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Die Wahrheit des Wortes

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Chaostage bei Quelle

3. November 2009

Bei Quelle muss man mittlerweile mindestens von Chaostagen sprechen und es kommt die Frage auf, ob dies ein Indiz dafür ist, wie es um die deutsche Wirtschaft allgemein bestellt ist. Das Chaos zum Beginn des Räumungsverkaufs bei Quelle im Internet zeigte wieder einmal, was passiert, wenn in diesem Land Experten tätig sind und dies ist auch der Grund dafür, warum man hier doch eher von vermeintlichen Experten sprechen sollte. Es zeigt sich aber auch wieder sehr deutlich, dass scheinbar niemand für all dies verantwortlich ist, denn klare Schuldzuweisungen oder ähnliches sucht man gerade auch in den Medien vergebens. Bei all den mächtigen Problemen die dieses Land im Moment so oder so schon hat, ziehen aber auch im Mutterland der Krise, in den USA, wieder ganz düstere Wolken auf, die auch noch für Probleme in Deutschland sorgen könnten. CiT heißt das neuste Sorgenkind. Hier sprechen wir von einer der größte US-Banken bzw. der größten Mittelstandsbank der USA, die gerade erst Insolvenz angemeldet hat und man darf nun auf die Schockwellen warten.

Wenn Experten Unternehmen versenken
Am Sonntag wurde damit begonnen die Lagerbestände des insolventen Versandhauses Quelle über das Internet zu verkaufen und man erwartete einen großen Ansturm. So genannte IT-Experten bereiteten das Unternehmen auf diesen Ansturm vor, was gerade auch die Server betraf. Als es los ging, kam es dann allerdings zu massiven Problemen mit den Servern, die soweit gingen, dass die Quelle-Seite zum Teil überhaupt nicht erreichbar war. Man darf davon ausgehen, dass sich auch für diese weitere Panne kein Verantwortlicher finden wird. Wenn in der Wirtschaft etwas daneben geht, scheint es sich immer um die Verkettung unglücklicher Zufälle zu handeln, es kommt scheinbar so gut wie nie vor, dass es Managementfehler oder ähnliches gibt. Gerade die aktuelle Weltwirtschaftskrise verdeutlich aber auch noch einmal massiv, wie es um die Entscheidungsträger und Kapitäne der deutschen Wirtschaft bestellt ist. Traurig nur, dass diese Menschen in den meisten Fällen nicht die Zeche zahlen, sondern die Gesellschaft haftet. Denn die Fehler die bei Quelle alle gemacht wurden, kommen ganz unabhängig davon, wie viel Geld des Massekredits von 50 Millionen Euro zurückfließt, den Steuerzahler teuer zu stehen. Man muss sich überlegen, dass auch hier wieder unzählige Arbeitsplätze vernichtet worden sind, was letztendlich der Gesellschaft im Ganzen schadet.

Managergehälter werden immer wieder gerne an die große Verantwortung der Entscheidungsträger gekoppelt. Wenn es allerdings anders läuft und scheinbar jede Verantwortung fehlt und Millionen oder gar Milliarden an Kapital vernichtet werden und unzählige Menschen durch den Verlust ihrer Arbeit in die Armut abrutschen, ist von dieser Verkopplung nichts mehr zu sehen. Zu Quelle ist noch zu sagen, dass es schon die Ironie des Schicksals ist, dass das Internet scheinbar nicht das Medium dieses Konzerns ist, denn das es am Sonntag Probleme mit dem Internetauftritt von Quelle gab, liegt bei diesem Versandhändler scheinbar im Trend. Viele Menschen verweisen darauf, dass Quelle genau dieses Medium völlig unterschätzt hat und die schlechte Positionierung auf diesem Gebiet im Gegensatz zu den Mitbewerben, letztendlich auch ein Grund für die Pleite war. Man sieht hier sehr deutlich, dass man durchaus von einem massiven Versagen des Management sprechen kann aber verfolgt man in diesem Kontext die Medien, begegnen einem auch hier seltenst Schuldige. Man fragt sich an diesen Punkten immer wieder, was schlimmer ist, dass finanzielle Desaster, welches diese Menschen zurücklassen oder das völlige Fehlen von jeglicher Moral, denn oftmals scheint es so, als seien die Entscheider schon soweit abgehoben, dass sie wirklich davon überzeugt sind ihren Job gut gemacht zu haben.

CiT auch ein Problem in Deutschland?
Natürlich hat gerade auch Quelle gezeigt, dass es hier nicht nur um Fehler in der Wirtschaft geht, sondern auch ganz eindeutig um Fehler die auf das Konto der Politik gehen. Die Ungerechtigkeit in diesem System ist, dass der Staat, die Menschen die Arbeitsplätze zerstören scheinbar auch noch unterstützt, während die die durch solche Fehler ihren Arbeitsplatz verlieren, am Ende des Tages auch noch bestraft werden. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele neue Hartz-IV-Empfänger durch die Insolvenz von Quelle produziert werden, die dann wahrscheinlich später, von Menschen wie Thilo Sarrazin (SPD), vorgerechnet bekommen, wie gut sie von ihrem Geld leben können. Die Verursacher solcher Krisen dürften maximal das Problem haben, welchen Champagner sie zum Abendessen wählen. Bei solchen Zuständen in einem Land, darf sich niemand wundern, wenn sich Menschen ungerecht behandelt fühlen und so Wut bis hin zu Hass entsteht. Nun muss man bei alldem auch berücksichtigen, dass die Lage bei weitem nicht so gut ist, wie man es vielfach in den Medien suggeriert bekommt. Ein einfacher Blick auf die Fakten in den USA zeigt, was auf Europa und damit letztendlich auch auf Deutschland in nächster Zeit noch zu kommen könnte.

Schon vor Monaten warnte man in diesem Land davor, dass gerade auch zum Beispiel die Sparkassen noch ein massives Problem bekommen könnten, wenn die Pleitewelle im Mittelstand weiter um sich greift. Die Insolvenzzahlen in Deutschland steigen nun stetig an, was in vielen Fällen natürlich auch zu Verlusten bei den Kreditgebern des Mittelstandes führt. In den USA hat gerade mit der CiT die größte Mittelstandsbank des Landes Insolvenz angemeldet und man muss nun hoffen, dass diese erneute Bankenpleite nicht zu ähnlichen Schockwellen, wie die Pleite von Lehman Brothers führt. CiT ist aber auch wieder eines dieser guten Beispiel, was es bringt Billionen an Kapital in den Bakensektor zu schießen, man könnte auch sagen, dass dieses Kapital in den Wind geschossen wurde, denn allein die CiT wurde durch den amerikanischen Staat mit gut 2,3 Milliarden Dollar unterstützt. Wieder einmal zeigt sich, wie falsch es ist, dass die Krise von Seiten der Politik und der Medien gerne klein geredet wird oder gar als beendet bezeichnet wird. Die Weltwirtschaftskrise tobt noch immer massiv und es wird noch viele weitere Opfer geben, vor allem so lange keine ausreichende Gegenbewegung entsteht, die den Politikern ausreichend Druck macht sich gegen das Problem zu stellen, denn freiwillig tun sie die scheinbar nicht. Schon vergessen, wir sind das Volk.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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