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Die Wahrheit des Wortes

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Barack Obama-Wenn Terror Politik macht

28. Oktober 2008

Noch eine Woche bis zu den Wahlen des Jahres. Am 04. November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Dieser soll ganz offensichtlich, gerade auch aus Sicht deutscher Medien, der Demokrat Barack Obama werden. Denn die Berichterstattungen, die natürlich im Moment massiv zunehmen, beziehen sich eigentlich immer nur auf den ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten der USA. Berichte über den Republikaner John McCain zeichnen, wenn man sie überhaupt findet, in den meisten Fällen ein eher negatives Bild von ihm, seiner Partei und seinem Stab. Das vieles in diesem bedeutenden Wahlkampf manipulativ geschieht, zeigt auch die aktuelle Nachrichtenlage um Barack Obama sehr deutlich.

Heil Hitler als Zeichen gegen Obama

Ende letzter Woche sind zwei mutmaßliche Attentäter in der Stadt Alamo in Tennessee verhaftet worden. Der 20 Jahre alte Daniel C. und sein 18 Jahre alte Komplize Paul S. wollten 88 Afroamerikaner erschießen und dann 14 weitere enthaupten, bevor sie Barack Obama töten wollten. Die meisten Opfer sollte es an einer mehrheitlich von Schwarzen besuchten Schule geben. Da es sich bei den mutmaßlichen Attentätern um Neonazis gehandelt haben soll, steht auch eine große Symbolik hinter der Anzahl der Opfer. Denn die 88 steht für Heil Hitler (zwei Mal der achte Buchstabe im Alphabet). Die 14 steht für einen sehr bekannten Satz aus der Neonaziszene der 14 Wörter beinhaltet (Wir müssen das Überleben von unserer Rasse und die Zukunft der weißen Kinder sichern). Die Frage die bei alldem natürlich im Raum steht, wie glaubwürdig ist all dies. Natürlich muss man auch die kleinste Bedrohung ernst nehmen aber es bleiben auch darüber hinaus noch weitere interessante Fakten.

Das Medienspektakel, welches hier über die Fantasien zweier Jugendlicher, die wohl vor allem ein Schulmassaker anrichten wollten, entfacht wurde, dient in erster Linie Barack Obama. Natürlich ist die Bedrohung ernst zu nehmen, was nicht zu letzt die Angedachten Raubüberfälle auf Waffenläden bewiesen. Solche Pläne machen auch noch ein Mal klar, dass es vor allem auch in den USA noch immer Rassismus gibt. Aber wie gesagt, es gibt auch noch einen anderen Blickwinkel. Denn auch in anderen Ländern, nehmen terroristische Verschwörungen Einfluss auf die Politik. So wurde der spanische Sozialist José Luis Rodríguez Zapatero im März 2004 überraschender Wahlsieger nach den Attentaten auf die madrilenischen Vorstadtzüge. Gordon Brown erhielt sein erstes politisches Hoch durch die Anschläge auf den Flughafen von Glasgow im Sommer 2007. Man sieht es gibt viele Beispiele wo Terror, Attentate oder ähnliches direkten Einfluss auf die Politik genommen haben. Dies lässt natürlich erst ein Mal viel Raum für Spekulationen.

Ein verhindertes Schulmassaker

Auch in Deutschland ist dieses Phänomen immer wieder zu bewundern. Denn hier wird auch ein massiver Antiterrorkampf geführt, der zum Teil sogar soweit geht, dass versucht wird in seinem Namen die Verfassung aufzuweichen. Dies alles geschieht in Deutschland, ohne dass es auch nur ein klares, einer islamistischen Terrorgruppe zu zuordnendes Attentat gegeben hätte. Die Frage die sich so stellt ist, wie viel Wahrheit steckt in an all diesen Terrorgeschichten, die immer wieder das politische Leben verändern. Der eben genannte Terroranschlag von Schottland aus dem Jahr 2007 passte nicht wirklich in das klassische Terrorbild. In Spanien verhalf Zapatero vor allem die Fehleinschätzung zum Wahlsieg, dass man zu Beginn der Vermutung nachging, dass die baskische Terrororganisation ETA hinter all dem stecken würde. Man sieht es ist ein undurchsichtiges Feld auf dem man sich hier bewegt, wo vieles nicht annähernd so klar ist, wie es oftmals scheint.

