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Die Wahrheit des Wortes

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Blutiges Afrika

2. Januar 2008

Nachdem das Jahr 2007, mit dem Attentat auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto, blutig zu Ende ging. Ein Ende der Problematik auch hier noch nicht abzusehen ist, da wie heute bekannt wurde, die ursprünglich für den 8. Januar angesetzten Wahlen, auf den 18. Februar diesen Jahres verlegt wurden und somit die Spannungen im Land bleiben werden. Kam es noch zu einem weiteren schweren Konflikt, in dem es ebenfalls um Wahlen geht. Denn auch im ostafrikanischen Kenia, und darum soll es in diesem Artikel gehen, geht man mit dem Gut Demokratie anders um, wie wir es als Europäer auf Anhieb gewohnt sind.

Neue afrikanische Krise?

Kenia, eigentlich bis zum Jahresende, so etwas wie das Vorzeigeland demokratischer Entwicklungen auf dem schwarzen Kontinent, geriet über die Wahlen vom 27.Dezember 2007 an den Rand eines Bürgerkriegs, an dem es noch immer steht. Denn schon bald wurde klar, dass sich diese Wahlen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Amtsinhaber Mwai Kibaki (76) und dem aussichtsreichen Oppositionskandidaten Raila Odinga (62) entwickelten. In einer Bandbreite von Vorwürfen der Wahlfälschung, bis hin zu ethnischen Säuberungen, wurde die Stimmung immer explosiver. Mittlerweile scheint es, als hätte Afrika, der schon von so vielen Problemen, Krisen und Kriegen geschüttelte Kontinent, einen weiteren, einen neuen Krisenherd. Denn schon für morgen hat der Oppositionsführer Odinga, seine Anhänger zu einer Großdemonstration aufgerufen und es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass alles ruhig bleibt. Allerdings haben die letzten Tage gezeigt, dass es genauso gut der Beginn einer weiteren afrikanischen Tragödie werden könnte. Denn ein sehr großer Teil, der über 14 Millionen Wahlberechtigten, ist völlig enttäuscht, da es so aussieht, als ob die Demokratie Mal wieder mit Füßen getreten worden sei.

Denn außer einem Verbot dieser Kundgebung, zeichnen sich auch hier, wie so oft in diesem Teil der Welt, wieder ethnische Probleme ab. Spätestens seitdem grauenvollen Massaker, welches am gestrigen Tag über 30 Menschen, die in einer Kirche in Eldoret in Westkenia Zuflucht gesucht hatten, das Leben kostete, weil ein tobender Mob diese Zufluchtsstätte angezündet hatte, hat die Auseinandersetzung eine noch schlimmere Qualität erlangt. Wobei die Szene, die wir zuvor sahen, auch nicht im Ansatz erahnen ließen, dass sich hier eine Demokratie entwickeln könnte. Denn wenn das Militär mit einer solchen Härte, im Endeffekt gegen jeden vorgeht, ist dies sicherlich kein Zeichen demokratischer Entwicklungen. Aber wie kommt es zu all den Gewaltexzessen, die für uns erst ein Mal völlig unverständlich sind?

Das alte Spiel des Machterhaltes

Ganz banal gesagt, ist es in Afrika nicht anders als in Pakistan oder auch hier in Deutschland. Die Grundproblematik ist die gleiche. Nur die Art, wie damit umgegangen wird, ist natürlich eine völlig andere. Am Ende des Tages, geht es aber auch hier nur um eines, den Erhalt von Macht bzw. die Erlangung dieser. Dazu ist man auch auf anderen Kontinenten bereit einiges zu tun. Letztendlich auch in Europa. Allerdings reden wir hier von einer völlig anderen Art der eingesetzten Mittel. Demokratie, bekommt man ein Mal mehr das Gefühl, ist für manche Menschen nur so lange tolerierbar, wie sie den Machthabenden nutzt. Ist dem ein Mal nicht mehr so, wie es nun in Kenia den Anschein hat, ist die Einhaltung demokratischer Regeln eher irrelevant und man greift zu anderen Mitteln, um die Macht zu erhalten oder zu erlangen. Denn man darf bei allem auch die Vorwürfe gegen den Oppositionsführer Odinga nicht völlig außer acht lassen. Die Anschuldigungen einer ethnischen Säuberung durch die Opposition, sind natürlich auch sehr schwerwiegend und es bleibt abzuwarten, was aus ihnen wird.

Was das Problem um ein vielfaches verschärft, auch wenn dies wieder außerordentlich makaber klingen mag, ist die Gier nach Demokratie, die in diesen Ländern sehr stark vertreten ist. Es ist eine mehr als positive Entwicklung, keine Frage. Allerdings, geraten natürlich andere, auf Anhieb unterschwellig wirkende Konflikte, plötzlich und explosionsartig an die Oberfläche, wenn diese Menschen feststellen, dass wieder nicht die Demokratie gesiegt hat, sondern scheinbar Vetternwirtschaft und Korruption der Leitfaden zu sein vermag. Gerade auch in Afrika haben natürlich die angesprochenen ethnischen Probleme, die sich oftmals durch ein, gerade auch für europäische Augen, Wirrwarr an Stämmen ergeben, noch ein Mal eine ganz andere Sprengkraft inne, als man es von hier kennt. Wobei es natürlich auch in Europa schwerwiegende ethnische Probleme mit Sprengkraft gibt, wie nicht zu letzt die aktuelle Kosovoproblematik zeigt. Aber es ist trotzdem noch ein Mal etwas ganz anderes.

Mit guter Hoffnung

Es gibt natürlich immer wieder positive Entwicklungen, was die Ausbreitung der Demokratie auf unserem Planeten angeht und es haben Länder, wie die DDR oder auch die Ukraine bewiesen, dass ein Wandel auch friedlich funktionieren kann. Nun reden wir aber wie gesagt nicht über Europa, sondern über den schwarzen Kontinent und auch wenn wir hier, mit dem Ende der Apartheid in Südafrika, ein gutes Beispiel für positive politische Entwicklungen haben, muss man leider auch immer vor Augen haben, dass die Masse an Negativbeispielen noch immer überwiegt. Egal wie sollte man die Hoffnung nicht verlieren, auch nicht was die anstehende Großdemonstration angeht. Vielleicht ist es ja doch der Beginn, einer afrikanischen Überraschung, an die wir heute alle noch nicht glauben mögen. Zu wünschen wäre es, nicht nur für die Menschen in Kenia, sondern für den ganzen Kontinent.

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Kategorie: Politik

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