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Die Wahrheit des Wortes

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Bsirske und der Kurs von Ver.di

5. März 2008

Heute ruht das Land. So oder so ähnlich muss man es wohl formulieren. Verschiedene Tarifkonflikte legen weite Teile des Verkehrs in der Bundesrepublik Deutschland lahm. In Berlin ist der Großteil des ÖPNV lahm gelegt und dies soll auch noch bis Mitte dieses Monats so weitergehen. An vielen großen deutschen Flughäfen lösen sich die Streiks zur Stunde langsam auf aber die Auswirkungen werden wohl noch bis Morgen zu spüren sein. Außerdem steht ab Montag ein Mal mehr ein Streik bei der Deutschen Bundesbahn bevor. Die mächtigen Männer der Arbeitnehmerfront, wie zum Beispiel Frank Bsirske von Ver.di und Manfred Schell von der GDL sind voll in ihrem Element. Aber was wollen sie wirklich?

Gutes Geld für gute Arbeit

Auch in Köln wird man Heute ein Mal mehr genötigt auf andere, als die für viele Menschen üblichen Verkehrsmittel, wie Busse und Bahnen umzusteigen. Es bleibt abzuwarten ob sich diese massive Störung des Alltags von Millionen von Menschen lohnt. Der oben genannte Gewerkschaftsslogan, ist wie dafür geschaffen ein wenig mehr beleuchtet zu werden. Nehmen wir als Beispiel die Domstadt Köln. Wenn man hier mit der Straßenbahn der KVB fährt, gibt es einige Dinge, an die man sich im Normalbetrieb gewöhnen muss. Verspätungen, dreckige Züge und immer wieder nicht funktionierende Ticketautomaten. Als Kunde kommt einem dies nicht wie gute Arbeit vor. Dies ist nur ein Beispiel, welches sich mit Sicherheit auf weitere Bereiche und andere Städte übertragen lässt. Es geht aber noch um etwas anderes. Die Frage nachdem Grund für die aggressive Verhandlungsstrategie von Ver.di. Auch hier ist die Antwort, meiner Meinung nach, ganz einfach zu geben.

Die Versäumnisse der letzten Jahre müssen nun aufgearbeitet werden. Die Gewerkschaften selbst sagen immer wieder, dass die Tarifabschlüsse in den letzten Jahren viel zu gering waren und nun wird plötzlich die massive Streikkeule ausgepackt und der Versuch unternommen ein Land lahm zu legen. Ob das eine vernünftige Antwort auf das eigene Versagen der letzten Jahre ist, darf bezweifelt werden. Ein weiterer Grund dürfte aber auch ein Mal mehr ein gewissermaßen erfolgsorientierter Ansatz des Führungspersonals der Gewerkschaften sein. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich zum Beispiel ein, in meinen Augen, oftmals blass wirkender Herr Bsirske, seine Vita mit dem was er hier veranstaltet, aufbessern will. Im Interesse aller im Moment streikenden Ver.di-Mitglieder ist zu hoffen, dass es um mehr geht.

Am Ende des Tages sind dann doch alle Freunde

Es sollte in erster Linie darum gehen, dass viele Menschen heute das Gefühl haben, dass der oftmals beschworene Aufschwung bei ihnen nicht ankommt, was bei einer Inflationsrate von knapp 3% auch durchaus legitim ist. Man muss sich aber auch vor Augen halten, dass zu hohe Tarifabschlüsse gegebenenfalls der Wirtschaft und somit letztendlich den Arbeitnehmern schaden könnten. In diesem Kontext muss man natürlich auch ein Auge darauf halten, dass der Entzug von Steuergeldern im großen Stil, wie er zum Beispiel Herrn Dr. Klaus Zumwinkel vorgeworfen wird, mindestens genauso schädlich ist. Aber genau an diesen Fakten ändert auch ein Streik nichts. Zu mindestens ist hier eine tarifliche Auseinandersetzung deplatziert. Es geht viel mehr um eine tief greifende Veränderung in diesem, scheinbar aus den Fugen geratenden, System, die bewegt werden muss.

Auch Arbeitnehmervertreter sind heute so in diesen Gesamtkreislauf eingebunden, dass sie sich zum Teil, doch genau wie die vermeintlichen Gegner verhalten. Das hat nicht zu letzt der Skandal um den VW-Betriebsrat gezeigt. Es ist schon darauf zu achten, dass nicht am Ende des Tages alle `da oben` Freunde sind oder sich eine Vita verbessert hat und die Arbeitnehmer mit einem Tarifabschluss zu kämpfen haben, der unendlich weit weg von der grundsätzlichen Forderung ist. Denn dies würde auch den massiven Eingriff in das Leben von Millionen Unbeteiligter wieder sehr fragwürdig machen. So hätte sich am Ende des Konfliktes vor allem das Ansehen der Gewerkschaften, in weiten Teilen der Bevölkerung, ein Mal mehr verschlechtert.

Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wer bei all dem am Ende des Tages wirklich der Sieger ist und ob nicht doch ein Mal mehr Verlierer als Sieger bleiben.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Olaf // 13. Apr 2008 at 20:53

    Braucht Berlin die BVG?

    Die Straßen Berlins waren nur ein wenig voller als sonst und irgendwie entstand der Eindruck, dass es auch ohne die BVG funktionierte – Fahrgemeinschaften gründeten sich und der ein oder andere holte das Fahrrad in diesem Jahr früher aus dem Keller als sonst. Braucht Berlin also die BVG?
    Außerdem muss man in diesem Zusammenhang darüber nachdenken, ob die BVG ein öffentliches Unternehmen sein muss oder ob private Strukturen mit einem klaren Versorgungsauftrag nicht wesentlich effizienter wären. Die Diskussion sollte nicht mit einer anstehenden Lösung des Tarifkonfliktes wieder verstummen. Dass dies nicht passiert, wird die von Senator Sarazin angekündigte Fahrpreiserhöhung in Höhe der Steigerung der Löhne bewirken – zumindest kurzfristig. http://www.nachrichtenmagazin.info

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