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Die Wahrheit des Wortes

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Blut und Öl aus Libyen

23. Februar 2011

Wieder Neues aus Nordafrika. Auch Libyen stand ganz weit oben auf der Wunschliste der Staaten, die doch unbedingt noch eine Revolution brauchten und schon ist auch sie da. Natürlich haben auch all diese Revolutionen, Aufstände und Proteste in Nordafrika und der arabischen Welt ihre Nachteile für das globalisierte, raubtierkapitalistische System, so musste gerade erst der Formel Eins-Auftakt in Bahrain abgesagt werden aber dies sind Kleinigkeiten im Kontext des ansonsten zu machenden Geschäfts. Libyen und gerade der dortige Machthaber Muammar al-Gaddafi sollten der Welt noch in guter Erinnerung sein, denn er hat gerade auch der westlichen Welt viel Leid und Schrecken gebracht und dies weit vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Fakt ist auch, dass er es zurück ins politische Geschäft schaffte und gerade auch in Europa bald wieder ein beliebter Gast war. Ein Schelm, wer hier an die Macht von Öl glaubt. Nun ändern sich die Spielregeln aber gerade ganz massiv in Nordafrika und der arabischen Welt und da scheinen seine Karten nicht mehr die besten zu sein. Denn es gibt offensichtlich mächtige neue Pläne für die Region und womit könnten dies wohl zu tun haben?

Kein Blut für Öl?
Es war und ist die Familie Bush denen man in zwei Generationen vorwarf Kriege nur für Öl zu führen und man erinnert sich noch gut an die Demonstrationsplakate auf denen zu lesen war: `Kein Blut für Öl`. Nun ändern sich die Zeiten und die Ära Bush ist Geschichte und die USA haben mit Barack Obama einen neuen, smarten Machthaber, dem man es scheinbar nicht übel nimmt, wenn er ähnliche Interessen vertritt, schließlich bekam er unter anderem auch für den Krieg in Afghanistan einen Friedensnobelpreis, während man seinen Vorgänger George W. Bush dafür noch bis hinter die Hölle jagen wollte. Die Welt ist einmal mehr erstaunt, denn trotz erneuerbarer Energien, die wo es nur geht, vor allem als neue Geschäftsfelder, um jeden Preis etabliert werden sollen, bleibt das Öl noch relevanter als manch einer dachte, auch das zeigt die Krise in Libyen ganz deutlich und nicht umsonst redet man schon von einer anstehenden Ölkrise, die allerdings auch noch ganz andere Hintergründe und Triebfedern haben dürfte. Aber hinter der aktuellen Geschichte scheint mehr zu stecken. Eins steht fest, es werden wieder richtig fette Zeiten für Spekulanten und Bonifikationsjäger, die sich jetzt schon freuen dürften. Für Menschen die ein Auto haben, Heizöl benötigen oder ähnliches, könnte es wieder teuer werden aber das ist man schließlich schon gewohnt.

Man kann aber auch jetzt schon wieder die Trittbrettfahrer aus der Politik und Wirtschaft erahnen, denn natürlich wird sich all dies auch wieder auf die Weltwirtschaft auswirken und man kann unter diesem Mantel wieder sehr viel eigenes Versagen vergraben und wird dies wohl auch wieder tun. Damit es nicht zu einem erstrebenswerten, längst überfälligen Systemwechsel kommt, muss man in diesen Tagen einiges tun, von der Schaffung neuer Produktionsregionen bis hin zur Erschließung neuer Absatzmärkte, da bietet sich Nordafrika und die arabische Welt aber auch wirklich an. Der Vorteil, hier hat man gleich beides. Damals, als der Schwerpunkt, gerade auch in Libyen, noch rein auf dem schwarzen Gold lag, verzieh man Muammar al-Gaddafi auch schon einmal, dass er im Dezember 1988 einen Jumbo über dem schottischen Lockerbie sprengte oder mit ähnlichen Akten des Terrors auf sich aufmerksam machte. Nun sieht es ganz anders aus, denn man will scheinbar wesentlich mehr, als es noch damals der Fall war. Die Welt verändert sich und dies zeigt sich in diesen Tagen so massiv, wie lange schon nicht mehr. Dabei gab es Vorzeichen, die natürlich keiner sehen wollte. Nordafrika muss stabiler und sicherer werden, gerade auch aus europäischer Sicht. Hier heißt das Stichwort Desertec. Gibt es da etwas schöneres als Volksaufstände die man dazu nutzen kann, die viel zitierte Demokratie nach westlichem Vorbild zu installieren?

