Bhuttos Tod und die Folgen für Pakistan
28. Dezember 2007
Gestern wurde die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto, mit einem gezielten Attentat, in der Garnisonsstadt Rawalpindi in der Nähe von Islamabad getötet. Damit haben es die extremistischen Kräfte in Pakistan ein Mal mehr geschafft gegen die Demokratie zu arbeiten. Wobei diese Aussage schon wieder einige Fragen offen lässt. Welche Extremisten waren am Werk? Was bedeutet Demokratie in Teilen der Welt, wie Pakistan? All dies sind Fragen, die im Kontext dieses feigen Attentats aufkommen. Nicht zu letzt stellt sich auch immer wieder die Frage, nach der Einflussnahme des Westens in solchen Situationen.
Die Geschichte der Bhuttos
Die 54-jährige Benazir Bhutto stammte aus einer der einflussreichsten pakistanischen Politikerfamilien, die schon seit langer Zeit auf das politische Geschehen Pakistans Einfluss genommen hatten. Ihr Vater Zulfikar Ali Bhutto, neben dem sie heute, in dem kleinen Dorf Garhi Khuda Baksh beigesetzt wurde, kam im April des Jahres 1979 ebenfalls gewaltsam ums Leben. Er wurde durch einem Militärputsch entmachtet und danach in einem fragwürdigen Prozess, zum Tode verurteilt und gehängt. Benazir Bhutto, die in Oxford und Harvard Politikwissenschaften studierte, regierte Pakistan zwei Mal, musste das Land aber auch immer wieder verlassen. So lebte sie bis Mitte Oktober diesen Jahres in Dubai und London im Exil.
Nach einer Absprache mit dem jetzigen Präsidenten Pervez Musharraf, der ihr Amnestie zusicherte, da es noch immer ungeklärte Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Korruption gegen sie gab, kehrte sie Mitte Oktober nach Pakistan zurück. Sie wurde von weiten Teilen der Bevölkerung mit offenen Armen empfangen und galt, gerade auch im Westen, als große Option für mehr Demokratie im Land. Genau hier setzten aber auch zum Teil die Probleme ein, denn wie beschrieben, wurde auch sie die immer wiederkehrenden Korruptionsvorwürfe nie ganz los. Durch ihren Tod ist natürlich in erster Linie eine Märtyrerin geschaffen worden und über ihren Tod hinaus schafft sie es diesen Fakt zu untermauern, wie man jetzt schon sagen kann.
Die bekannten Gefahren
Wie sehr sie in Gefahr war, war nicht erst seit dem schweren Attentat vom 18. Oktober, welches sie noch knapp überlebte, klar. Bei diesem Attentat, bei dem fast 140 Menschen starben, wurde ein Mal mehr klar, wie ernst es ihre Gegenspieler meinten. Mark Siegel, ein Sprecher Bhuttos, verlas jetzt eine E-Mail, in der sie Musharraf für ihren Tod mitverantwortlich machte, da er sie nicht ausreichend geschützt hätte. So zählte sie eine ganze Reihe an Mitteln auf, die ihr, zu ihrem Schutz verweigert wurden. Dies ist ein weiteres Indiz für die Komplexität der Situation. Denn Musharraf stellte Bhutto zum Teil unter Hausarrest, eben auch unter der Maßgabe, sie schützen zu wollen. In den Medien wurde dies allerdings meist, in erster Linie als negative Einflussnahme, auf den aktuell laufenden Wahlkampf, für die Wahlen am 8. Januar nächsten Jahres dargestellt.
Und hier ist ein weiteres Problem verborgen. Wie auch vielfach in Deutschland, wird jede noch so kleine Chance genutzt, um Macht zu erhalten. Wobei es gerade auch in Pakistan wesentlich härtere Fakten in diesem Bereich gibt und es so noch schwererer zu klären ist, wer wirklich gut für das Land ist und wem es nur um seine persönlichen Vorteile geht. So wird oftmals vergessen, dass Musharraf ein ganzes Stück weit für mehr Pressefreiheit im Land gesorgt hatte und somit auch einen Beitrag zur Demokratisierung geleistet hat. Oppositionspolitiker wie Nawaz Sharif, der eine ganze Zeit lang Bhuttos größter politischer Gegner war, wird nun postmortal zu einem ihrer engsten Verbündeten. Denn er versucht nun zu einem Wahlboykott und Streiks aufzurufen, genau dies würde aber nur zu einer unnötigen Verlängerung des gerade entstandenen Machtvakuums führen.
Das hohe Gut Demokratie
Jeden Tag, den diese Probleme länger anhalten, rutscht das Land weiter in Richtung Bürgerkrieg ab und entfernt sich somit immer schneller von der Demokratie weg. Auch dies ist natürlich ein großer Teil Politik, denn in diesem Land, in dem außerordentlich viele arme Menschen leben, die gerade auch für islamistische Extremisten ein gutes Nachwuchspotential darstellen, wächst, so hat es zu mindestens im Moment den Anschein, mehr und mehr der Einfluss der radikalen islamistischen Einflüsse überproportional und das kann, gerade auch dem Westen, nicht gefallen. Zu Mal man nicht vergessen darf, dass wir bei Pakistan von einer Atommacht sprechen. Ein Grund mehr für Ruhe und Ordnung und somit letztendlich auch für mehr Demokratie in diesem Land zu sorgen.
Aber mit wem sollte es nun in diese Richtung weitergehen. Diese Details werden auch weiterhin interessant zu verfolgen sein, denn gerade der Westen hat immer wieder bewiesen, dass er allzu oft die Fronten wechselt und so auch immer wieder aus Freunden Feinde und umgekehrt wurden, so lang es dem erreichen eigener Ziele half. Genau an dieser Stelle spielt natürlich die Bekenntnis Al-Qaidas zum Attentat auf Bhutto, eine große Rolle, denn es reiht sich in die Geschehnisse vom 11. September nahtlos ein und erhärtet ein weiteres Mal die Front gegen den internationalen Terrorismus und dies hat leider, wie zum Beispiel Fälle wie Guantanamo Bay gezeigt haben, auch in den westlichen Staaten zum verlassen des demokratischen Weges beigetragen. Genauso etwas stellt natürlich keine sehr gelungene Vorbildfunktion für Staaten wie Pakistan oder auch Afghanistan dar.
Der Westen muss, das hat die Vergangenheit auch immer wieder bewiesen, darauf achten, dass man nicht eines Tages da steht und feststellen muss, dass man die Geister die man rief, nicht mehr los wird. In sofern ist es auch sehr wichtig die Einflussnahme auf Pakistan, wenn überhaupt, mit Feingefühl vorzunehmen, damit es hier nicht zu einem weiteren Flächenbrand kommt. Denn gerade auch eine Atommacht, wie Pakistan es ist, verfügt über ein Gefahrenpotential, welches weit über die Grenzen der Region hinausgeht.
Kategorie: Politik
































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