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Die Wahrheit des Wortes

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Beinahe-Katastrophe in Kölner U-Bahn

13. November 2008

Das Ende des gestrigen Tages, aber auch der Beginn des heutigen Tages verlief für unsere Redaktion in Köln sehr spannend. Was war geschehen? Am gestrigen Abend bekamen wir mir mit, wie immer mehr Feuerwehrfahrzeuge aus der, der Redaktion gegenüberliegenden, Feuerwache ausrückten. Sie fuhren allerdings nur einige Meter weit und sammelten sich an der nächsten großen Hauptkreuzung, wo sie offensichtlich auf weitere Einsatzkräfte trafen. Es war gegen 20 Uhr und wir schauten einige Zeit aus der Redaktion zu, wie der Einsatz immer größer wurde. Schließlich beschlossen wir uns das Geschehen vor Ort zu betrachten und stellten schon nach einigen Metern fest, dass es ganz offensichtlich ein Problem im U-Bahnschacht gab, denn aus diesem stieg massiv beißender Qualm auf.

Kein Terrorakt

Wir versuchten uns einen ersten Überblick am Unfallort zu verschaffen, was sich erst ein Mal als nicht ganz so einfach erwies. Schaulustige sprachen von einem Terroranschlag, was wir allerdings sofort für reine Panik mache hielten, da für ein solches Szenario die Einsatzkräfte doch zu ruhig schienen. Wir konnten allerdings auch mitbekommen, dass ganz offensichtlich noch eine U-Bahn im unterirdischen Bahnhof feststeckte und es wohl auch Verletzte gab. Einige Zeit später rückte auch noch ein schwerer Feuerwehrkran an, was erst ein Mal Schlimmes vermuten ließ. Wir unterhielten uns mit einigen Sicherheitskräften, die nicht sehr auskunftsfreudig waren aber den Schluss zuließen, dass man hier wohl nicht von einer Katastrophe sprechen müsste. Wir suchten zu Fuß noch den nächsten U-Bahnhof in Richtung Innenstadt auf, wo auch noch einige Rettungskräfte versammelt waren aber ganz offensichtlich nur präventiv. So beschlossen wir erst ein Mal zurück in die Redaktion zu gehen.

Gut eine Stunde nachdem Beginn dieses massiven Feuerwehreinsatzes, versuchten wir also über das Fernsehen und das Internet weitere Hintergründe zu recherchieren. Fehlanzeige. Im WDR konnten wir weder etwas in den Abendnachrichten erfahren, noch im Videotext. Also versuchten wir es über den Nachrichtensender n-tv, der mit seinen Studios, genau wie der WDR, nur einen Katzensprung vom Unglücksort entfernt angesiedelt ist aber auch hier keine Chance auf aktuelle Nachrichten. Also ab ins Internet. Viele Stadtportale beschäftigten sich noch immer mit dem Beginn des Karnevals am Vortag, was nicht gerade für Aktualität spricht. Als wir auch hier zu scheitern drohten, kamen wir auf die Idee es auf den Internetseiten der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) zu versuchen, unser Ansatz war, dass man hier zu mindestens auf das massive Verkehrschaos hinweisen würde aber auch hier gab es keine Chance an Informationen zu gelangen. Nachdem ganz offensichtlich alle lokalen aber auch die überregionalen Redaktionen Feierabend hatten, schlossen wir uns dem spät am Abend erst ein Mal auch an.

Brandkatastrophe auf der A2

Da mir das Thema keine Ruhe ließ, begann ich vor einigen Stunden die Recherche wieder aufzunehmen. Fernsehen und Videotext erwiesen sich aber auch an diesem Morgen nicht als nützliche Nachrichtenquelle, also wieder ins Internet und ich wurde fündig. Nach einigen Artikeln hatte ich die Informationen zusammen, dass 120-185 Feuerwehrleute im Einsatz waren und das weil sich ein Feuer unter einem Sitz in der Linie 3 entwickelt hatte. Dieser wohl nicht sehr große Brand in einem der Wagons führte dann in der Haltestelle Äußere Kanalstrasse zu dieser massiven Rauchentwicklung. Obwohl diese Haltestelle im Moment durch Bauarbeiten nur stark eingeschränkt zu nutzen ist, konnten sich wohl alle Fahrgäste in Sicherheit bringen. Sieben Personen wurden auf Rauchgasvergiftung untersucht, vier von ihnen konnten danach den Unglücksort verlassen, die restlichen drei mussten mit einer leichten Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Abschließend bleibt festzuhalten, dass glücklicherweise kaum etwas passiert ist. Allerdings steht auch fest, dass Köln nur knapp einer Katastrophe entgangen ist.

Die Katastrophe, die sich letzte Woche auf der A2 bei Hannover ereignete, wo in einem Bus 20 Menschen verbrannten, zeigt wie schnell aus einer kleinen Brandquelle, wie es ganz offensichtlich auch in dieser U-Bahn der Fall war, ein verheerendes, tödliches Großfeuer werden kann. Man mag gar nicht darüber nachdenken, welche Folgen ein solches Szenario einige Meter weiter im U-Bahnschacht gehabt hätte. Die Frage die allerdings weiterhin erst ein Mal ungeklärt bleibt ist, wieso die Berichterstattung über einen solchen doch massiven Störfall mitten in der Medienstadt der Republik, so lahmte bzw. teilweise gar nicht stattfand. Es beschleicht einen das Gefühl, dass hier gezielt abgewartet wurde, um der KVB nicht zu Schaden und Panik auszulösen. Dabei bleibt, gerade auch in einer Zeit, wo zum Beispiel auch die Deutsche Bahn nicht aus den Negativschlagzeilen kommt, die Frage offen, wie konnte es zu dem Brand kommen? Welche Maßnahmen werden von Seiten der KVB unternommen, damit es nicht beim nächsten Mal wirklich zu einer Katastrophe kommt. Denn beängstigend war auch schon dieses Szenario.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Technik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Mario Gongolsky // 14. Nov 2008 at 08:36

    Hallo nach Köln,
    ich kann Eure Beobachtung nur bestätigen. Einzig die DDP hat einen Bericht dazu. Bei der KVB gab es nichtmal auf Nachfrage eine Auskunft, die Feuerwehr Köln leistet auch keine nutzbare Pressearbeit. In der Tat mehr als nur merkwürdig.

    Grüße aus Bonn,
    Mario Gongolsky

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