, dies soll auch nicht in Frage gestellt werden, nur die Erfahrung hat gezeigt, dass auch dies meist nicht mehr bringt, als die anderen Instrumentarien. Von daher ist es mindestens so wichtig alles daran zu setzen Aufklärung zu betreiben, wie auch alles dafür zu tun, dass sich eine solche Katastrophe in Zukunft nicht wiederholen kann. Das große Problem an dieser Stelle ist allerdings die Psyche des Menschen. Dies zeigte sich auch direkt in den ersten Interviews mit Augenzeugen nach der Katastrophe, denn alles was hier scheinbar noch zählte, waren die Instinkte, wie berichtet wurde.

Herdentrieb und Überlebensinstinkt
Schaut man sich die von Schaller im Internet veröffentlichten Aufnahmen zur Katastrophe an, fühlt man sich zwangsläufig an eine Viehherde erinnert. Die Logik die man bei einem Menschen voraussetzen würde, dass es hier ganz einfach zu einer verhängnisvollen Katastrophe kommen könnte, sucht man meist vergebens. Im Moment der Katastrophe merkt man dann, dass bei jedem der in Gefahr geriet oder dies meinte, schlicht und ergreifend der Überlebenstrieb griff und Dinge, wie zum Beispiel Rücksichtnahme etc. völlig aus dem Sichtfeld verschwanden, so kam es dazu, dass andere Menschen einfach zu Tode getrampelt wurden und wie im Tierreich überlebten nur die Stärksten. All diese genannten Fakten sind genauso bekannt, wie wohl auch unabänderlich, also gibt es nur eine annehmbare Lösung für solche Situationen, man muss diesen Herdentrieb vom ersten Moment an so kontrollieren, dass es erst gar nicht zur Katastrophe kommen kann und hier beginnt ein altes Problem.

Geht man nun also hin und drosselt die Zufuhr an Menschen, hindert man sie daran Geld auszugeben und dies führt bei denen, die mit solchen Veranstaltungen ihr Geld verdienen, ihr Prestige aufpolieren wollen oder ähnliches, natürlich zu Unzufriedenheit. An dieser Stelle beginnt nun das zu Beginn erwähnte Glücksspiel und man folgt der Hoffnung, dass schon alles ohne Zwischenfälle verlaufen wird. Man darf wohl davon ausgehen, dass genau dies auch in den allermeisten Fälle so ist. Dies wiederum führt zu einer gewissen Routine, die dann wieder zu immer mehr Nachlässigkeiten und steigender Gier führt und natürlich immer höhere Profite zu lässt, bis es zu einer Katastrophe, wie in Duisburg kommt. Da dies nicht die erste Katastrophe dieser Art war, gilt es nun von allen Seiten darauf zu achten, dass dieses Glücksspiel endet und man vor allem im Vorfeld ganz genau die Zuständigkeiten der Verantwortung klärt, damit sich, sollte es sich trotz aller zu kehrender Vorsichtsmaßnahmen, eine solche Katastrophe wiederholen, die Verantwortlichen nicht wieder, wie es im Moment der Fall zu sein scheint, aus der Verantwortung ziehen können.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu