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Die Wahrheit des Wortes

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Chinas Chance Olympia 2008

4. Juli 2008

Noch gut einen Monat bis die Olympischen Sommerspiele am 8. August in Peking beginnen. Im Vorfeld dieses sportlichen Großereignisses ging und geht es immer wieder um die Fragen nach Menschenrechten, aber auch nach Pressefreiheit. Zwei wichtige Faktoren, wenn man über Demokratie nach westlichem Verständnis spricht. Diese Faktoren spielten natürlich auch eine Rolle bei der Vergabe der Olympischen Spiele in das große Reich der Mitte. Denn die großen Bosse, der Veranstaltung mit den fünf Ringen, von Jacques Rogge bis Thomas Bach hoffen bis heute, dass die Olympischen Spiele positiven Einfluss auf die gerade genannten Bereiche haben werden. Aber werden sie es auch wirklich haben?

Gleiches Recht für alle

Natürlich befindet sich China im Umbruch, dies geschieht allerdings auch ohne die Olympischen Spiele. Denn auch China will schon seit Jahren seinen Teil vom globalen Wirtschaftskuchen ab haben und dieses Stück des leckeren Wirtschaftskuchens ist ein mächtiges. Durch diese Öffnung hin zur Marktwirtschaft haben sich in China in den letzten Jahren schon viele Faktoren zum Positiven gewandelt. Allerdings sollte man auch immer berücksichtigen, wie weit dieses Land von demokratischen Strukturen, wie sie auch in Deutschland maßgeblich sind, noch entfernt ist. Ganz davon zu schweigen, dass der Boom Chinas in einer globalisierten Welt natürlich noch andere weitreichende Folgen hat. Dies beginnt bei den Energieressourcen, wie zum Beispiel dem Öl, welches man in dieser Woche mit einem neuen Höchststand von über 145 US-Dollar pro Fass spüren konnte bis hin zu den knapper werdenden Lebensmitteln, die auch hier zu Preiserhöhungen führen.

Man verteufelt die Chinesen gerne für den Anstieg des Rohölpreises oder für erhöhte Lebensmittelpreise, wobei dies natürlich nicht ganz korrekt ist. Denn zum einen darf man vor allem auch beim Rohöl davon ausgehen, dass der prozentuale Anteil Chinas an der scheinbar nach oben offenen Preisspirale verhältnismäßig gering ist. Zum anderen muss man auch berücksichtigen, dass wir doch alle die globalisierte Welt in vollen Zügen genießen. So müsste gerade in Deutschland, welches als Exportweltmeister auch massiv von den chinesischen Boomzeiten profitiert, hinlänglich bekannt sein, dass alles eben seinen Preis hat. Nur wenn die Welt so globalisiert ist und so westlich orientierte Standards immer mehr verbreitet werden sollen, dann doch bitte auch vollumfänglich. Dies soll heißen, wenn das Prinzip `gleiches Recht für alle` in der Wirtschaft gelten soll, dann doch bitte auch in Punkten wie Menschenrechte und Pressefreiheit.

Weichgespülte Medien

Ein großer Nutzen im Kontext der Olympischen Spiele in Peking wird von der weltweiten Medienpräsenz erwartet bzw. erhofft. Man darf aber davon ausgehen, dass dieser Nutzen in der breiten Masse wohl nicht funktionieren wird. Laut Informationen des Nachrichtensenders n-tv, boykottierten Pressefotografen die gestrige Pressekonferenz des FC Bayern München, nachdem sie mit einer Entscheidung des neuen Bayerncoachs Jürgen Klinsmann nicht einverstanden waren. Dies ist ein guter Beweis dafür, wie man von Seiten der Medien positive Signale setzen kann. Dies bleibt aber im Moment in der Chinaberichterstattung aus. Man darf freien Journalismus wohl so beschreiben, dass sich der Berichtende, wie er es mag bewegen kann, zeigen darf was er möchte und Gespräche führen darf, wie er es für richtig und angemessen hält. Diese Grundregeln werden auch oft genug schon im so freien Deutschland nicht eingehalten, da man nur gute Pressearbeit für sich haben möchte und scheinbar vergessen wird, dass freier Journalismus nicht dem Zwecke einer Dauerwerbesendung dienen sollte.

Im Laufe dieser Woche waren einige Berichte im ZDF zu beobachten in denen es um China ging. Immer wieder wurde dort gelobt, dass man live berichten darf, allerdings mit dem direkten Hinweis darauf, dass Interviews genauso eingeschränkt werden, wie auch der Bewegungsradius. Was übrig bleibt ist ein sauberes, positives, weichgespültes Bild von China. Kritik oder die negativen Seiten des Booms werden einfach weitestgehend ausgeblendet. Wenn das die Art der Befreiung durch die Medien ist, die sich Rogge, Bach und Kollegen gewünscht haben, kann man nur maßlos enttäuscht sein. Natürlich gibt es Millionen Chinesen die sich auf die Olympischen Spiele in ihrem Land freuen, natürlich gibt es eine breite Masse die von alldem profitiert und es spricht auch nichts dagegen all dies in Wort und Bild zu zeigen. Nur bitte, wie gesagt, entweder frei und dann muss man auch die dunklen Seiten zeigen oder gar nicht. Denn eine Dauerwerbesendung für China über die nächsten paar Wochen braucht man nun wirklich nicht.

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Kategorie: Free Tibet · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

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