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Die Wahrheit des Wortes

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Bsirske, Ver.di und die Lufthansa

4. August 2008

Frank Bsirske ist Deutschlands mächtigster Gewerkschaftsboss und Aufsichtsratsmitglied der Lufthansa AG.  Scheinbar gibt es nur wenige Menschen, die einen Interessenskonflikt darin sehen, dass der Ver.di-Chef eine Vielzahl an Arbeitnehmern vertritt und zeitgleich dem Führungskreis einer der größten deutschen Arbeitgeber angehört. Natürlich ist es wohl nur ein Zufall, dass der Streik der Lufthansamitarbeiter kurz nachdem Bsirske auf Lufthansakosten nach Los Angeles flog, beendet wurde. Er entschuldigte sich für diesen Freiflug, der allen Aufsichtsratsmitgliedern der Lufthansa zu steht und damit scheint die Sache erledigt zu sein. Leider muss man bei solchen Ereignissen in diesem Land mittlerweile von einem gewissen System sprechen, wie weitere Beispiele zeigen.

Die Deutsche Bahn und RWE

Die Gewerkschaften wundern sich seit Jahren über den Schwund an Mitgliedern und versuchen ihn, wo es nur geht, zu bekämpfen. Es ist aber eigentlich eine ganz normale Reaktion der Mitglieder, wenn sie die Gewerkschaften nicht mehr unterstützen, die scheinbar den Arbeitgebern mindestens genauso Nahe stehen, wie den Arbeitnehmern. Wenn ein Bahngewerkschaftsführer in die Unternehmensspitze der Deutschen Bahn wechselt und ein Manfred Schell sich beim Kampf der Arbeitnehmer scheinbar nur persönlich profiliert, kann einen das Verhalten der Gewerkschaftsmitglieder nicht weiter irritieren. Während in Deutschland immer mehr Menschen weniger Geld zur Verfügung haben, sind die Gewerkschaftsbosse heute so gut wie gar nicht mehr von den Konzernchefs zu unterscheiden. Dies gilt für ihr Handeln, ebenso wie für ihr Auftreten, denn beides lässt nicht darauf schließen, dass sie tatsächlich etwas gegen die soziale Kälte in diesem Land unternehmen wollen.

Die Vernetzung ist heute natürlich eine ganz andere als noch zu Zeiten des Wirtschaftswunders und natürlich haben sich seitdem viele Spielregeln geändert. Dies ist auch nicht erst so, seit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), den man nicht umsonst `Genosse der Bosse` nannte, die Agenda 2010 schuf. Wie weit solche Vernetzungen gehen, zeigt zum Beispiel auch das Parteiausschlussverfahren gegen Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der auch für den Energieriesen RWE tätig ist. Natürlich muss eine gewisse Nähe zwischen Politik, Wirtschaft und natürlich auch Gewerkschaften bestehen aber diese sollte einen gewissen Grad nicht übersteigen und genau dies passiert in der heutigen Zeit immer häufiger. Scheinbar muss man dies auch als eine Art Katalysator im Prozess des Abbaus sozialstaatlicher Leistungen ansehen. Hinlänglich ist bekannt, dass der Mittelstand, das Rückrat der deutschen Wirtschaft, immer mehr ausstirbt aber auch diese Warnsignale scheinen keinen der beteiligten Personen zu beunruhigen.

Morgenstunde der Radikalen

Immer wieder wird der Aufschwung in Deutschland gelobt. Immer wieder wird von den positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt berichtet. Es stellt sich nur die Frage, warum all das bei der breiten Masse nicht ankommt. Die Binnenkonjunktur kommt einfach nicht in Schwung und das liegt nicht etwa daran, dass die Menschen nicht einkaufen wollen, sondern das das hierfür zur Verfügung stehende Kapital immer weniger wird. Denn auch wenn es auf dem Papier immer mehr Menschen gibt die einen Job haben, erhalten sie vielfach immer weniger dafür. Dies beweist auch die ständig ansteigende Zahl an Aufstockern, also Personen die neben ihrer Arbeit noch auf soziale Leistungen angewiesen sind. Die Inflation gibt vielen dann noch den Rest. Dies sind Fakten an denen man sieht, wie sehr dieses System krankt. Da wäre es eigentlich Zeit für die Gewerkschaften etwas zu unternehmen. Diese Schritte für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland, bleiben aber aus.

Natürlich ist eine solche Zeit auch immer die Morgenstunde radikaler Parteien, dass hat nicht zu letzt auch immer wieder die Geschichte gezeigt. Heute zeigt sich dies im Erstarken der Linkspartei. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass wir von der Folgepartei der Organisation sprechen, die für das Unrechtssystem in der DDR verantwortlich war. Ob diese Denkweise, die vielfach noch vorhanden ist, den Systemwechsel bringen würde den dieses Land braucht, darf mehr als bezweifelt werden. Ganz davon abgesehen, dass man bei der Linkspartei auch oftmals das Gefühl hat, dass es auch ihnen letztendlich nur um die Macht geht, die sie durch ihre, wohl kaum zu erfüllenden, Versprechen erlangen wollen. Deutschland muss, wenn die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter aufgehen soll, wieder zurück zu alten Tugenden finden, denn diese Aufteilung wird diesem Land nur Schaden bringen und zwar im Ganzen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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