fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

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Bringt Religion Hunger?

10. August 2011

Am Ende des Tages trägt der Islam die Schuld an fast allem Übel dieser Welt, könnte man meinen. Es fehlt nur noch, dass er dafür verantwortlich gemacht wird, dass es trotz permanenter Erderwärmungstheorien bis zum Super-GAU von Fukushima, nachdem die Kohle wieder so wichtig wurde, auch noch für diesen miserablen Sommer in Geiselhaft genommen wird. Übertrieben? Wohl kaum. Hörte man den Experten kurz nach Ausbruch des Massakers in Oslo und Utoya zu, war klar welchen religiösen Hintergrund dieses Massaker mit fast 80 Toten angeblich hatte. Bald stellte sich dann allerdings heraus, dass es Anders B. war, ein 32 Jahre alter Norweger. Nun steuert Ostafrika auf eine weitere humanitäre Katastrophe zu, die nächste Hungersnot klopft an die Tür des schwarzen Kontinents und auch hier wird gleich der Joker des Islamismus im Kontext dieser Tragödie gezogen. Vor allem dient all dies allerdings einer Sache und zwar der, die westliche Welt aus der Schusslinie der Verantwortung zu nehmen. Natürlich mögen islamistische Kräfte partiell auch ihre Mitschuld an dieser Hungersnot oder viel mehr den Missständen bei der Versorgung der Hungernden haben aber die Hauptverantwortlichen sollte man wohl eher woanders suchen.

Spendenprovision für die ARD?
Der Norden des schwarzen Kontinents steht in Flammen, was mit dem Krieg in Libyen am deutlichsten wird. Auch hier beim arabischen Frühling stellt sich natürlich die Frage nach westlichen Interessen und dem Einfluss von dort. Schließlich wollten Interessensgruppen, wie zum Beispiel Desertec, die mit Solarstrom aus der Sahara Europa versorgen wollen, schon vorm Ausbruch dieser Revolutionen mehr Stabilität in der Region, die mit den bisherigen Machthabern kaum im Sinne europäischer Interessen zu realisieren gewesen wären. All dies ist allerdings wirklich das geringere Problem, schaut man nach Ostafrika mit einem Schwerpunkt auf Somalia. Über sechs Jahre der Dürre, die man im Westen, wo Nachrichten im Namen von Facebook und Twitter in Bruchteilen von Sekunden um den Erdball gehen, erst jetzt überrascht wahrnahm, sorgen hier für unvorstellbares Leid, Hunger und Tod. Trotz der gerade angesprochenen technischen Möglichkeiten wuchs im Nachbarland Kenia, ebenfalls fast unbemerkt, das Flüchtlingscamp Dadaab an. Hier leben mittlerweile fast eine halbe Millionen Menschen, was Dadaab zur drittgrößten Stadt Kenias und zum größten Hungerscamp der Welt macht. Wenn es um Berichterstattung von dort geht, ist auch die ARD immer weit vorne mit dabei und man fragt sich auch hier, warum erst jetzt und warum muss bei Spenden, zu denen man natürlich aufruft, eigentlich unbedingt die ARD erwähnt werden? Da könnte man fast denken, dass hier Provisionen gezahlt würden, was natürlich an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten wäre.

Zurück zur Religion, zurück zum Islam. Schaut man sich aktuelle Berichte aus der Krisenregion an, wird immer wieder auf islamistische Milizen hingewiesen, die eine ordnungsgemäße Versorgung der Opfer der Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes bombardieren. Dieser zu verurteilende Akt soll hier auch gar nicht in Frage gestellt werden, die Ursache der Gesamtkatastrophe hingegen schon. Es war Mitte der 1980er als Äthiopien das große Thema war. Vorm Kölner Dom sang man `Nackt im Wind`, in Großbritannien wurde mit `Do they know its christmas` eines der großen Weihnachtslieder überhaupt geschaffen und all dies nur um Geld für die Sterbenden in der Region zu sammeln. Die Musiker der heutigen Zeit stellen so etwas nicht mehr auf die Beine, schließlich hat sich auch die Musikbranche im Rahmen des globalisierten Raubtierkapitalismus der Todeszone massiv angenähert. Aber damals, wie auch jetzt, sind natürlich die Kirchen ganz weit mit vorne dabei und auch hier werden fleißig Spendengelder eingesammelt ohne das man ausreichend hinterfragt, wo hier der nachhaltige Sinn liegt, denn scheinbar nutzt all dies nicht um auf längere Sicht mit einem ausreichendem Maß an Nachhaltigkeit den Betroffenen zu helfen, denn wenn dem so wäre, würde man wohl über ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe von Äthiopien nicht wieder an genau diesem Punkt stehen.

