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Die Wahrheit des Wortes

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Barack Obama in Berlin. Eine Nachlese

25. Juli 2008

Der Erfolg der großen Obama-Show war so überwältigend, dass sie so eben noch bis 14 Uhr verlängert wurde. Taktisch schon wieder ein gelungener Schachzug des Meisters der Medien. Eigentlich sollte es heute noch zum amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein nach Rheinland-Pfalz gehen. Aber was ist bitte schon Rheinland-Pfalz im Gegensatz zu Berlin. Alle warten gespannt am Hotel Adlon in Berlin darauf, ob er nicht doch zum Brandenburger Tor geht oder ähnliches. Genau das ist das, was diesen Mann auszeichnet. Er kommt ohne etwas zu machen, ohne Inhalt immer weiter voran. Er ist, wie auch die gestrige Rede gezeigt hat, ein Meister des Scheins und passt damit natürlich perfekt in unsere heutige Gesellschaft.

Ein seichtes Popkonzert

Die Rede, die er gestern vor unzähligen Menschen an der Siegessäule gehalten hat, war ein voller Erfolg. Da sind sich scheinbar ein Mal alle einig. Allerdings ist Erfolg natürlich immer etwas Relatives und gerade im Bereich des Showbusiness und genau darüber reden wir, gilt dies. Denn schon bei den Zuschauerzahlen ging es los. Waren es gestern Abend laut Angaben der ARD noch gut 100.000 Besucher, hat sich diese Zahl heute Morgen, laut Angaben der Nachrichtensender n-tv und N24, schon verdoppelt. Selbst die gerade genannten 100.000 Besucher wurden aber schon als riesiger Erfolg gefeiert. Dies ist deshalb so interessant, gab es doch Schätzungen die bis zu einer halben Millionen Besucher prophezeiten. Somit wären je nach Rechengrundlage gerade ein Mal 20 Prozent der erhofften Besucher da gewesen. Ob das ein Erfolg ist sei dahingestellt.

Die Rede selbst war grandios aufgebaut. Begonnen mit seiner eigenen Vita und den Wurzeln in Afrika, über die Berliner Luftbrücke, dem Kampf der Berliner für die Freiheit bis hin zu den Problemen der jüngsten Geschichte, wie die Attentate vom 11. September 2001 oder Madrid und London. Aber es ging natürlich auch um die heutige Zeit. Von der CO2-Problematik bis zu dem Genozid in Darfur. Die spannende Frage die sich aber stellt ist, was sagte Barack Obama eigentlich wirklich. Auch wenn man das Gefühl hat, dass dies nur die wenigsten interessierte, denn man hatte ein Mal mehr das Gefühl auf einem seichten Popkonzert zu sein, wo Inhalte irrelevant sind und die Hauptsache ist, das die Show stimmt. Trotzdem sollte man der Frage nach den Inhalten ein Mal nachgehen und kommt zu erschreckenden Erkenntnissen.

Das Erbe George W. Bushs

Man muss wohl sagen, dass es kein Problem dieser Welt gab, welches Barack Obama nicht ansprach. Das er irgendetwas ansprach, bedeutete noch lange nicht, dass es auch um Antworten ging. Es wurde immer wieder die Worthülse des `Niederreißens` verwendet. Dies geschah in einem klaren Kontext zu der Rede von Ronald Reagan, mit dem er die Tage genauso oft verglichen wurde, wie mit John F. Kennedy. Ein weiterer grandioser Schachzug, denn allzu oft ging ein kleiner aber feiner Unterschied völlig unter. Reagan, wie auch Kennedy hatten schon etwas geleistet und waren Präsidenten als sie in Berlin waren. Obama glänzt bis heute nur durch Rhetorik. So spricht er im Kontext zum Iran von einer atomwaffenfreien Welt. Man darf gespannt sein, wie er seinem Volk erklären mag, dass die Atomsupermacht USA alle Atomwaffen entsorgen. Er greift China massiv an und unterstellt ihnen die Alleinschuld für das schmelzen der Polkappen und so etwas aus amerikanischem Munde, dass darf man durchaus als mutig einstufen.

Natürlich ging es auch um die transatlantische Partnerschaft. Das Thema der Themen, gerade auch aus europäischer Sicht. Hier wurde es dann richtig spannend, denn wenn man sich auf den Kern seiner Aussagen konzentrierte, konnte man es durchaus so verstehen als bräuchte er, als bräuchte ein Amerika unter seiner Führung, Europa vor allem als verteidigenden Brückenkopf gen Osten. Als Pufferzone gegen die Mammutkontinente Asien und Afrika. Dies scheint dann wohl der finale Preis zu sein, den wir Deutschen, aber auch ganz Europa für die Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg zu bezahlen haben. Als Europäer sollte man sich diese Worte immer gut vor Augen halten, denn es gibt da scheinbar jemand, der Europa unter dem Deckmantel einer Partnerschaft, unter sein Joch bekommen möchte. Abschließend bleibt die Erkenntnis, dass man vor diesem nett grinsenden, außerordentlich dynamischen Wolf im Schafspelz Angst haben darf. Viele werden noch überrascht sein, wie der lang erwartetet Wandel weg von George W. Bush, aussehen wird. Wenn er dann überhaupt kommt.

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Kategorie: Europa · Medien · Politik

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