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Die Wahrheit des Wortes

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BP – So funktioniert Globalisierung

9. Juli 2010

Man mag sich manchmal aus deutscher Sicht denken, dass der Golf von Mexiko und die dortige, von BP verursachte Ölkatastrophe verdammt weit weg ist. Wie falsch diese Einschätzung gerade auch in einer globalisierten Welt ist, wird dieser Artikel verdeutlichen, denn letztendlich klopft diese Katastrophe auch schon längst direkt an unsere Tür. Wir leben in einer Wissensgesellschaft und trotzdem kann angeblich niemand genau sagen, wie viele Millionen oder Milliarden Liter, Tonnen oder was auch immer an Öl bis jetzt schon in den Golf von Mexiko geströmt sind. Dieser Fakt irritiert natürlich und lässt vermuten, dass man die Zahlen schon ganz genau kennt, sie allerdings lieber für sich behält. Welche Auswirkungen diese Verseuchung auch rein gesundheitlich haben wird, wird man so wohl auch niemals erfahren.

Verschwommene Gründe
Nahrungsketten, Handelswege und die totale Globalisierung machen es unmöglich die wahren Folgen der von BP verursachten Katastrophe im Golf von Mexiko zu definieren. Wer weiß denn schon, welcher Fisch dort, welchen Dreck aus Ölschlamm und Corexit gefuttert hat, selber gefressen wurde und sich so die Gifte beim Fressenden ablagerten, der sonst wo gefangen wurde und in Deutschland auf den Tisch kommt. Selbst wenn sich weltweit Krebsraten verändern, was sie so oder so ständig tun, wird man diese niemals direkt mit dieser Katastrophe in Zusammenhang bringen können. An dieser Stelle kann sich BP einigermaßen sicher fühlen, denn würde man den Schaden so genau definieren, wäre der Ölmulti wohl jetzt schon völlig am Ende. Am Ende ist BP noch nicht ganz aber der Konzern steht scheinbar sehr nahe am Abgrund und viele warten auf das Ende.

Man hat lange kein Unternehmen mehr gesehen, dessen Marktwert an der Börse so schnell schrumpfte und man muss natürlich auch die bisher entstandenen Kosten mit berücksichtigen, die man übrigens durchaus nur als Spitze eines Eisberges ansehen darf. Die realen Kosten dieser Katastrophe werden wohl erst in Jahren bzw. Jahrzehnten feststehen, denn zum einem weitet sich die Katastrophe auch aktuell täglich noch weiter aus, da BP noch immer keine Antwort auf diese Katastrophe gefunden hat und zum anderen darf man erwarten, dass hier noch einige, tiefgreifende juristische Auseinandersetzungen folgen werden. Es könnte durchaus sein, dass der angezählte Konzern irgendwann droht zu Boden zu gehen. Genau an diesem Punkte der Geschichte, wird es nun erst richtig interessant, denn man muss sich überlegen, was wohl passieren würde, wenn ein solcher Konzern droht zu Grunde zu gehen.

Systemrelevanz
Nimmt man einfach einmal an, dass das gerade geschilderte Szenario eintreten würde, dann wären bestimmt auch schnell wieder vermeintliche Experten am Start, die dem Unternehmen eine gewisse Systemrelevanz unterstellen würden. Nicht umsonst kündigte die britische Regierung schon an, zu mindestens im Notfall Teile des Konzerns zur Rettung zu verstaatlichen. Diese Rettung eines der großen britischen Unternehmer würde also wieder auf den Rücken der Steuerzahler, des Haushaltes ausgetragen. Genau an dieser Stelle klopft die Katastrophe dann auch direkt an unsere Tür, denn solche Rettungsaktionen, die Haushalte so belasten, führen zu schweren Belastungen des europäischen Wirtschaftsraumes. Auch wenn Großbritannien nicht im Euroclub ist, kann so etwas trotzdem auch ganz schnell zu einem weiteren großen Problem innerhalb der Europäischen Union (EU) werden. Auch so etwas darf man durchaus als eine Folge der Globalisierung ansehen.

Jeder für sich, auch hier in Europa, muss sich nun natürlich im Gegenzug überlegen, wo er zukünftig tankt und sich welchem Unternehmen, wie gegenüber verhält. Es kann nicht sein, dass man in Deutschland am Ende des Tages für die Profitgier britischer Unernehmen bezahlen muss. Es kann ebenso wenig sein, dass man hier im Land Probleme durch die verfehlte Energiepolitik der USA, gegen die sich auch der großen Hoffnungsträger Barack Obama nicht nachhaltig durchsetzt, bekommt. Es scheint nicht nur, aber auch im Fall von BP an der Zeit zu sein, sich aus deutscher Sicht zu überlegen, wie man sich gegenüber dieser raubtierkapitalistischen, angelsächsischen Achse positionieren möchte, um nicht irgendwann in einem Strudel aus Öl, Gift und Korruption mit unterzugehen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Regina Nußbaum // 27. Jul 2010 at 22:30

    Hallo,

    die Thematik der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko erfordert verantwortliches Handeln. Jetzt! Dass ich nicht mehr bei ARAL tanke ist das eine, dass es wohl angesagt ist, weltweit BP zu boykottieren und damit meine Macht als Verbraucher einzusetzen ist das andere. Was soll ich meinem Sohn sagen, wenn ich mit ihm über seine Zukunft auf diesem Planeten spreche? Das ich “nichts gewußt” habe, dass es mir leid tut, was da alles passiert ist?

    Es ist unser Leben und unser Planet, der auf grausame Weise überstrapaziert wird. Mit welchem Ergebnis? Wasser ist das Basiselement auf diesem Planeten. Vergiftetes Wasser vergiftet uns und unsere Tiere, Pflanzen etc. Worauf warten wir noch? Es geht um das gesundheitliche Wohl von uns, unseren Kindern, unseren Enkeln. Welche Ausreden fallen mir noch ein?

    Gier macht mich nicht satt!! Gier und raubtierkapitalistsiches Verhalten löst für mich keine wirklichen Probleme!

    Ich appeliere an die kollektive Intelligenz! Der Planet braucht uns nicht, sondern umgekehrt. Habt Ihr Euch schon mal vorgestellt, wie die Erde leben könnte ohne Menschen?

    Save the planet!

    Herzliche Grüße
    Regina Nußbaum

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