Im Fall des mutmaßlichen Attentatsplan gegen Barack Obama muss man wohl auch sagen, dass durch das frühzeitige eingreifen der Strafverfolgungsbehörden in jedem Fall ein Schulmassaker verhindert wurde, allein dafür hat sich der Einsatz gelohnt. Ob es allerdings jemals zu einem Attentat gegen Barack Obama gekommen wäre, darf wohl eher bezweifelt werden. Wahlstrategisch gesehen sind diese Geschehnisse natürlich für den demokratischen Kandidaten ein Mal mehr sehr viel wert, denn der verliert desto näher der Wahltag rückt immer mehr an Boden und kann somit natürlich frischen Wind gebrauchen. Manche Institute sehen ihn gar nur noch bei zwei Punkten vor seinem republikanischen Gegner John McCain. Die Geschehnisse von Tennessee zeigen aber auch wieder sehr deutlich, dass es bei heutigen Wahlen immer seltener um Realpolitik geht, als viel mehr um Nachrichten und zwar vor allem um Nachrichten, in denen es um Terror geht.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Angelika M. Wohofsky // 29. Okt 2008 at 11:36

    Dazu hier ein kurzes Statement:

    Gestern war der ganze späte Abend im ORF den Wahlen in den USA gewidmet. Was deutlich gemacht wurde war, dass Religion und Politik nach wie vor im US amerikanischen Alltag miteinander verbunden sind.

    Wenige von uns wissen, dass in den USA im Grunde der “Gottesstaat” errichtet hätte werden sollen, zu dem es in Mitteleuropa nicht gereicht hatte. Das waren Motive der zumeist deutschsprachigen Auswanderer (übrigens war eine Stimme ausschlaggebend, dass die USA heute Englisch statt Deutsch als Amtssprache haben!). Aus dem Motiv des Gottesstaates heraus lässt sich auch erklären, warum Kirchen in den USA für die Politik Propaganda machen. Zum Beispiel gewann McCain die Vorwahlen im konservativ-katholischen New Hampshire. Und der Gottesstaat “Amerika” wird übrigens in den USA offen angesprochen. Da nimmt man sich kein Blatt vor den Mund. USA ist kein säkularisiertes Land. Ist ein religiöses Land, in dem die konservativ-christlich fundamentalistische Rechte an Einfluss wieder zunimmt, und zwar bis ins Weiße Haus. Als religiöses Land stehen die USA am Beginn der Gesellschaftsentwicklung – so sehen wir das in der Humangeographie – und sind noch weit von der wirklichen “Freiheit eines Christenmenschen” entfernt!

    Klar, dass diese Auffassung, Staat und Kirche gehören seit Präsident Carter wieder zusammen, für uns Mitteleuropäer eigentümlich ist. Sie darf aber berücksichtigt werden, weil darin liegt die Kraft der amerikanischen Gesellschaft. Egal um welche Art von Religion es sich handelt, beide Kandidaten (John McCain und Barack Obama) buhlen um religiöse Wählerschichten. Der Eine um die Katholiken und stark konservativen Evangelikalen, der Andere um gläubige Hispanics und treue Christen. Der Nährboden für die christliche Rechte wird damit bestens bedient.

    By the way: Kennedy sprach sich bei seinem Amtsantritt deutlich für eine Trennung von Staat und Kirche aus. Das hielt im Land des “Gottesstaates” keine 20 Jahre. Man muss also die amerikanische Geschichte kennen, um die Vorgänge in der US-Gesellschaft nachzuvollziehen. Als Humangeographin würde ich sagen, man müsse den “Eigen-Sinn” des Landes kennen, um die Reaktionen der US-Gesellschaft zu verstehen.

    AMW

  • 2 saibot // 7. Nov 2008 at 09:06

    @Angelika
    1. Das mit der einen Stimme für die Amtssprache ist ein, leider viel zu oft zitierter, Fehler. Es ging dabei NICHT um die Amtssprache der USA sondern nur um die Sprache der Veröffentlichungen von Gesetzten. Und das auch nur in einem Bundesstaat. Deutsch als Amtssprache was NIE angedacht.
    2. Die Auswanderer wollten eben KEINEN Gottesstaat. Darum sind sie ja ausgewandert: Um ihre Religion frei zu gestalten und nicht von der Regierung vorgeschrieben zu bekommen. Einfach mal die Verfassung der USA lesen. Oder mit Migration beschäftigen. Das heute ein bedeutender Teil der USA evangelikal ist, kann ja nicht bestritten werden. Die Bedeutung wird aber überschätzt.
    Zudem muss man anfügen: Religion ist in jeder Kultur einflussreich. Auch Europa ist stark christlich geprägt. Ein Grund zur Sorge vor einem “Gottesstaat” stellt das aber nicht dar…

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