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Die Wahrheit des Wortes

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Claudia Pechstein und die Tour de France

9. Juli 2009

Es ist wieder Sommer, was einem nicht nur an den regelmäßig, nach zwei warmen Tagen in Folge, beginnenden Diskussionen über die Erderwärmung auffällt. Ein weiteres klares Indiz sind eigentlich die Sportgroßveranstaltungen, allerdings sieht es da im Superwahljahr 2009 eher etwas mau aus aber man kann halt nicht alles haben. Natürlich sind gerade erst die U21-Nationalspieler Europameister im Fußball geworden aber hier von einen sportlichen Großevent zu sprechen, wäre wohl etwas übertrieben. Wer nun aber meint dieser Sommer würde ohne sportliche Skandale vorüberziehen, hat sich schwer getäuscht. Denn zum einen haben wir den Klassiker für sommerliche Dopingskandale, die Tour de France und außerdem weitet sich der Dopingsumpf allgemein immer weiter aus und es zeigt sich in diesem Jahr vor allem auch, dass man das Thema Doping auch im Sommer im Kontext zu reinen Wintersportarten sehr gut behandeln kann.

Apokalyptische Reiter der Unfairness im Sport

Ein erster großer Dopingskandal in diesem Jahr zog am Horizont in Form von Isabell Werth oder viel mehr in Form ihres zehn Jahre alten Wallachs Whisper auf. Es war wohl so etwas, wie ein erste apokalyptischer Reiter am Horizont der Unfairness im Sport in diesem Jahr. Ihr Pferd wurde mit Mitteln behandelt, die laut Dopinglisten nicht erlaubt waren. Nun stellen sich in diesem Kontext gleich mehrere Fragen. Kann man die Schuld so einfach zum größten Teil auf den behandelnden Tierarzt abwälzen, wie es in dieser Sportart scheinbar häufig gerne getan wird. Die noch viel größere Frage ist allerdings die, ob die Behandlung dieser Zitterkrankheit, an der wohl auch Whisper erkrankt ist, überhaupt im Sinne dieses Pferdes ist, denn auch hier gibt es Experten, die diese Frage klar verneinen. Allerdings ist natürlich gerade auch der Reitsport schon seit Jahren ein solch wichtiger Wirtschaftszweig, dass solche Fragen scheinbar gar nicht zur Diskussion stehen sollen. Es war nicht der erste Fall in dem der Reitsport so negativ auffiel und dies ist natürlich auch nicht gut für den Pferdesport in Deutschland in seiner gesamten Breite. Die Täter, egal ob es Sportler oder Ärzte sind, sollten genauer darüber nachdenken, welchen Schaden sie mit ihrem Handeln für ganze Sportarten anrichten und dies scheinbar nur aus Profitgier.

Profitgier, und dies zeigen diese Fälle und natürlich ebenso die Fälle außerhalb des Reitsports, scheint eine immer größer werdende Tugend im Sport zu werden. Man verhält sich hier letztendlich genau wie in der Wirtschaft. Auch hier im Sport zeigen sich mehr und mehr die bösen Fratzen des Raubtierkapitalismus. Es fehlt eigentlich nur noch, dass gewisse Sportarten um Staatshilfen betteln, wenn ihr Sport erst einmal durch Doping gänzlich ruiniert ist aber das kann natürlich auch erst noch kommen, schließlich sind wir auch hier offensichtlich erst am Anfang einer gewissen Entwicklung. Spannenderweise gibt es allerdings auch noch einen weiteren spannenden Kontext zwischen dem Sport und der Politik. Denn der Bereich Sport gehört in der Bundesregierung mit in den Verantwortungsbereich des Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble (CDU), der sich an anderen Stellen mit Überwachungsmaßnahmen auch nicht gerade zurückhält. Auf diesem Sektor sieht dies scheinbar ganz anders aus, was auch wieder einen negativen Schatten auf die Arbeit der Bundesregierung wirft, denn man kann sich nicht nur mit Erfolgen schmücken und die schlechten Seiten einfach ausblenden. Aber die Verknüpfungen zwischen Staat und Sport sind noch weitreichender, wie unser nächstes Beispiel zeigen wird.

