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Die Wahrheit des Wortes

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BMW, Biedermann und die Brandstifter

30. Juli 2009

Michael Schumacher ist nach drei Jahren endlich zurück in der Formel Eins. Dies ist wohl eine der sportlichen Schlagzeilen dieser Woche. Aber es gibt noch viel mehr in diesem Kontext, so zum Beispiel BMW, die nun ganz auf Nachhaltigkeit setzen wollen und deshalb aus der Formel Eins ausscheiden werden. Hier betont man übrigens ausdrücklich, dass es keinen Zusammenhang zur Weltwirtschaftskrise geben würde. Diese Art kennen wir nun schon lange genug und es ist bei den Unternehmen meist nicht anders, als bei den Fußballtrainern, kurz nach der Bekanntgabe, dass sie fest im Sattel sitzen, sind sie auch schon weg vom Fenster. Im Falle von BMW wird man sehen, wie nachhaltig dort alles ist. Aber natürlich ging diese Woche auch mit Paul Biedermann ein weiterer Stern am deutschen Sporthimmel auf und auch hier werden nun schon die Fragen der Nachhaltigkeit laut. Es war eine Woche in der auch der Sport noch einmal sehr gut zeigte, was die Welt im Moment wirklich ausmacht.

Michael Schumacher kommt und BMW geht

Die Formel Eins scheint mit reinem Sportsgeist schon seit Jahren nichts mehr zu tun zu haben. Es ist ein technisches Wettrüsten auf der einen Seite und ein juristischer Wettkampf auf der anderen Seite. Dies dürfte auch eigentlich niemanden verwundern, schließlich geht es um ein Milliardengeschäft. Vielleicht sollte man in Zukunft direkt Hightechroboter von großen Anwaltsteams gegeneinander antreten lassen, inhaltlich käme dies der Sache wohl am nächsten. Nur am Rande sei erwähnt , dass dies zum einen wesentlich gesünder für die Umwelt wäre und zum anderen würden Horrorcrashs, wie der von Felipe Massa in Budapest am Wochenende ausbleiben. Wobei auch hier ein Haken wäre, denn so zynisch es auch sein mag, ziehen natürlich gerade auch diese Crashs Aufmerksamkeit auf die Königsklasse des Automobilsports. Man merkt auch hier an welchem Riesenrad gedreht wird, was letztendlich auch das Comeback des mittlerweile 40 Jahre alten Michael Schumachers zu Ferrari zeigt. Ob dieser Schuss nach hinten losgeht wird man sehen, schließlich könnte er auch jeder Zeit wieder aussteigen. Nun gut, nachhaltig wäre dies wohl kaum aber das scheint, wenn man der Interpretation von BMW folgt, auch nicht die Stärke dieser Sportart zu sein.

Laut Berichten aus den Medien hat BMW 350 Millionen Euro in dieser Saison in die Formel Eins investiert. Nun gut, mag nun der ein oder andere denken, was bedeutet das schon in einer Zeit in der es offensichtlich nur noch um Milliarden und Billionen geht. Dies scheint man auch bei BMW genau so zu sehen, denn man betont hier immer wieder, dass die Entscheidung nichts mit der Weltwirtschaftskrise, also mit dem Thema Finanzen zu tun hätte. Angeblich sei diese Entscheidung einzig und allein ein Baustein in der Neuausrichtung des Konzerns und da hätte Nachhaltigkeit eine sehr hohe Priorität. Was all dies ganz realistisch zu bedeuten hat, werden die nächsten Monate zeigen. In jedem Fall sieht man an dieser Sportart sehr schön, dass es kaum noch um Kampfgeist, um das sportliche Messen der Kräfte geht. Es geht um Schlagzeilen, die müssen gemacht werden, denn nur so finden sich die Sponsoren, die Werbeträger oft genug in den Medien wieder und nur dann halten sie einer Sportart auch die Stange. Sport im allgemeinen hat sich mehr und mehr zu einem ganz eigenen Zweig der Wirtschaft entwickelt und dies bringt natürlich auch eine massive Veränderung für den Sport mit sich. Viele Fans scheint dies allerdings weder zu irritieren, noch nachdenklich zu stimmen. Hauptsache man ist von der Welt abgelenkt und merkt gar nicht, dass man schon wieder mittendrin ist.

Biedermann und die Brandstifter

Ein weiteres gutes Beispiel, wenn auch auf wesentlich geringerem Niveau, ist da der Schwimmsport und auch hier hat Deutschland nun so etwas, wie den Michael Schumacher der gekachelten Wände. Die Rede ist von Paul Biedermann aus Halle an der Saale. Er hat es geschafft sich bei der Schwimm-WM in Rom mit einer Fabelzeit nach der anderen, ganz weit nach vorne zu schwimmen. Die Krönung dieser Leistung war dann, dass er es schaffte den Superstar des Schwimmsports überhaupt, Michael Phelps aus den USA, zu entthronen. Aber auch in dieser Sportart gibt es einige offene Fragen. So geht es immer wieder um die neuartigen Hightech-Schwimmanzüge, die scheinbar ein neues Zeitalter im Schwimmsport eingeläutet haben, denn mittlerweile scheint fast mit jedem Rennen ein Rekord zu fallen und damit wären wir wieder bei den Schlagzeilen, der Vermarktung und der Wirtschaft mitten im Sport. Wie wichtige Erfolge für die Vermarktung von Sport sind, kann man auch an der immer massiver werdenden Dopingentwicklung ablesen, denn sie ist auch ein gutes Indiz für den stetig steigenden Druck. Biedermann wurde natürlich, schon fast traditionell, auch in Richtung Doping befragt und beteuert, ebenso traditionell seine Unschuld. Dem mag auch hoffentlich so sein, nur man merkt an solchen Punkten auch immer, wie sehr das Vertrauen in den Sport ganz allgemein in den letzten Jahren geschrumpft ist.

Bei all dem darf man natürlich auch nicht vergessen, dass wir hier auch eine politische Ebene haben, schließlich ist dieser Bereich der Gesellschaft auch in der Bunderregierung vertreten. Der Sport gehört zum Ressort des Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble (CDU) und man muss wohl festhalten, dass man zu der gerade genannten Entwicklung, die natürlich auch Auswirkungen auf den Breitensport hat, von dieser Seite etwa soviel hört, wie zum Thema Schweinegrippe von der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Wenn die Politik nicht in der Lage ist, die geisteigen Brandstifter zu stoppen, die sich in weiten Bereichen des Sports immer mehr ausbreiten und diesen immer mehr zu einem weiteren Spielball der globalisierten Wirtschaft machen, sollte sie zu mindestens so ehrlich sein und diesen Bereich aus dem Ressort des Inneren entfernen. Bei den aktuellen Entwicklungen von Schumacher über BMW bis Biedermann, wäre es nur ehrlich diese Aufgabe zukünftig auch unter die Obhut von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu stellen, denn schließlich scheint der Sport sehr gut in das Bundeswirtschaftsministerium zu passen. Es ist eine traurige Entwicklung die sich auch im Sport immer weiter ausbreitet, denn an Vertrauensverlust in der Politik ist man schon seit Jahren gewöhnt, in der Wirtschaft hat man sich langsam daran gewöhnt aber jetzt auch noch im Sport, dass ist wirklich hart.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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