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Die Wahrheit des Wortes

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Bomben in Bombay

1. Dezember 2008

Die Nachrichten zum Bombenterror in Bombay haben ganz offensichtlich ein neues Zeitalter des Terrorismus eingeläutet. Fast 200 Tote, unzählige Verletzte, dass ist das Resultat eines Angriffs islamistischer Terroristen auf die Finanzmetropole Indiens. Diese Attentatsserie beinhaltet allerdings viel mehr Sprengkraft, als man es in der letzten Woche auf Anhieb merken konnte. Natürlich wurden durch diesen Akt des Terrors auch die Wunden im Konflikt zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan erneut aufgerissen, aber es gibt noch ein viel weitreichenderes Problem. Experten gehen davon aus, dass es sich bei den durch das Attentat entstandenen bilateralen Problemen zwischen Indien und Pakistan nur um ein temporäres Problem handeln wird, welches im Gesamtkontext glücklicherweise wohl keine nachhaltigen Konsequenzen haben wird. Ganz anders sieht es da mit dem großen Problem, welches dieses Attentat noch mit sich gebracht hat, aus.

Desinteresse am Tod der Armen dieser Welt

Natürlich war auch diese Attentatsserie ganz klar religiös geprägt aber es ging noch weit über einen religiösen Kontext hinaus. Denn die Attentäter suchten ganz offensichtlich gezielt nach Staatsbürgern aus den USA und Großbritannien aber auch Israels. Die Hetze gegen Israelis und Juden ist aus moslemischen Reihen nichts neues, so kennt man sie zum Beispiel aus Teheran. Diesen Konflikt muss man natürlich in aller erster Linie religiös motiviert betrachten, allerdings geht es bei den Amerikaner und Briten eher darum den wohlhabenden Westen zu treffen und hier geht es nicht mehr um einen religiös begründeten Kontext, sondern viel mehr um den gezielten Einsatz der Opfer als PR-Maßnahme. Dies klingt natürlich zynisch, um nicht zu sagen, dass es zynisch ist. Allerdings bleibt die Frage wer für diesen Zynismus letztendlich verantwortlich ist? Die Antwort auf diese Frage lässt sich auch in Indien finden. In Indien sterben zum Beispiel unzählige Christen, die in Teilen des Landes regelrecht gejagt und ausgerottet werden. Schlagzeilen macht so etwas kaum.

Verlassen wir den Subkontinent mit einer Milliarde Einwohnern kurz und gehen nach Afrika, genauer gesagt nach Nigeria in die Provinzhauptstadt Jos, wo nach den Kommunalwahlen auch hunderte von Menschen starben und nun tausende Menschen auf der Flucht sind. Auch so etwas ist kaum eine große Schlagzeile wert. Sterben die Armen der Ärmsten interessiert dies in der wohlhabenden und vermeintlich zivilisierten Welt scheinbar kaum noch einen. Ist unter den Opfern allerdings zum Beispiel auch nur ein Europäer oder Amerikaner, ist es gleich eine Tragödie. Dieses Ungleichgewicht im Umgang mit dem menschlichen Leben, welches natürlich ganz massiv durch die Medien vorangetrieben wird, führt in letzter Konsequenz auch zu einer neuen Zielorientierung bei den Attentätern. Denn auch sie haben begriffen, dass es keinen Sinn macht, tausende von armen Menschen umzubringen, denn das führt kaum noch zu Aufmerksamkeit. Stirbt allerdings auch nur ein Deutscher, ein Brite oder ein Amerikaner kann man davon überzeugt sein im Rampenlicht zu stehen. Nun sollte die Welt gewarnt sein. Denn so lange man so tut als gäbe es Menschen erster und zweiter Klasse, werden die der ersten Klasse die lukrativeren Ziele sein.

Ausbeutung ist legitim?

Wir leben in einem Zeitalter, in dem Krieg eine völlig neue Bedeutung hat oder viel mehr völlig anders geführt wird. Es geht heute weniger um territoriale Ansätze, als viel mehr um den Kampf zwischen den Armen und den Reichen dieser Welt. Ein Konfliktpotenzial, welches man durchaus aus dem Weg räumen könnte. Allerdings scheinen es die Machthaber und Wirtschaftseliten der so genannten ersten Welt für legitim zu halten, die Schwächeren auszubeuten anstatt sie zu unterstützen. Die Frage nach Ethik und Moral wird an dieser Stelle äußerst selten gestellt. Allerdings sind genau die Stimmen dieser Menschen laut zu hören, wenn sie nach Ethik und Moral im Kontext des Terrors, mit angsterfüllter Stimme, fragen. Denn Mord und Terror verlagert sich nun mehr und mehr in die Tempel des Reichtums und trifft nicht mehr nur irgendwelche bäuerlichen Landstriche, für die man sich nie interessiert hat. Natürlich ist all dies keine Rechtfertigung für Terror, egal in wessen Namen dieser geschieht, denn es gibt keine Rechtfertigung für Terror. Es ist viel mehr der Versuch nach Lösungen zu suchen, Ansätze zu schaffen, dass so etwas, wie zum Beispiel die Attentate von Bombay, nicht noch mehr zum Alltag wird.

Man muss den Schwachen helfen, sie unterstützen, dies ist zum Beispiel ein Lösungsansatz, denn mit schwindender Armut entzieht man auch den Terroristen den Nährboden. Allerdings ist das Verhalten, welches die Welt heute oftmals zeigt, genau das gegenteilige und damit in diesem Kontext außerordentlich Kontraproduktiv. Auch in Deutschland steigt die Armut und auch hier wird es mehr und mehr zu einem Anstieg der Gewalt kommen. Es ist so etwas, wie ein Mikrokosmos, den man hier vorfindet. Die Attentate von Bombay haben gezeigt, dass man gerade auch in der Politik und Wirtschaft umdenken muss. Am Ende des Tages wird man die Mauern gar nicht mehr dick und hoch genug bauen können, um sich zu schützen, von dem Willen dies zu tun ganz zu schweigen. Wenn sich an der immer größer werdenden Gier nichts ändert, wird diese Erde eines Tages im Chaos versinken und dies kann niemand wirklich wollen. Es zeigt sich immer mehr, das die Ausbeutung der schwächer gestellten nicht nur ein ethisches und moralisches Problem darstellt, sondern auch noch ein ganz anderes, uns alle physisch bedrohendes Problem. Wer das noch immer nicht begriffen hat, wird irgendwann erwachen und feststellen, dass seine schlimmsten Träume Realität geworden sind.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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