Ist Desertec ein Gewinner der aktuellen Situation?
Hier wurde schon häufiger über Desertec berichtet, denn es ist in jedem Fall ein beobachtungswürdiges Projekt. Es geht um den Milliardenmarkt der Energiegewinnung und um die Kämpfe die scheinbar langsam aber sicher auch um die Ressourcen der Zukunft beginnen. Jeder der dachte, dass die Endlichkeit des Öls mehr Frieden und Freiheit bringt, da Sonne und Wind keinem gehören, hat sich getäuscht. Denn auch hier geht es um geopolitischen Einfluss und damit wird es spannend, dass was sich in diesen Tagen im Norden Afrikas, in unmittelbarer Nähe der Sahara, tut, sollte man durchaus auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Diese Region ist ein Traumgebiet zur Gewinnung von Solarenergie. Einziger Nachteil ist eben die politisch instabile Lage. Desertec ist ein Konsortium, welches an dieser Stelle Afrikas im großen Stil Solarenergie, vor allem auch für Europa, gewinnen möchte. Nun ist dies natürlich in einer Gegend, in der eine oder mehrere Demokratien nach westlichem Vorbild herrschen, wesentlich einfacher und lukrativer, als es im Moment noch der Fall ist. Da kann man schon einmal durchaus davon sprechen, dass wenn sich die Lage auch nur mittelfristig in die genannte Richtung bewegt, bei den Big Playern von Desertec die Champuskorken knallen dürften. Es scheint, als hat auch auf dem Gebiet der Energiewirtschaft eine ganz neue Bewegung begonnen.

China heißt der Angstgegner und dies gilt sowohl für Europa und hier natürlich vor allem für die Europäische Union (EU) aber vor allem natürlich auch für die USA, die dort quasi am finanziellen Tropf hängen. Nun haben die USA den schwarzen Kontinent, im Gegensatz zu den Chinesen, völlig verschlafen und auch Europa ist nicht da, wo man scheinbar sein möchte. Auch dies erklärt einiges bzw. lässt einige Vorgänge der jüngsten Zeit in einem ganz neuen Licht erleuchten. Man sieht auch an diesem Beispiel, dass es immer wichtiger wird sich mit der Gesamtheit zu beschäftigen und nicht nur die kleinen Einzelbaustellen zu betrachten. Im kleinen ergibt vieles erst einmal gar keinen Sinn oder führt schnell zu Fehleinschätzungen, was sich allerdings in der Darstellung einer gewissen Gesamtheit ganz anders darstellt. Das natürlich die, die von alldem einmal profitieren wollen, ganz andere Nachrichten und Inhalte verbreiten, liegt auch in der Natur der Sache, denn wenn die breite Masse von Afrika über Europa bis in die USA begreifen würde, worum es hier wirklich geht, müsste man gerade auch in Europa und den USA Systeme wie zum Beispiel in China einführen, da man die Massen dann mit Talkshows und Soaps nicht mehr im Griff halten könnte. Da sieht man, dass es einfacher ist dies auf dem Wege gezielter Desinformation zu lösen und letztendlich ist es natürlich auch der friedlichere Weg, um es einmal mit dem passenden Zynismus zu beschreiben.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Für eine andere Welt | Jungelcamp.de // 24. Feb 2011 at 11:17

    [...] Erwachen der afrikanischen Welt auf sich? Geht es doch im Grunde nur um witschaftliche und geostrategische Interessen der westlichen [...]

Schreib was dazu