Die Bayern-Party des Papstes
Während in Norwegen zwischen der Hauptstadt Oslo und der Ferieninsel Utoya scheinbar auch in einem gewissen Kontext von christlichem Fundamentalismus fast 80 Menschen bei einem Massaker sterben mussten und der Osten Afrikas wieder in einer unvorstellbaren Hungersnot versinkt, lässt sich Papst Benedikt XVI. in seiner Urlaubsresidenz Gandolfo traditionell bayrisch feiern und man wird nach der Papst 16.0-Geschichte den Verdacht nicht los, als würde man hier eine geniale PR-Vorbereitung der im Herbst anstehende Deutschland-Tour sehen, wie man sie auch von anderen Größen des Showbusiness her kennt. Befriedigende Statements zur angesprochenen Attentatsserie im Norden des Kontinents oder zur hier thematisierten Hungerskatstrophe im Osten Afrikas sucht man scheinbar vergeblich. Feste feiern, scheinbar immer gerne. Große Geldsummen einnehmen, scheinbar noch viel lieber. Aber was ist mit den Menschen? Um den totalen Kollaps zu vermeiden, werden eine Milliarde benötigt und hier wird verhandelt und gefeilscht, wie auf einem arabischen Markt, nur das es dort wahrscheinlich mehr Nächstenliebe gibt. Man tut gerade so, als sei eine Milliarde, eine große Summe. Schaut man sich da die Billionensummen an, um die es aktuell in den USA geht, weiß man welche Bedeutung Milliarden in der heutigen Zeit wirklich haben und erahnt worum es bei der Gesamtproblematik scheinbar wirklich geht. Es geht auch hier um Rentabilität und Macht der westlichen Welt in dessen Schlepptau sich bei solchen Aktionen natürlich auch immer das Christentum befindet.

Ganz plötzlich war wieder eine Hungersnot da, ganz überraschend auch wieder in Ostafrika und noch viel überraschender ist eigentlich nur noch die Überraschtheit der westlichen Welt und des Christentums unter Federführung von Papst Benedikt XVI. Dieses weitere großartige Versagen der westlichen Welt alleine, sagt schon einiges aus aber die Ablenkungsmanöver in Richtung islamischer Welt sind nur noch absurd. Mitte der 1980er, weit vor dem Beginn des so genannten islamistischen Terrors, weit vor 911 hätte man ausreichend Zeit gehabt von Washington über Bonn / Berlin bis hin zum Vatikan für wirklich nachhaltige Hilfe, vor allem zur Selbsthilfe, zu sorgen aber scheinbar ist es das Interesse der westlichen Welt und damit muss man wohl auch vom Christentum sprechen, hier die dauerhaften Abhängigkeiten bestehen zu lassen, schließlich gibt es hier wohl religiös, wie auch wirtschaftlich einiges zu missionieren. Während diese Prozesse auch weiterhin auf dem Rücken der Hungernden, der Schwächsten und Ärmsten dieser Erde ausgetragen werden, versäumt man es auch diesmal offensichtlich für wirkliche Hilfe zu sorgen. Dies bedeutet auch diesmal werden Hungernde sterben, Tag für Tag und auch diesmal wird man nichts daraus lernen und übt sich in der Zwischenzeit lieber in Schuldzuweisungen. Wenn man all dies nun einmal in den Gesamtkontext stellt, wird einem vor allem eines klar und zwar, dass Religion auch an dieser Stelle mehr schadet, als das sie den Menschen wirklich nachhaltig helfen würde und hier gibt es keinerlei Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam. Eine bedauernswerte Einigkeit.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 6 Kommentare ↓

