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Die Wahrheit des Wortes

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Christlicher Fundamentalismus und der Sohn Triers

29. Juli 2011

Es ist nun eine Woche her, dass ein 32 Jahre alter Norweger das Land in die größte Tragödie seitdem 2. Weltkrieg stürzte. Anders B. tötete insgesamt fast 80 Menschen, wobei ein kleiner Teil bei einem Bombenattentat in der norwegischen Hauptstadt Oslo ums Leben kam und der weitaus größere Teil in einem Jugendcamp der sozialdemokratischen Partei von Ministerpräsident Jens Stoltenberg auf der kleinen Ferieninsel Utoya vor den Toren Oslos erschossen wurde. Diese schreckliche Bluttat wirft viele Fragen auf und man darf bezweifeln, dass diese alle aufgeklärt werden. Es ist allein schon schwer zu differenzieren, ob man hier den Amoklauf eines Geisteskranken gesehen hat oder ob es ein religiös bzw. gesellschaftlich motivierter, hinterhältiger Akt des Terrors war. Da der mutmaßliche Täter noch auf der Fjordinsel Utoya verhaftet werden konnte und dies von ihm scheinbar auch so gewollt war, da es wohl auch zu seinem Plan gehört die Welt über seine Motive zu informieren, wird zu mindestens einiges mehr ans Tageslicht kommen, als bei einem klassischen Amoklauf, der in den allermeisten Fällen mit dem Tod des Täters endet, womit dann natürlich meist nur die Möglichkeit gegeben ist über Tatmotive zu spekulieren. Es dürfte aber gerade auch in Bezug auf mögliche religiöse Motivation des Anders B. spannend sein zu sehen, wie man mit christlichem Fundamentalismus in der westlichen Welt umgeht.

Ist der Vatikan und Trier in Gefahr?
Schon kurze Zeit nachdem in der norwegischen Hauptstadt Oslo eine Autobombe detoniert war und Teile des Regierungsviertels verwüstet hatte, stand, gerade auch in weiten Teilen der deutschen Massenmedien, fest, dass man hier einen weiteren grausamen Akt des, durch den Islam geprägten, Terrors, gesehen hatte. Auch die Motivation sich dieses Ziel auszusuchen, war mit dem norwegischen Militärengagement in Afghanistan und auch Libyen schnell gefunden. Während nun also die vermeintlichen Experten wieder ihre Giftpfeile im Kontext der Kampf der Kulturen in die bekannten Richtungen abfeuerten, kamen erste Nachrichten über eine Schießerei auf der gerade einmal 500 Meter langen Fjordinsel Utoya vor den Toren Oslos auf. Hier fand zu diesem Zeitpunkt ein Jugendcamp der norwegischen Sozialdemokraten statt. Hätte man zu diesem Zeitpunkt der Katastrophe schon ausreichend und angemessen recherchiert, wäre klar gewesen, dass ein Terrorangriff aus dem Bereich islamischer Fundamentalisten eher unwahrscheinlich gewesen wäre. In diesem Moment folgten aber scheinbar der Einfachheit halber, die üblichen Beschuldigungen, die man an dieser Stelle kennt und natürlich auch immer wieder betont, dass es so etwas, wie einen Generalverdacht gegen die muslimische Welt nicht geben würde, was natürlich, gerade in der ersten Berichterstattung zu den Bluttaten von Norwegen, nicht sehr glaubwürdig erscheinen mag.

