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Die Wahrheit des Wortes

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Bernie Madoff-Eine Quelle des Wahnsinns

30. Juni 2009

Bernard Lawrence `Bernie` Madoff hatte einen sehr guten Ruf in der internationalen Finanzwelt, denn auch nur durch einen solchen konnte er seine Verbrechen erst ausüben und seine Anleger um mehr als 60 Milliarden US-Dollar erleichtern. Um an seinem Geschäft teilzuhaben benötigte man zwei Voraussetzungen, zum einen mindestens eine halbe Millionen US-Dollar und zum anderen eine Empfehlung. Allerdings sollte sich herausstellen, dass seine Geschäftsidee eine altbekannte war, denn es war nichts anderes als ein riesiges Schneeballsystem, also Betrug. Genau dafür wurde der 1938 in New York geborene, jüdische Geschäftsmann nun verurteilt und zwar zu 150 Jahren Haft ohne Bewährung. Am Beispiel eines solch, lange Zeit sehr angesehenen Mitgliedes der internationalen Finanzwelt, sieht man sehr deutlich, wie angebracht ein hohes Maß an Skepsis in diesem Bereich ist.

Quelle gerettet?

Auch dies ist eine Schlagzeile, die einen aufhorchen lässt. Am gestrigen Abend konnte man in den tagesthemen der ARD verfolgen, dass man sich in der Politik nun doch einig geworden ist, was den so genannten Massekredit von 50 Millionen Euro für Quelle angeht und man auch von einem positiven Ergebnis der Prüfung durch die Europäische Union (EU) am heutigen Tag ausgeht. Auch hier sollte man die Details in Ruhe begutachten, denn noch am Wochenende konnte man in den Medien hören, dass das Geld auf den Konten bei Quelle, kurz vor der Insolvenz des Mutterkonzerns, noch auf dessen Konten transferiert worden sei. Noch interessanter war allerdings der Hinweis darauf, dass wenn die Hilfsgelder nicht bis zum gestrigen Abend in trockenen Tüchern seien, dies dann wohl das unwiderrufliche Aus für den Versandhändler bedeuten würde. Ähnliche Aussagen kennt man noch von der anderen Arcandor Tochter Karstadt. Im letzteren Fall gab der Insolvenzverwalter später bekannt, dass es für Karstadt gar nicht so schlimm ausgesehen hätte und man auch noch einige Zeit ohne frisches Kapital auskommen würde.

Es ist nicht die Aufgabe unserer Redaktion zu beurteilen, ob dies alles noch zu diesem Pokerspiel um Millionen und Milliarden gehört oder schon strafrechtlich relevant ist, allerdings bleibt ein fader Beigeschmack und wieder die Feststellung, dass noch immer gezockt wird, als sei nie etwas geschehen. Gerade letzterer Punkt könnte einen schon außerordentlich nervös machen. Das man ganz offensichtlich auch in Fall Quelle schlichtweg Trends verschlafen hat, wie es gerne, etwas verharmlosend in den Medien beschrieben wird, ist ein weiterer Beweis für die massiven Verfehlungen in den verschiedensten Bereichen des so genannten deutschen Topmanagements. Zwei von drei Neukunden bei Quelle werden über das Internet generiert und der neuen Internetauftritt ist gerade einmal vor vier Wochen an den Start gegangen. Da überrascht es nicht das Mitbewerber, wie Neckermann und Otto, Onlineanteile von über 50 Prozent haben und Quelle gerade einmal 30 Prozent. Dieses nostalgiehafte, was vielem in diesem Land anhaftet, dieses Ausruhen auf Traditionen und dem was einmal alles gut war, führt, wie man auch an diesem Beispiel sieht, nur allzu oft in die Krise.

Mit dem 911er Golf vor die Wand!

Aber es gibt nun einmal auch noch andere Sorgen die plötzlich und scheinbar völlig überraschend auftauchen. Seit Wochen redet man in den Medien allgemein darüber, wie schlecht es der Wirtschaft in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt geht. Im speziellen redet man aber auch immer wieder von der riesigen Krise bei Quelle, scheint dann aber überrascht darüber, dass nun wohl auch noch die Bestellungen einbrechen, da scheinbar eine Vielzahl der Kunden das Vertrauen in Quelle verloren haben. Es ist erschrecken, was die Eliten und Experten in diesem Land so alles überrascht. Mit weiteren Überraschungen darf übrigens auch noch auf einem ganz anderen Sektor der deutschen Wirtschaft gerechnet werden. Die Rede ist von der vorerst gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche. Dieser weitere Geniestreich deutscher Wirtschaftsleistung führte dahin, dass nun VW am gestrigen Tage wohl Porsche eine Übernahmeofferte übermittelte, denn der Übernahmeversuch hat Porsche an den Rand des Ruins getrieben. Immerhin spricht man hier von einem der Vorzeigeunternehmen in Deutschland, wie es auch Siemens und die Deutsche Bank sind, die im übrigen auch schon alle ihre Macken weg haben.

Man sieht, man muss in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft, wie natürlich auch in vielen Bereichen der Politik, vom völligen Versagen sprechen und überraschen tut einen gar nichts mehr. Vielleicht gibt es irgendwann einmal einen 911er Golf aus einem Haus, vielleicht ruinieren sich aber auch gerade beide Unternehmen mit der gegenseitigen Übernahmezockerei und wir haben demnächst weitere Traditionsunternehmen, die durch die Gelder aus der Mitte der Gesellschaft finanziert werden müssen. Denn Deutschland ohne Porsche und VW ist genauso undenkbar, wie ein Deutschland ohne Opel, Karstadt und Quelle. Wäre man diesem Ansatz früher gefolgt, hätte man sich fragen müssen, ob die richtigen Menschen die Verantwortung in diesen Unternehmen getragen haben und wäre wahrscheinlich bei einer ehrlichen Betrachtung zu dem Schluss gekommen, dass diese Menschen, für diese Positionen nicht geeignet gewesen sind. Denn das zeigt sich schon seit Monaten mit jeder neuen Hiobsbotschaft die am Finanzhimmel auftaucht, nur leider endet es für die Verantwortlichen nur allzu selten, wie für Madoff und seine Verurteilung wurde von großem Applaus begleitet.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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