  • 1 Nansy // 10. Aug 2011 at 11:40

    Da war ich jetzt tatsächlich gespannt, mehr über die Ursachen der Hungersnot in Ostafrika zu lesen. Aber außer allgemeinen Schuldzuweisungen kam dann eigentlich gar nichts. Ausflüge in Nebenschauplätze, wie die Namennennung der ARD bei Spendenaufrufen, wie die Bayern-Party des Papstes, bis hin zur pauschalen Schuldzuweisung an das Christentum werden hier zu einer unappetitlichen Sauce zusammengerührt, die überhaupt keine produktiven Ansätze zur Vermeidung solcher Katastrophen bietet. Im Gegenteil, je weiter man liest, desto mehr erschließt sich dem Leser, dass es hier wohl nur um Meinungsmache geht und ganz bestimmt nicht um “fairschreiben”

  • 2 Feydab // 10. Aug 2011 at 12:48

    Europa konnte schon immer und kann auch heute nur auf dem Rücken der afrikanischen Bevölkerung gedeihen, allen gelegentlichen Mitleids- und Willensbekundungen zum Trotz. Das moderne Europa hat noch nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass Afrika nichts weiter ist als die vorgelagerte Rohstoffhalde der ersten Welt, die sich der wahren Religion – das Geld – unterzuordnen hat. Ob König Leopold den Menschen im Kongo die Hände abhacken ließ oder Shell im Niger Delta Umwelt und sogar gelegentlich Bürgerrechtler systematisch hinrichten lässt. Die einstige Hungersnot in Äthiopien wurde Teilbehoben um heute dort Palmöl und Biosprit zu “ernten” währen Herr Niebel die Gelder für medizinische Güter einfrieren lässt, vorgeblich um Korruption einzudämmen – Kann doch nicht sein, dass die Kaffern genesen, während unsere Bonzenkarossen sich die Reifen platt stehen müssen.
    Die lautstarken Versprechungen vom G8 Gipfel in Heiligendamm sind lange vergessen, geblieben sind nur die “„sehr ehrlichen, sehr offene Diskussionen“ (O-Ton Merkel) mit den Vertretern Afrikas, hauptsächlich dann, wenn es um Waffenexporte und Rohstoffverträge geht.

  • 3 Die Redaktion // 11. Aug 2011 at 00:46

    @Nansy. Ich entschuldige mich dafür nicht jedes Niveau zu erreichen und wenn Dir diese `unappetitlichen Sauce` nicht als ausreichende Ursachen reichen, muss dies wohl so hingenommen werden, so bedauerlich es auch ist aber am Ende des Tages kann man es auch wirklich nicht jedem auf seinem Niveau erklären, auch wenn man sich hier natürlich bemüht es für (fast) jeden fairständlich zu beschreiben.

  • 4 Die Redaktion // 11. Aug 2011 at 00:48

    @feydab. Vielen Dank für diese interessante Erweiterung.

  • 5 Nansy // 11. Aug 2011 at 08:25

    @Die Redaktion, gerne nehme ich Eure Entschuldigung an, man kann ja beim nächsten mal die Ursachen genauer benennen und sich weniger in Relativierungen von Aussagen zurückziehen, wie: “..angeblich..” , “..könnte man fast denken..”, “..auch in einem gewissen Kontext..” oder “..aber scheinbar ist es das Interesse der westlichen Welt..”. Das enthebt einen natürlich davon, Fakten zu bringen und zu belegen, gehört aber nicht in eine ernstzunehmende Analyse der Ursachen von Hungersnöten. Das ist auch – aber nicht nur – eine Frage des Niveaus. Es ist auch eine Gebot der Fairness und nicht von der Tageszeit abhängig.

  • 6 Art for Europe » Himmlischer Glanz oder teuflische Berechnung // 12. Sep 2011 at 07:59

    [...] anzumerken ist aber eben auch dort dazugehört. So gibt es auch Künstlertreffen zu denen Papst Benedikt XVI. nach Rom einlädt und auch hier kam schon laut die Frage auf, ob es nicht mehr eine auf PR [...]

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