Spätestens seit 911 ist bekannt, dass Rachefeldzüge im Kontext religiös geprägter Terroranschläge zum guten Ton gehören und man weiß auch in Deutschland, dass die Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird. Aber was bedeutet dies für die aktuelle Sachlage im Fall des Terrors von Norwegen, wo es scheinbar um christlich geprägten Terrorismus ging und der Täter auch noch den Marxismus retten wollte. Müssen nun die Brutstätten all dessen angegriffen werden? Muss man nun mit amerikanischen Spezialkräften im Vatikan rechnen, die Papst Benedikt XVI. unbewaffnet in seinem Schlafgemach erschießen, um den Leichnam später an einem unbekannten Ort im Mittelmeer versenken. Ist das schöne Trier in Gefahr, weil man in der Geburtsstadt von Karl Marx noch immer Nester des Marxismus vermutet? Klingt alles ziemlich absurd und natürlich kann man den Papst nicht mit Osama bin Laden vergleichen aber man muss auch klar sehen, dass es auf der anderen Seite auch immer wieder haarsträubende Theorien gibt, die als Fakten hingenommen werden und es scheint alles nur noch eine Frage der Deklaration zu sein, wie eben auch die Ermordung von Osama bin Laden in Pakistan gezeigt hat. Es zeigt sich eben auch sehr deutlich, dass aus westlicher Sicht eben auch festzustehen scheint, dass es so etwas, wie gute und schlechte Religionen gibt und man kann sich leicht vorstellen, welche Religion hier, wie deklariert wird.

Ist es die Religion oder der Mensch?
Seit den Attentat vom 11. September 2001 in den USA, die sich bald zum zehnten Mal jähren, hat sich das Ansehen des Islams vor allem in der westlichen Welt massiv verschlechtert und dies vor allem auch durch klar ausgerichtete Medienarbeit gegen den Islam. Man hatte sogar die Möglichkeit all dies juristisch zu untermauern und hätte Osama bin Laden verhaften können und einen Unbewaffneten zu verhaften, dürfte für US-Spezialeinheiten jetzt keine Mammutaufgabe sein aber scheinbar gibt es Kräfte, die genau diese Art der Aufklärung gar nicht wollen, was natürlich automatisch zu weiteren Spekulationen führt. Nimmt man die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, ist man mehr als bemüht hier von Einzelfällen, einiger fehlgeleiteter Personen zu sprechen und weit davon entfernt, gleich eine ganze Religion in Frage zu stellen. Ähnlich verhält es sich auch in Norwegen, wo nur die Wenigsten  hinterfragen, warum Religion im Kontext zu Terrorismus nicht auch hier mehr thematisiert wird. Ähnlich könnte man es in diesem Fall natürlich nun auch mit dem Marxismus sehen. Schnell stellt man natürlich auch fest, dass es gerade im Bereich des Christentums nicht die Religion, nicht die Worte der Bibel sind, die hier zu soviel Leid geführt haben, sondern dass, was Menschen, wie in diesem Fall eben scheinbar ein junger Norweger, daraus machen. Es ist nicht die Religion, sondern der Mensch. Eine These der es erst einmal so gut wie nichts hinzuzufügen gilt.

Fraglich bleibt dann aber trotzdem, woher dieses zweierlei Maß kommt, denn wenn man dieser sehr schlüssigen These folgt, müssten man den Islam, müsste man den Koran auch aus den Konflikten, die man im Bereich dieser Welt hat, heraushalten und sich um andere wesentlichere Fakten bemühen aber dies will man, wie beschrieben, ganz offensichtlich nicht, wurde hier doch in den letzte 10 Jahren ein sehr gutes, neues Feindbild aufgebaut, welches nun sehr viele Staaten der westlichen Welt nutzen, um zum Beispiel immer höhere Überwachungsstandards einzuführen. Wenn man möchte kann man auch die Bibel fehlinterpretieren, genau wie den Koran und wahrscheinlich auch alle anderen Schriften dieser Art. Es wäre wohl auch geschichtlich betrachtet nicht ganz korrekt so zu tun, als hätte das Christentum immer nur für eitel Sonnenschein auf diesem Planeten gesorgt, man muss wohl einräumen, dass oft genug eher das Gegenteil der Fall war. Man sieht es gibt viele Optionen, warum man auch mit dem Christentum hart ins Gericht gehen könnte aber man schießt eben weiterhin auch lieber in Richtung Islam. Natürlich wird es auch in Zukunft wieder Leid und Schrecken geben, welches man dann wieder eher mit dem Islam verknüpfen wird, als mit dem Mensch bzw. den Menschen, die für all dies verantwortlich sind und dann sollte man kurz an die schrecklichen Stunden von Oslo und Utoya denken und sich überlegen, ob ein solches Verhalten einer Religion gegenüber, und hier ist es völlig egal welcher gegenüber, auch nur im Ansatz angemessen sein kann.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik

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