Die Bundespolizistin Claudia Pechstein und die Medien

Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gilt als die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin aller Zeiten, sie gewann alleine fünf Mal bei den Olympischen Spielen. Im Moment ist es allerdings fraglich, ob sie auch noch bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver in Kanada dabei sein wird und nach jetzigem Stand wird sie das nicht sein. Pechstein hat als erste Sportlerin überhaupt eine Zweijahressperre auf Grund eines indirekten Beweises erhalten. Bisher wurde erst einmal eine amerikanische Leichtathletin auf dieser Basis verurteilt, wobei diese ihr Vergehen auch direkt einräumte, was einen direkten Vergleich mit dem Fall Pechstein unmöglich macht. Pechstein beteuert noch immer ihre Unschuld und beruft sich dabei unter anderem auf die negativen Folgen, die ein solches Vergehen auf ihre Karriere bei der Bundespolizei hätte. Denn immerhin ist Pechstein Beamtin auf Lebenszeit und dies ist in vielen Bereichen des Profisports durchaus üblich. Aber kurz noch einmal zurück zum indirekten Beweis. Bei dieser neuen Form des Dopingnachweises, müssen keine Substanzen oder Rückstände von Dopingmitteln nachgewiesen werden, sondern es reicht eine in den Verdachtsmoment passende Veränderung der Blutwerte aus. Pechstein wurde auf Grund einer viel zu hohen Anzahl ganz junger roter Blutkörperchen verurteilt. Laut Berichten aus den Medien gibt es nur zwei Möglichkeiten für so etwas und dies wäre eben entweder Doping oder ein Gendefekt. Den Nachweis eines Gendefektes konnte oder wollte Pechstein allerdings bislang nicht erbringen.

Auch wenn sich die Medien außerordentlich vorsichtig im Fall Pechstein geben und eine endgültige Entscheidung wohl auch noch auf sich warten lässt, da die Verhandlung beim zuständigen Sportgericht wohl erst im Herbst stattfinden wird, sollte man die Medien im Kontext des Dopings oder viel mehr des Umgangs mit diesem, nicht zu hoch loben. Denn gerade auch ARD und ZDF zeigen in diesen Tagen wieder, dass ein großer Teil an Verurteilungen im Bereich des Dopingsumpfs scheinbar nur geheuchelt ist. Denn natürlich gibt es immerhin, wie jedes Jahr, auch dieses Jahr im Sommer ein wirkliches großes Sportevent in Europa, wir reden von der Tour de France. Der Ruf dieses Radklassikers ist in weiten Teilen der Gesellschaft schon vernichtet und die eben angesprochenen Fernsehsender, haben in den letzten Jahren immer wieder gedroht aus der Tour auszusteigen, sind aber auch in diesem Jahr wieder einmal voll dabei. In diesem Jahr ist auch das umstrittene Radidol Lance Armstrong wieder dabei, dessen Dopingvergangenheit nie aufgeklärt werden konnte. Anstatt sich mit dieser, doch sehr entscheidenden Frage auseinander zusetzen, bevorzugt man es nur allzu oft darüber zu spekulieren, ob er nur wegen der Promotion für seine Stiftung mitradelt oder ob es doch mehr um den Posten als Gouverneur von Texas geht, wo er wohl auch Ambitionen zu hat. Egal wie man alles dreht und wendet, scheint es auch in diesem Jahr bei der Tour de France wieder weniger um Sport zu gehen, sondern mehr um wirtschaftliche und politische Aspekte, genau diese Zielausrichtung ist auch die, die oft genug direkt in den Dopingsumpf führt, dass man da bei ARD und ZDF scheinbar nicht den Mut aufbringt und wirklich zu mindesten einmal eine ganze Tour aussetzt, ist sehr schade für das Fernsehen und auch für den Sport.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

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